Die Barrelhouse Jazzband, das sind (von links) Reimer von Essen, Michael Ehret, Frank Selten, Roman Klöcker, Lindy Huppertsberg, Christof Sänger, Horst Schwarz.
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Die Barrelhouse Jazzband, das sind (von links) Reimer von Essen, Michael Ehret, Frank Selten, Roman Klöcker, Lindy Huppertsberg, Christof Sänger, Horst Schwarz.

New-Orleans-Sound

Frankfurt: Barrelhouse Jazzband kämpft ums Überleben

  • vonDetlef Kinsler
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Spendenaufruf und ein Konzert im Biergarten der Batschkapp

Wenn sich eine Institution wie die Barrelhouse Jazzband entschließt, auf ihre alten Tage zu ganz modernen Mitteln zu greifen, dann muss das einen ernsten Hintergrund haben. In drei Jahren könnten die Musiker den 70. Geburtstag als erfolgreichste Vertreter des legendären New Orleans-Sounds in Deutschland feiern. Welch ein Jubiläum. Gerade aber kämpft das Septett Covid-19-bedingt ums Überleben. Wie bei den meisten Künstlern sind die Einnahmen weggebrochen. Das letzte Konzert spielten sie am 26. Januar in der Stadthalle Langen.

"Wir drei Bläser, die ,Alten' in der Band, hatten früher mal bürgerlichen Berufe und können daher die Corona-Zeit ohne Unterstützung überleben: Reimer von Essen, der Bandleader und Klarinettist, war Lehrer, der Trompeter Horst Schwarz bis 1996 in verschiedenen bürgerlichen Berufen tätig, bevor er Berufsmusiker wurde, und ich, der Saxofonist und Klarinettist, war Leiter des Sprachenzentrums der Lufthansa", erzählt Frank Selten. Die anderen vier Musiker, Pianist Christof Sänger, Schlagzeuger Michael Ehret, Gitarrist Roman Klöcker und Bassistin Lindy Huppertsberg hat es dagegen hart getroffen.

Um deren Lebensunterhalt zu sichern, hat die Barrelhouse Jazzband eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. "Für den Spendenaufruf haben wir uns nach langen Diskussionen und der Not gehorchend entschlossen", berichtet Selten. "Die eingehenden Gelder werden für laufende Kosten verwendet und denjenigen unter uns zugute kommen, die es am meisten nötig haben." Als Gegenleistung wollen die Musiker nächstes Jahr ein besonderes Dankeschön-Konzert für die Spender veranstalten. Bis in den Mai 2021 hinein finden sich Termine auf der Website der Gruppe. "Aber viele Konzerte sind bis Ende des Jahres eigentlich nicht zu erwarten", kommentiert Selten die lange Liste.

"Eine Ausnahme ist die große Barrelhouse-Jazzparty in der Alten Oper Frankfurt am 19. Oktober, die mit den dann gültigen Einschränkungen stattfinden wird." Um aber aktuell auf die Spendenaktion aufmerksam zu machen, hat ein Freund der Band spontan ein Konzert organisiert. Die Jazz-Gemeinde wird sich verwundert die Augen reiben, denn die Matinee am 16. August um 11 Uhr findet im luftigen Biergarten der Batschkapp statt. Traditioneller Jazz und der Rocktempel, wie passt das zusammen? "Für unser Publikum ist die Batschkapp als Spielstätte der Barrelhouse Jazzband sicherlich neu", mutmaßt Selten.

"Hoffen wir also, dass die Fans trotzdem in Scharen in den großen Biergarten mit Sonnenschirmen, Bühne und Bewirtung strömen werden. Wir freuen uns auf das Wiedersehen nach so langer Zeit." Selten erinnert daran, dass es durchaus auch früher schon Jazzkonzerte in der Batschkapp gab. "Wenn auch in moderneren Jazzstilen", weiß Selten. "Die Verbindung der Barrelhouse Jazzband mit der Batschkapp mag neu sein, aber Berührungsängste hat es von unserer Seite aus nie gegeben." DETLEF KINSLER

Die Band

Nähere Informationen unter www.startnext.com/barrelhousjazzband

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