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Bepackt mit Lebensmitteln und Kleidern machen sich die Mitglieder des Jugendclubs auf den Weg durch das Bahnhofviertel, um Bedürftige zu beschenken. 

Soziales Engagement

Jugendclub verteilt im Bahnhofsviertel in Frankfurt Geschenke an Obdachlose

Im Bahnhofsviertel in Frankfurt haben Kinder des DJR Essen und Kleidung verteilt. Selbst in die dunkelsten Ecken wie Moselstraße und Niddastraße konnten sie ein Lächeln bringen. 

Frankfurt – Israa (14) hat es vor einem Jahr schon gemacht. Ayat und Merve (beide 11) haben letztes Jahr beim Packen geholfen, dieses Mal sind sie dabei. Ein ganzes Auto voll mit Kleidung, Thermomatten, Essen und Tierfutter haben die Jungen und Mädchen aus dem Kinderclub am Frankfurter Berg bei ihren Eltern, Nachbarn und Freunden gesammelt. Mit Bollerwagen in der Hand ziehen sie zu sechst durchs Bahnhofsviertel. "Es gibt Leute, die arm sind. Leute, die nichts haben. Denen wollen wir eine Freude machen. Es hilft ihnen und auch meinem eigenen Gewissen", sagt Israa selbstbewusst.

Am Vormittag waren die Kids noch in der Schule, danach haben sie gepackt. Brote, Geflügelwurst und Mandarinen in Papiertüten. Socken, Schals, Schuhe, Handschuhe, Wäsche, Hosen, Pullover und Jacken für Männer und Frauen getrennt in großen Tüten. Dazu jede Menge Gulaschsuppe und Ravioli in Dosen. Und Hundefutter. "Unser Mittagessen ist ausnahmsweise ausgefallen", so Merve lachend.

Hilfe für Obdachlose im Bahnhofsviertel von Frankfurt: Ravioli in der Dose

Ganz geheuer ist ihr auf dem Bahnhofsplatz nicht. "Fremde anzusprechen ist nicht so leicht", meint sie. Israa stimmt zu. "Letztes Jahr waren wir schon einmal hier und es war gar nicht so leicht, die armen Menschen davon zu überzeugen, dass wir ihnen einfach nur eine Freude machen wollen." Die Elfjährigen sind "voll aufgeregt".

Anna Homm leitet den Kinderclub der Deutschen Jugend aus Russland (DJR), die gerade ihr zwanzigjähriges Bestehen feiert. Gemeinsam mit Betreuer Nasarulla (23) und einem Bekannten, der sich extra dienstfrei für die Aktion genommen hat, erklärt sie den Kindern: "Die Menschen können auch alles ablehnen. Nehmt es nicht persönlich."

Bereits im Kaisersack läuft es völlig anders als im Vorjahr. Obdachlose und drogenabhängige Männer und Frauen umringen die jungen Helfer in wenigen Minuten und strahlen ungläubig. "Habt ihr eine Hose?" fragt ein abgemagerter Mann mit tiefen schwarzen Ringen unter den Augen, schüchtern. Er bekommt noch Socken und Essen dazu. Im Nu ist die erste Fuhre weg.

Kinder haben keine Furcht vor Bahnhofsviertel in Frankfurt

Kazimir steht mit seinem kleinen Hund Wölfchen daneben. "Ich war fünf Jahre auf der Straße. Aber ich habe es geschafft, wieder Fuß zu fassen", sagt er und beobachtet die Kinder mit Herz und die Bedürftigen. Er atmet tief. "Es ist schlimm, auf der Straße zu leben", sagt er.

Soviel "Danke" haben die Mädchen noch nie in so kurzer Zeit gehört. Manche winken, andere haben Tränen in den Augen. "Schöne Weihnachten", ruft eine Frau gerührt, als sie einen blauen Schal, Handschuhe und eine Isomatte bekommt. "Danke."

Auf ihrem Weg durchs Bahnhofsviertel nehmen die engagierten Jugendlichen eine Welt wahr, die ihnen bislang völlig fremd war.

"Ich habe Hunger. Bitte", sagen immer wieder Menschen zu ihnen. In der Moselstraße ebenso wie in der Niddastraße in der Nähe des Konsumraums der integrativen Drogenhilfe. Trübe Blicke verwandeln sich für einen Moment in strahlende Augen. Ein alter Mann fegt Müll vom Bürgersteig und der Straße. Als Israa ihn fragt, ob er etwas zu essen möchte, sieht er sie ungläubig an und antwortet leise "Ja. Ich habe Hunger." Ayat gibt einem anderen Mann eine Dose Suppe. Er strahlt und ruft dann laut: "Ich habe Suppe, ich habe Suppe."

Bahnhofsviertel in Frankfurt: „Es gibt so furchtbar viel Armut und Elend“

Die Mädchen verteilen unermüdlich, alles, was wärmt. Sie beobachten, wie Männer und Frauen Schuhe anprobieren und glücklich lächeln. "Ihr seid korrekt. Danke Euch. Sehr", sagt eine Frau leise. Homm und die jungen Begleiter müssen immer wieder schlucken. "Es gibt so furchtbar viel Armut und Elend. Da wird es einem ganz flau im Bauch. Die Armut scheint schlimmer geworden zu sein." Nasarulla ist nachdenklich. "Es sind gute Menschen. Freundlich. Sie sind krank. Wer weiß, was sie erlebt haben." Die Mädchen sagen, dass sie noch viel mehr hätten bringen sollen. "Wer denkt schon daran, wie sehr sich Leute auf der Straße Unterwäsche wünschen?"

Auch der Bekannte ist "überwältigt von der Armut und den mutigen Jugendlichen vom Frankfurter Berg. Die strahlen. "Wir kommen wieder", sagt Ayat. "Unbedingt. Die Menschen hier brauchen uns."

Von Sabine Schramek

Eine seltsame Geschichte ist im Bahnhofsviertel in Frankfurt passiert: Ein Mann ist in ein Bürogebäude eingebrochen - seine Beute war reichlich kurios.

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