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Die dunkelbraunen Blätter am Zweig in der Bildmitte sind ein klares Zeichen: Hier breitet sich der Feuerbrand aus. Wenn Andreas Schneider den Zweig abgeschnitten hat, muss er die Baumschere desinfizieren - um mit ihr nicht andere Bäume anzustecken.

Baum-Krankheit

Bio-Bauer kämpft gegen Seuche - Produktion von Apfelwein in Gefahr!

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Braun und total vertrocknet sind die vom Bakterium Erwinia amylovora befallenen Blätter der Apfel-, Birnen- und Quittenbäume. "Feuerbrand" heißt die Krankheit daher, die mehr als 2000 Bäume des Obsthofs Schneider befallen hat. Ernteausfälle sind die Folge - und sogar die Produktion des "Stöffche" ist in Gefahr.

Frankfurt - "Richtig krass" sei der Befall mit Feuerbrand in diesem Jahr, sagt Andreas Schneider. Rund 2000 Bäume auf seinem Bio-Hof in Nieder-Erlenbach sind von den Bakterien befallen, ein Viertel seines Bestands. Vor allem Apfel-, Birnen und Quittenbäume hat es getroffen. "Einige der Apfelbäume haben wir erst 2014 und 2015 gepflanzt. Dieses Jahr hätten wir zum ersten Mal ernten können. Nun mussten wir sie so zurückschneiden, dass sie erst in drei Jahren wieder Früchte tragen."

Die Krankheit sei sehr gefährlich, erklärt Eberhard Walther, Versuchsleiter Obstbau beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Junge Pflanzen könnten sterben, ganze Plantagen müssten im schlimmsten Fall gefällt werden. Für Bio-Landwirt Schneider kommt erschwerend hinzu: Antibiotika darf er nicht einsetzen, um die Seuche loszuwerden. "Dann würde ich die Bio-Zertifizierung verlieren", sagt er.

Mittel gegen Baum-Krankheit: Immer wieder schneiden

So bleibt Schneider nur, wieder und wieder die kranken Zweige und Äste herausschneiden zu lassen, wohl den ganzen Sommer lang. Denn über kleine Tröpfchen, etwa bei Regen, werden die Bakterien weiter getragen und weitere Äste oder gar Bäume infiziert, ebenso über die Kleidung oder die Baumscheren, mit denen seine Angestellten arbeiten, durch Insekten und Vögel. "Wir haben sieben, acht Scheren, die in einem Eimer mit Desinfektionsmittel stehen. Der Mitarbeiter macht nur drei, vier Schnitte mit einer Schere, stellt sie in den Eimer und benutzt dann die nächste." Ein sehr aufwendiges Verfahren - "aber uns bleibt nichts anderes übrig."

In den 25 Jahren seit er den von seinen Eltern gegründeten Betrieb auf Bio-Anbau umstellte "habe ich so etwas noch nie erlebt", sagt Andreas Schneider. Vor über 50 Jahren über Südengland aus Nordamerika eingeschleppt, hätten Experten es noch immer nicht geschafft, den gefährlichen Erreger wieder loszuwerden, sagt Eberhard Walther. Auch weil die Bäume ja international gehandelt werden. Antibiotika dürften gegen den Feuerbrand nur mit einer Sondergenehmigung des Regierungspräsidiums eingesetzt werden. "Weil der Erreger Resistenzen entwickeln könnte, setzten wir den Wirkstoff nur sparsam ein", so Walther.

Baum-Seuche: Wie verbrannt

Seinen Namen hat der Feuerbrand von seiner verheerenden Wirkung, erklärt Walther. "Die betroffenen Zweige sterben ab. Die Blätter werden fast schwarz, so als ob sie verbrannt wären." Die Bakterien mit Namen "Erwinia amylovora" befallen vor allem Rosengewächse - und unter diesen sind die Kernobstgewächse die am stärksten gefährdeten Bäume. "Die Hauptübertragungszeit ist die Blütezeit", erklärt Eberhard Walther. Über die Blüte, Verletzungen wie etwa Schnitte, aber auch frische Triebe dringen die Bakterien in den Baum ein. Noch sei die Gefahr nicht gebannt, bei vielen Bäumen sei der Austrieb noch nicht beendet.

Das Wetter habe die Ausbreitung des Erregers begünstigt, sagt Schneider: Heiß und schwül sei es lange gewesen, ein idealer Nährboden für die Bakterien. Die abgeschnittenen Äste zerkleinere ein Spezialbetrieb, um sie anschließend in seinen Öfen zu verbrennen. "Nur das Verbrennen verhindert eine weitere Ausbreitung." Der Erreger tauche "partiell" auf, vor allem in Südhessen weil es hier mehr Obstbauern gebe als im Norden des Bundeslandes, sagt Walther. Mehr erfahren könnten Gärtner in den Kursen der Gartenbauzentren des LLH in Kassel und Geisenheim.

"Hätten wir nicht noch anderes Obst und unsere Schoppenwirtschaft, bekämen wir nun sicherlich finanzielle Probleme", sagt Andreas Schneider. Auch treibt ihn die Sorge um, dass die Apfelweinvorräte wegen der erneut schlechten Ernte zur Neige gehen. "Wir werden dieses Jahr Obst zukaufen müssen." Zurzeit gibt es neben roten und schwarzen Johannisbeeren vor allem Erdbeeren, von denen Schneider 25 Sorten anbaut, die zu unterschiedlichen Jahreszeit reif werden. "Und ab August werden die ersten Äpfel reif."

VON ANDREAS HAUPT

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