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Eine zehn Meter hohe Lärmschutzwand soll den Baulärm in der Lahmeyerstraße dämmen. Anderthalb Jahre wird hier gebaut.

Bau des Riederwaldtunnels

Baustart an der Lahmeyerbrücke: Anwohner sind stinkesauer

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Sechs Wochen können die U-Bahn-Linien 4 und 7 nicht zur Endhaltestelle Enkheim fahren: In der Schäfflestraße ist Schluss, wegen Vorarbeiten zum Bau des Riederwaldtunnels. Ein Radweg wurde verlegt, die Lahmeyerstraße für anderthalb Jahre gesperrt. Und auch für Autofahrer wird es eng.

Frankfurt - Rund anderthalb Jahre lang wird von nun an voraussichtlich an der Leitungsbrücke Lahmeyerbrücke gebaut. Sie ist eine von drei derartigen unterirdischen Bauwerken, durch die Strom-, Wasser-, Gas- und andere Leitungen über den geplanten Autobahntunnel geführt werden. Die beiden anderen am Gleisdreieck Konrad-Haenisch-Straße und östlich der Borsigallee sind bereits fertig. Für den Bau dieser dritten Leitungsbrücke ist bereits die Lahmeyerstraße gesperrt. In den kommenden sechs Wochen wird außerdem der U-Bahn-Verkehr eingestellt. In einer weiteren Bauphase wird auch der Verlauf der Straße Am Erlenbruch verlegt, erläuterte die für den Bau des Riederwaldtunnels zuständige Behörde Hessen Mobil bei einem Infoabend.

Grund für die Einschränkungen im U-Bahn- und Straßenverkehr ist, dass die 33 Meter lange Leitungsbrücke unter die bestehenden U-Bahngleise gebaut werden muss sowie ein Stück unter der Straße Am Erlenbruch. Dazu müssen unter Bahntrasse und Straße Brücken eingebaut werden, über die danach die Bahnen und Autos rollen, während unten drunter die Leitungsbrücke entsteht.

Die erste Einschränkung trifft dabei die U-Bahn-Fahrgäste: Bis Sonntag, 21. Juli, endet die Linie U 4 von Bornheim kommend an der Seckbacher Landstraße, die von der Eissporthalle kommende U 7 an der Schäfflestraße. Vom 22. Juli bis Sonntag, 11. August, - dem Ende der Sommerferien - verkehrt die U 4 bis zur Schäfflestraße, die U 7 endet bereits am Johanna-Tesch-Platz. Zwischen der Endhaltestelle Enkheim und der Schäfflestraße fahren in den Sommerferien Gelenkbusse als Ersatzverkehr.

Einige Anwohner, die zum Infoabend kamen, ärgert, dass Hessen Mobil erst jetzt öffentlich über die neue Baumaßnahme informiert - obwohl die Lahmeyerstraße längst für den Verkehr gesperrt ist. "Ich kam vor einer Woche mit dem Motorrad von der Arbeit wieder, wollte in die Lahmeyerstraße abbiegen - und konnte es nicht. Ich musste zurück zur Schäfflestraße fahren, um von dort aus zu meiner Wohnung zu gelangen", ärgert sich ein Mann.

Baustart an der Lahmeyerbrücke: Parkplätze sind blockiert

Ihn ärgert auch, dass "das, was sie machen, immer eine viel größere Belastung für uns Anwohner ist, als zunächst erzählt wurde". Weil die Netzdienste Rhein-Main gleichzeitig in der Lahmeyerstraße arbeiten, sei nicht nur die Einfahrt gesperrt: In dieser und einer Querstraße fielen die Parkplätze weg. "Hier parken sowieso schon viele Pendler, so dass wir oft keinen Parkplatz finden, wenn wir heimkommen. Das ist nun noch schlimmer, man sucht stundenlang." Auch sei es sehr mühsam, der Umleitung folgend zu seiner Wohnung zu gelangen. "Es wäre schön, wenn Sie sich bei ihrer Planung etwas mehr in die Lage der Menschen versetzen würden, die hier leben, so seine Kritik. Ein anderer Riederwälder schlägt vor, nicht nur über Pressemitteilungen, sondern auch über Plakate und das Verteilen von Infozetteln an alle Haushalte informieren.

Die Probleme seien Hessen Mobil bewusst, erklärt Riederwaldtunnel-Projektleiter Jürgen Semmler. "Wir werden die Infos auf die Riederwaldtunnel-Homepage stellen." Das sei jetzt zu spät - und bislang habe er dort nicht gefunden, so ein Riederwälder.

Rund um den Knoten von Borsigalle, Wächtersbacher Straße, Am Erlenbruch und Lahmeyerstraße gibt es auch andere Einschränkungen. So sind der Rad- und Fußweg auf der Nordseite gesperrt. Für Radler und Fußgänger hat Hessen Mobil werden vom Erlenbruch über die Flinschstraße die Mergenthalerstraße geleitet, von wo ein provisorischer Rad- und Fußweg zur Borsigallee führt.

In einer zweiten Bauphase wird "im Herbst", so Hessen Mobil, die Straße Am Erlenbruch nach Norden verschwenkt und in beide Richtungen einspurig über eine Behelfsstraße geführt. Dies dient dazu, die zweite, bereits erwähnte Brücke unter den Erlenbruch zu legen.

Baustart an der Lahmeyerbrücke: Lärmschutz

Die zurzeit nördlich des Erlenbruchs stehenden, zehn Meter hohen Schallschutzwände sollen die Anwohner vor dem Baulärm schützen. Da die neue Leitungsbrücke ein Teil der künftigen Tunneldecke werde, müsse sie auf Beine gestellt werden. Und für die Baugrube müssen Spundwände im Boden versenkt werden. Das verursache Lärm, den die Wände dämmen sollen.

von ANDREAS HAUPT

INFO

Beim Infoabend zum Riederwaldtunnel von Hessen Mobil ging es auch um den Lärmschutz für die Pestalozzischule. Eine Lehrerin erzählte, dass schon jetzt ein Unterricht kaum möglich sei, obwohl der eigentliche Tunnelbau noch nicht begonnen habe. In den vergangenen Wochen hätten die Grundschüler bei "einem ständigen Brummen" und mit täglichem Lärm lernen müssen - selbst bei geschlossenen Fenstern. Lüften sei zurzeit nicht möglich, denn dann würde es noch lauter. Eine Klimaanlage gebe es nicht. "Wir können auch nicht mal schnell durchlüften, denn auf der anderen Seite sind keine Fenster." Weil die Baustelle auch in der Siedlung zu hören sei, hätten sie den ganzen Tag diesen Lärm. Warum, fragte sie die Planer, bekomme die Schule denn nicht die längst avisierten Lärmschutzfenster? Diese seien vor zwei Jahren doch versprochen worden.

Die Fenster seien nicht so einfach einzubauen, erklärte Steffen Rütenfrans. Ob sie eingebaut werden müssten oder nicht, sei Bestandteil des noch laufenden Planänderungsverfahrens. Auf dessen Abschluss müsse Hessen Mobil warten, um die Fenster einzubauen. Selbst könne die Behörde das nicht entscheiden, baue sie doch mit Geld der Bundesregierung. "Hätten wir 20 Millionen Euro mehr, würden wir das sofort machen - aber so läuft das leider nicht." hau

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