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Noch etwas provisorisch ist der neue Verkaufsraum in Sonnenstudio von Frank Höfel (rechts). Ohne ihn hätten Hilde Petersen-Weider (Mitte) und Björn Petersen aufgeben müssen. Foto: Rainer Rüffer

Familientradition

Traditionsgeschäft gerettet: Oma Hilde (87) verkauft weiter ihre Zigaretten

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Das Traditionsgeschäft von Oma Hilde ist in die Elbestraße umgezogen - die Rettung für ihren Tabakladen kam in letzter Minute.

  • Traditionsgeschäft von Oma Hilde darf bleiben
  • Umzug von Tabakladen in Elbestraße
  • Familientradition geht weiter

Frankfurt - Frank Höfel (46) ist kein Freund vieler Worte. Sein Lebensmotto lautet: "Nicht lange reden, lieber handeln." Nachdem er in der Presse gelesen hatte, dass der Tabakladen von Hilde Petersen-Weider Ende 2019 schließen muss und sie eine neue Bleibe sucht, musste er nicht lange überlegen. Er rief die 87-Jährige an und bot ihr an, ihr Geschäft im Sonnenstudio First Sun, das er in der Elbestraße 28 betreibt, weiterzuführen. Noch ist alles etwas provisorisch, doch seit ein paar Tagen ist geöffnet und die Geschäftsfrau verkauft dort Zigaretten, Zigarren, Zigarillo und Feuerzeuge.

Und sie ist überglücklich, dass die Familientradition weitergeht. "Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben", sagt sie. Den Laden hatten ihre Urgroßeltern 1932 eröffnet - anfangs war er auf der Zeil, dann an der Hauptwache, seit 1964 in der Münchener Straße 18. Schon vor zwei Jahren hatte Petersen-Weider die Kündigung erhalten. Nach Berichten auch dieser Zeitung gewährte der Vermieter aber einen Aufschub. Weil das Bahnhofsviertel sich gewandelt hat und als direkte Folge davon auch die Mieten zuletzt durch die Decke gingen, fand die Seniorin aber keine bezahlbaren Geschäftsräume.

Frankfurt Bahnhofsviertel: Oma Hilde darf weiter Zigaretten verkaufen

Doch mit Höfel kam die Rettung. "Sie hat das Bahnhofsviertel nach dem Krieg in den 50er Jahren mit aufgebaut. Da muss man doch helfen", sagt der 46-Jährige. Seit 25 Jahren ist er geschäftlich im Kiez verwurzelt, seit 14 Jahren betreibt er das Sonnenstudio. Als er damit begonnen habe, sei ihm finanziell geholfen worden. "Das habe ich nicht vergessen. Ich wollte das in irgendeiner Form weitergeben. Und ich habe bislang auch nur positive Reaktionen dafür bekommen", freut sich Höfel. Einschränken müsse er sich nicht, denn die Flächen, die jetzt vom Tabakladen genutzt werden, seien ohnehin frei gewesen.

Traditionsgeschäft von Oma Hilde: Bilderwand erinnert an früher

Für die 87-Jährige und ihren Enkel Björn Petersen, der seine Oma mal beerben und den Tabakladen weiterführen soll, sieht Höfel durch die Kooperation durchaus Vorteile. Die Seniorin bediene Kunden derzeit noch häufiger alleine. "Hier im Sonnenstudio ist ständig jemand da. Das ist sicherer für Frau Petersen-Weider", sagt er. Die Seniorin widerspricht zwar nicht, betont aber, dass sie in all den Jahren als Geschäftsfrau nie eine brenzlige Situation erlebt habe. "Ich bin auch nie überfallen worden." Und das soll auch so bleiben.

Etwas traurig ist Petersen-Weider, dass sie die Einrichtung im Laden in der Münchener Straße zurücklassen musste. Diese stammte noch aus dem Jahr 1964 und wurde jetzt verschrottet. Wenn sie allerdings Sehnsucht nach den guten alten Tagen in der Münchener Straße hat, muss Oma Hilde von ihrem Sitzplatz hinter dem Tresen bald nur den Kopf nach rechts drehen. Enkel Björn will nämlich am neuen Standort eine Bilderwand gestalten, die an die 55 Jahre währende Geschichte des Tabakladens erinnert.

Grundsätzlich wirkt der 23-Jährige seit der Rettung wie ausgewechselt. "Dass es weitergeht, hat vor allem Hoffnung gemacht", sagt er und berichtet von seinen Plänen. Er will beispielsweise eine eigene Internetseite gestalten, um auf einen besonderen Service hinzuweisen. Denn Feuerzeuge und Pfeifen werden auch am neuen Standort repariert. Rolf Düring, der Lebensgefährte von Hilde Petersen-Weider, ist der Fachmann für alle Fälle.

Frankfurt Bahnhofsviertel: Laden soll schnell wieder zum Laufen kommen

Die Internetseite kann aber noch warten, im Moment sei es wichtiger, den Laden und die Werkstatträume einzurichten und natürlich den Laden möglichst schnell einigermaßen zum Laufen zu bringen. Denn alleine von Stammkunden, die alle wissen, wo der neue Standort ist, könne man langfristig nicht existieren, sagt Björn Petersen. Mit großem Umsatz von Laufkundschaft rechnet er allerdings nicht, weil der Laden mangels Werbemöglichkeiten zu versteckt in der Seitenstraße liege. Möglichst schnell muss auch ein neuer Telefonanschluss her, im Moment sei man derzeit nur über die Lagernummer 25 14 41 zu erreichen.

Oma Hilde im Bahnhofsviertel: Schon als Kind im Laden gewesen

Er sei schon als Kind in dem Laden seiner Oma gewesen, sagt der 23-Jährige. Als er sich beruflich orientieren musste, habe er entschieden, die Familientradition fortzuführen. "Das macht mir einfach Spaß. Und das ist doch entscheidend." Er hofft, dass ihn Oma Hilde und ihr Lebensgefährten noch lange beratend zur Seite stehen können. Denn er muss noch viel von ihnen lernen, bis er geschäftlich endgültig auf eigenen Beinen stehen kann. 

Matthias Bittner

Die Traditionsmetzgerei Bumb in Frankfurt-Sachsenhausen macht dicht. Erst vor anderthalb Jahren hatte sie den Besitzer gewechselt.

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