Nach über einem Jahr Pandemie dürfen auch die Sex-Betriebe in Hessen erstmals wieder öffnen. Die Lichter im Frankfurter Bahnhofsviertel leuchten wieder.
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Nach über einem Jahr Pandemie dürfen auch die Sex-Betriebe in Hessen erstmals wieder öffnen. Die Lichter im Frankfurter Bahnhofsviertel leuchten wieder.

Betreiber berichten

Frankfurter Bahnhofsviertel erwacht aus Corona-Lockdown: Viele „Hurenpässe“ abgelaufen

  • Yannick Wenig
    VonYannick Wenig
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Rote Neonleuchten an den Fassaden, schummrige Beleuchtung in den Table-Dance-Bars: Das Bahnhofsviertel in Frankfurt erwacht nach der Corona-Pause.

Frankfurt – Wummernde Bässe aus den Striptease-Bars, Freier, die vor dem Bordellbesuch ihre Kontaktdaten hinterlegen, Maskenzwang auf dem Weg zu Zimmern und Tischen. Seit Freitag (25.06.2021) dürfen die Rotlichtbetriebe im Frankfurter Bahnhofsviertel angesichts der beschlossenen Corona-Lockerungen in Hessen wieder öffnen. Alles wie früher? Nicht ganz. Bei vielen, die hier ihr Geld verdient hatten, ist wegen der Krisen-Erfahrungen eine neue Nachdenklichkeit aufgekommen.

„Für den Anfang sind wir mit zwölf Frauen gestartet - das kam ja von heute auf morgen, dass wir wieder aufmachen können“, sagte Christian Eckerlin, Betriebsleiter der Striptease-Bar „Pure Platinum“ im Bahnhofsviertel in Frankfurt. „Ich bin zufrieden.“ Ob rund um den Hauptbahnhof Frankfurt bald wieder Zahlen, wie die vor Corona, erreicht werden, müsse abgewartet werden. „Viele Leute sind noch in Kurzarbeit ich denke, es wird Zeit brauchen.“

Bahnhofsviertel in Frankfurt: Menschen müssen sich an das Ende des Corona-Lockdowns „gewöhnen“

Tatsächlich sind die Tänzerinnen in der Striptease-Bar „Pure Platinum“ in Frankfurt am Freitagabend eine Stunde nach Öffnung noch weitgehend unter sich. Eine junge Frau dreht eher lustlos eine Runde an der Stange im während des Corona-Lockdowns umgebauten Lokal. Umbaumaßnahmen anderer Art bemerken auch die Tänzerinnen, die nach langer Zeit wieder ihre Kolleginnen treffen: „Um wie viel hast du größer machen lassen?“, wurde in einer der Nische nach kurzem Blick gefragt. „Von C auf E!“, erwidert die Besitzerin einer neuen Oberweite.

„Bis jetzt haben wir nicht so viele Reservierungen, aber das ist normal - die Leute müssen sich erst mal dran gewöhnen, dass wieder auf ist“, sagt Christian Eckerlin. „Wir müssen abwarten, ob es wieder zurückkommt zu den alten Zeiten.“ An einem warmen Abend am Wochenende gehe es ohnehin erst spät richtig los, und auch EM und Urlaubszeit könnten sich auf die Besucherzahlen auswirken.

Auch wenn es Corona-Hilfen gegeben hätte, sei das „nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“ gewesen, „damit die Leute ihre Familien über die Runden bringen können. Das ist nicht annähernd das, was hier umgesetzt wird“, so Eckerlin. Er hofft auf eine schnelle Rückkehr zum Normalbetrieb im Frankfurter Bahnhofsviertel. Es werde aber wohl alles seine Zeit brauchen.

Bahnhofsviertel Frankfurt: Corona hat vieles verändert - Ordnungsamt empfiehlt Terminbuchungen

Nadine Maletzki, Betreiberin des Laufhauses „Sex Inn“ in der Taunusstraße in Frankfurt, hatte am Freitag zunächst eher das Problem zu reichlicher Nachfrage, denn am Vormittag hatte zunächst nur eine Mieterin ihr Zimmer wieder bezogen. Am Abend arbeiteten acht Prostituierte, wie sie berichtete. Manche der ausländischen Frauen seien während des Corona-Lockdowns in ihre Heimatländer zurückgekehrt und noch nicht wieder zurück im Bahnhofsviertel in Frankfurt, andere müssten erst ihre Papiere in Ordnung bringen - nach der langen Zeit der Schließung seien die sogenannten „Hurenpässe“ meist ausgelaufen.

Diese Anmeldebescheinigungen nach dem Prostituiertenschutzgesetz müssten nun beim Ordnungsamt verlängert werden.
Das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt hatte am Freitag bereits telefonische Terminbuchungen empfohlen und mit den Frauen bereits im Vorfeld zu klären, was für Unterlagen und Nachweise sie brauchen.

Vor dem Laufhaus in der Frankfurter Taunusstraße standen zu dieser Zeit bereits Freier, die bereitwillig Ausweise zücken und Zettel für die Kontaktdatendatennachverfolgung ausfüllen. „Die Nachfrage ist auf jeden Fall groß - aber tagsüber hatte zunächst nur eine einzige Frau gearbeitet. Das war dann schon schwierig“, so Nadine Maletzki.

Frankfurt: Partyleben im Bahnhofsviertel nicht zurück - Polizei prüft Einhaltung der Corona-Auflagen

Am Nachmittag habe die Polizei noch einmal geprüft, dass alle Corona-Auflagen erfüllt würden, sagt Maletzki, die mit ihrer Forderung nach einer Öffnung der Bordelle im vergangenen Jahr sogar vor den Hessischen Verwaltungsgerichtshof gezogen war.

Noch allerdings haben am Freitag nur wenige Bordelle geöffnet, auch das normale Nacht- und Partyleben ist im Frankfurter Bahnhofsviertel noch nicht zurückgekehrt. Stattdessen warten in den Straßen des Bahnhofsviertels in Frankfurt Prostituierte auf dem während des Corona-Lockdowns entstandenen illegalen Straßenstrich auf Kunden, kauern Drogenabhängige in Hauseingängen oder liegen auf dem Bürgersteig. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Bahnhofsviertel in Frankfurt sind besonders sichtbar. „Die Partygäste sind weg und der Spaß“, so hat eine Tänzerin das Bahnhofsviertel im Lockdown beschrieben. „Und wenn das fehlt, siehst du die Realität.“ (yw mit dpa)

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