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Nachwuchskicker beim Training der SG Harheim. Für viele bedürftige Eltern sind der Fußballverein oder auch der Musikunterricht zu teuer. Künftig sollen sie einfacher und mehr Unterstützungsleistungen für soziale Aktivitäten erhalten. Für den Sportverein zum Beispiel gibt es 15 Euro pro Monat.

Antragstellung vereinfacht

Bedürftige Familien: Einfacher an Geld für Schule, Musik und Sport

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Mit einer Werbekampagne will das städtische Sozialdezernat erreichen, dass mehr Kinder und Jugendliche vom "Bildungs- und Teilhabepaket" des Bundes profitieren. Das Geld steht bedürftigen Familien für Schulausflüge, Nachhilfe oder Sportvereine zur Verfügung. Nun wird die Antragstellung vereinfacht.

Frankfurt - Ein "Bürokratiemonster" nannte Daniela Birkenfeld (CDU) das bisherige Verfahren, nach dem Geld für Bildung und Teilhabe an sozial schwache Familien verteilt wurde. Sozialhilfe- oder Wohngeldempfängern stehen diese zusätzlichen Finanzhilfen zur Verfügung, um ihre Kinder in der Schule, in Sport- oder Musikvereinen zu unterstützen. Zum Beispiel für eine Klassenfahrt, das Schulmittagessen oder die Fußballschuhe. "Die Antragstellung war umständlich und aufwendig, deshalb haben viele Familien auf diese Leistungen verzichtet, obwohl sie ihnen zugestanden hätten", so die Sozialdezernentin. Mit dem neuen "Starke-Familien-Gesetz" habe der Bund nun endlich Abhilfe geschaffen.

Bildungs- und Teilhabepaket: Ab August in Kraft

Am 1. August tritt die Neuregelung in Kraft. Die Erziehungsberechtigten müssten nun keine einzelnen Anträge mehr stellen, erklärte Birkenfeld am Montag. Mit dem Bewilligungsbescheid über das Arbeitslosengeld II ("Hartz IV"), Wohngeld, Kinderzuschlag oder eine andere existenzsichernde Sozialleistungen seien automatisch auch die Bildungs- und Teilhabeleistungen bewilligt. Das "Bürokratiemonster", so die Hoffnung der Sozialdezernentin, wird dadurch gezähmt und deutlich mehr Kinder werden von der Förderung profitieren.

Etwa 37 000 Frankfurter Kinder und Jugendliche seien anspruchsberechtigt, schätzt Birkenfeld. Die meisten von ihnen leben in Familien, die Leistungen des Jobcenters beziehen. Auf rund 30 000 bezifferte Jobcenter-Chefin Claudia Czernohorsky-Grüneberg diese Zahl. "Aber bisher haben jeden Monat nur etwa 4000 von ihnen Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket beantragt." Nur die Pauschale für den Schulbedarf von 100 Euro im Jahr sei von den meisten Berechtigten gleich mit beantragt worden, so Czernohorsky-Grüneberg. Diese Pauschale wird zum 1. August auf 150 Euro im Jahr erhöht.

Auch Birkenfeld kann in Zahlen belegen, dass die zur Verfügung stehenden Mittel bisher nicht ausgeschöpft worden sind. Im städtischen Haushalt seien 13,2 Millionen Euro für das Bildungs- und Teilhabepaket eingestellt gewesen. "Aber im vergangenen Jahr haben wir nur 8,3 Millionen Euro verausgabt", sagte die Stadträtin.

Um das Angebot und die neuen Regeln bekannter zu machen, starten Stadt und Jobcenter nun eine Werbekampagne. In U-Bahnen werden sogenannte "Swing Cards" aufgehängt, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richten. "Damit alle dabei sein können!", lautet der Slogan. "Geld soll dabei kein Thema sein. Denn wir unterstützen dich und deine Eltern, falls es mal eng wird", heißt es weiter.

Bildungs- und Teilhabepaket: Broschüre in 13 Sprachen

Dazu gibt es einen Videoclip und Infobroschüren in einfachem Deutsch und in zwölf Fremdsprachen. "Neu hinzugekommen sind Urdu, Arabisch, Bulgarisch und Rumänisch", erläuterte Birkenfeld. Denn anspruchsberechtigt seien auch Kinder von Asylbewerbern. Einfacher soll das neue Verfahren nicht nur für die Antragsteller selbst werden. Die Pauschale für die soziale und kulturelle Teilhabe - zum Beispiel der Mitgliedsbeitrag für den Sportverein - werde künftig direkt an die Eltern ausgezahlt, so Birkenfeld. "Das ist auch für die Anbieter - also den Sportverein oder die Musikschule - eine erhebliche Erleichterung." Bisher mussten die Leistungen für die soziale und kulturelle Teilhabe von den Anbietern mit den Behörden abgerechnet werden. "Das war insbesondere für ehrenamtlich organisierte Institutionen eine erhebliche zusätzliche Belastung", sagt die Sozialdezernentin. Die monatliche Pauschale für die soziale und kulturelle Teilhabe werde außerdem von zehn auf 15 Euro erhöht.

INFO

Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf Leistungen zur Bildung und Teilhabe, wenn deren Eltern ein dieser Hilfen beziehen: Kinderzuschlag, Wohngeld, Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter und bei dauerhafter Erwerbsminderung, Hilfe zum Lebensunterhalt, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Oder wenn die Eltern nur über ein geringes Einkommen verfügen und bisher keine der genannten Leistungen beziehen.

Für den Schulbedarf(Stifte, Schulranzen und ähnliches) gibt es eine Pauschale von 150 Euro im Jahr. 15 Euro im Monat wird für sportliche, kulturelle und andere Freizeitangebotegezahlt, zum Beispiel für die Kursgebühr der Musikschule oder den Mitgliedsbeitrag im Sportverein. Die Kosten für das gemeinsame Mittagessenin der Schule oder Kita sowie für Ausflüge und Klassenfahrtenwerden komplett übernommen. Auch für Lernförderunggibt es Geld.

Weitere Informationen gibt es beim: Jugend- und Sozialamt, Telefon (069) 21 23 31 33 oder E-Mail Bildung-Teilhabe@ stadt-frankfurt.de, und beim Jobcenter Frankfurt unter Telefon (069)21 71 34 93 oder per E-Mail an die Adresse Jobcenter-Frankfurt-am-Main.But-Zentral@jobcenter-ge.de red

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