Ein Barbier aus Niederrad schneidet prominenten Gästen die Haare. (Symbolbild)
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Ein Barbier aus Niederrad schneidet prominenten Gästen die Haare. (Symbolbild)

Wo Mann sich pudelwohl fühlt

Erfolgreicher Barbier in Frankfurt bedient Kunden aus der Nationalmannschaft und von der SGE

  • VonSabine Schramek
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Seit etwa sechs Jahren schießen Barber-Shops an allen Ecken wie Pilze aus dem Boden. Emrah Sirin aus Frankfurt hatte schon deutlich früher den richtigen Riecher.

Frankfurt – Wenn alle Menschen so gut frisiert wären wie „Boyka“, wäre die Welt wunderschön. Der zweijährige Zwergspitz-Pomeranian sieht aus wie eine kleine Flauschkugel und wuselt stolz und selbstbewusst zwischen Rasiermessern, Ledersofas, gerahmten Fußballer-Trikots, Pomade und Kunstausstellung hin und her. „Er weiß, wie schön er ist“, sagt Emrah Sirin (37). Der gebürtige Niederräder hat viel Sinn für Ästhetik.

„In meinem ersten Men’s Room auf der Bruchfeldstraße in Niederrad habe ich mit meinem Bruder Anil noch ganz viel selbst gebaut. Mit Holz und jeder Menge Ideen, damit sich die Kunden rundum wohlfühlen“, erzählt er wie selbstverständlich. Eigentlich wollte der schlanke Mann mit Löwen-Tattoo auf dem Rücken Ende der 90er Jahre nach der Schule chillen. „Meine Mutter hat mich ermutigt, das zu machen, was ich heute tue. Und ich bereue keinen Tag“, so Sirin.

Men’s Room in der Bruchfeldstraße in Frankfurt

Er hat in Salons im Bahnhofsviertel, im Gallus und in Niederrad in Frankfurt als Angestellter gearbeitet. „Es kamen immer wieder Jungs aus Gießen, um sich ihre Haare und ihren Bart machen zu lassen. Da dachte ich, wenn die von so weit herkommen, fehlt etwas in Gießen und vor 15 Jahren habe ich dort die Marktlücke gefüllt meinen ersten Laden aufgemacht.“ Mit allem, was er dort gelernt hat, ging er zurück nach Hause und hat den „Men’s Room“ in der Bruchfeldstraße gestartet.

„Mein Traum war eine weitere Filiale in der Hochstraße an der Alten Oper.“ Ein Jahr lang hat er verhandelt, bis er im April 2019 diesen Traum erfüllen konnte. Durchgestylt wie ein Loft mit edlen Spiegeln, Granit an der Wand, Ledermöbeln, rosa Marmor am Boden, schwarz-goldenen Lampen und Schließfächern wie Tresore in schwarz-gold. Ein paar Stufen hinauf ist eine Wartelounge, die jedem Club Konkurrenz macht. Gemütliche gepolsterte Designer-Sessel in Orange und Grün vor dunklen Wänden stehen aufgelockert neben minimalistischen Holztischchen.

Frankfurt: „Es sind Fußballer von der Nationalmannschaft dabei und von der Eintracht“

An den Wänden hängen moderne Acryl- und Ölpastell-Kunstwerke des jungen Frankfurter Künstlers Tugyan Cengic und eingerahmte signierte Fußball-Trikots der National-Elf. Dazwischen ein Gold gerahmtes Ölgemälde mit einem Löwen in Uniform. „Meine Mutter ist Löwe. Ich bin Widder“, erzählt der freundliche Barbier grinsend. Prominente Kunden hat er zuhauf. Über Namen spricht er nicht. „Es sind Fußballer von der Nationalmannschaft dabei und von der Eintracht. Es gibt Banker, Manager und Jungs, die Wert auf gutes Aussehen legen und oft auch ziemlich eitel sind“, meint er bescheiden und bleibt diskret.

Zu fünft arbeitet er in den Salons. „Gute Barbiere zu finden, die nicht nur technisch super arbeiten, sondern auch unterhalten können, freundlich sind und mit Herzblut bei der Sache sind, ist gar nicht so einfach“, erzählt Sirin. Ausbilden würde er gerne, aber bisher ist der Beruf „Barbier“ kein eigener IHK-Ausbildungsberuf. „Das ist sehr schade. Als Friseur kann ich in meinen Men’s Rooms nicht ausbilden, weil wir keine Frauen als Kundschaft haben und auch nicht färben.“ Die Lockdown-Zeit war hart für die Sirin-Brüder und ihre Mit-Barbiere. „Nicht nur finanziell. Mir hat der Umgang mit den Menschen gefehlt. Der Stress, das Beste geben zu wollen, die Gespräche mit den Kunden und der Umgang mit ihren Bärten und Haaren. Und vor allem, jeden Tag Menschen glücklich zu machen.“

Men‘s Room in Frankfurt: „Ich bin dankbar, dass ich wieder arbeiten kann“

Für die Hochstraße hatte er schon vor Corona viele Pläne. Night-Cuttings, Gin-Abende mit Finger-Food, Musik und Cocktails. Dann kam die Pandemie. Daher hat Sirin die Pläne zunächst verschoben. „Ich bin einfach dankbar und glücklich, dass ich wieder arbeiten kann. Irgendwann wird es möglich sein, die Ideen umzusetzen. Jetzt ist die Hauptsache, dass alle gesund bleiben.“ Er streicht seinem Hündchen Boyka, der sich von der Sofalehne aus durch das Schaufenster von Passanten bewundern lässt, über den Flauschkopf und lacht ebenso wie die Leute, die vorbeigehen. „Darum geht es. Dass es immer wieder Freude und etwas zu lachen im Leben gibt.“ (Sabine Schramek)

Die siebenjährige Leana spendete in einem Friseursalon in Frankfurt zum zweiten Mal ihre langen Haare für Krebspatienten.

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