Wenn Züge fahren, müssen die Bauarbeiten in der Nähe der Gleise ruhen. Darum dauern die Arbeiten so lang. Foto: Oscar Unger
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Wenn Züge fahren, müssen die Bauarbeiten in der Nähe der Gleise ruhen. Darum dauern die Arbeiten so lang. Foto: Oscar Unger

S6-Ausbau

Frankfurt: Nur Bauen, wenn keine Züge fahren

  • vonFriedrich Reinhardt
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Deutsche Bahn antwortet auf Fragen zur Sperrung des Niddatals. Im zuständigen Ortsbeirat 10 ist der Unmut groß.

Schon der Titel drückt den Unmut aus. "Unbefriedigende Antworten der Deutschen Bahn AG in Sachen S 6-Ausbau im Bereich Berkersheim" heißt die Anfrage des Ortsbeirats 10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim). Darin versammelt das Gremium Fragen, die sich vor allem um die für Juni 2022 geplante Sperrung der beiden Wege von Berkersheim ins Niddatal drehen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

An welchen Beispielen lässt sich belegen, dass die Bahn bemüht ist, die Einschränkungen für die Berkersheimer zu reduzieren?

Der Bahnsprecher nennt zwei Beispiele. Zum einen habe die Bahn den Baustellenverkehr durch Harheim und Berkersheim reduziert. Von rund 200 Lkw-Fahrten pro Tag auf rund 65 Fahrten pro Tag. Dafür habe man die Bauabläufe gestreckt, damit nicht in Berkersheim und am Frankfurter Berg zeitgleich Erdarbeiten ausgeführt werden. Zum anderen habe die Bahn nach Gesprächen mit den Ortsbeiräten 10 und 14 (Harheim) an der Niddabrücke zwischen Berkersheim und Harheim einen Steg für Fußgänger und Radfahrer angehangen. Damit können sie getrennt vom motorisierten Verkehr die Brücke nutzen. Das senke die Einschränkungen für die Anwohner.

Warum muss die Querung Im Wiesengarten überhaupt geschlossen werden?

Für die zusätzlichen Gleise muss der Bahndamm verbreitert werden. Damit der Boden die Belastung durch den Zugverkehr trägt, wird er mit Rüttelstopfsäulen verdichtet. Einfach ausgedrückt heißt das: Eine Maschine haut ein Röhre in den Boden, die Erde wird nach rechts und links verdrängt und so verdichtet. Der Hohlraum wird mit Kies aufgefüllt. Das Viadukt "wurde zugeschüttet", sagt der Bahnsprecher, "um eine Ebene für das Bohrgerät herzustellen".

Und warum muss das Viadukt 14 Monate gesperrt bleiben?

In der Nähe der Gleise dürfe nur gebaut werden, wenn keine Züge fahren, erklärt der Bahnsprecher. "In diesen Sperrpausen müssen die Baustellen eingerichtet, die Arbeiten durchgeführt und die Baustellen wieder beseitigt werden. In einer Nacht gebe es dafür nur ein Zeitfenster von vier bis fünf Stunden. Das verlängert die Dauer der Arbeiten.

Wie vereinbart es die Bahn mit dem Baurecht, dass Verkehrsbeziehungen gänzlich gekappt werden?

Der Zugang von Berkersheim ins Niddatal werde nicht endgültig gesperrt, sagt der Bahnsprecher. Die Bahn werde eine barrierefreie Fußgängerbrücke an der S-Bahn-Haltestelle bauen. Ob diese auch mit Pferden überquert werden können, ließ der Sprecher in seiner Antwort offen. Dieter Wolff, Vorsitzender des Bürgervereins, ist bei diesem Lösungsansatz für die Berkersheimer Reiter ohnehin skeptisch. Auf einer Brücke befahrene Bahngleise zu überqueren, müsse mit den Tieren trainiert werden. Das funktioniere nur mit jüngeren Pferden.

Der Bahnsprecher verweist auch auf die Omega-Brücke, die den bahngleichen Übergang an der Berkersheimer Bahnstraße ersetzen sollte. "Hier liegt die Initiative seit 2016 bei der Stadt Frankfurt." Dass die Brücke nicht fertig wird, bis die beiden Überführungen gesperrt werden, sei nicht Schuld der Bahn.

Der Sprecher schiebt den "Schwarzen Peter" in Richtung der Stadtpolitik, wenn er in schönstem Amtsdeutsch schreibt: "Ein schneller Abschluss des Entscheidungsprozesses zum Ersatzbauwerk führt zu einer früheren Realisierung der Ersatzmaßnahme." Da die Wegebeziehungen also nicht dauerhaft geschlossen werden, gebe es auch kein rechtliches Problem.

Friedrich Reinhardt

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