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Vorfall vor russischem Konsulat in Frankfurt - Frau bei Mahnwache ins Gesicht geschlagen

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Von: Sabine Schramek

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Iryna (61) erhielt am Montag vor dem Russischen Generalkonsulat einen Faustschlag ins Gesicht. Dennoch will sie sich nicht einschüchtern lassen, ihre Mahnwache fortsetzen. FOTO:
Iryna (61) erhielt am Montag vor dem Russischen Generalkonsulat einen Faustschlag ins Gesicht. Dennoch will sie sich nicht einschüchtern lassen, ihre Mahnwache fortsetzen. © schramek

Nach einer Auseinandersetzung vor dem russischen Konsulat in Frankfurt wird der Angreifer vorübergehend festgenommen.

Frankfurt – Die Frauen und Männer, die seit Beginn des russischen Angriffskrieges mit unzähligen Plakaten, Fotos, Kerzen und Blumen direkt gegenüber vom Generalkonsulat der Russischen Föderation eine Mahnwache abhalten, werden häufig bedroht und bedrängt. Jetzt kam es sogar zu einem tätlichen Angriff.

Iryna und Vera, die aus Sorge vor weiteren Angriffen ihre Nachnamen nicht nennen möchten, sind immer noch fassungslos. Iryna zeigt auf ihre linke Wange, die geschwollen ist. „Gestern früh gegen 8 Uhr hat Vera wie jeden Morgen auf Knien die Kerzen der Mahnwache ausgeblasen, um neue aufzustellen. Gegenüber stand ein Mann, der etwas abseits der Schlange von Wartenden ohne Dokumente in der Hand vor dem russischen Konsulat stand. Er lief zu uns rüber und hat schimpfend gegen die Kerzen getreten. Was er gesagt hat, habe ich nicht verstanden.“ Vera nickt. „Ich hab ihm gesagt, dass ich die Polizei rufe“, so Vera. Der Mann sei dann zurück gewichen.

Auseinandersetzung vor russischem Konsulat in Frankfurt: Noch immer fassungslos

Iryna zückte ihr Handy, machte Fotos. „Da rannte der Typ plötzlich auf mich zu. Ich dachte, er wollte sich das Handy greifen. Er zog an meiner Tasche, die ich festgehalten habe. Dann hat er zugeschlagen. Mit der Faust ins Gesicht. Ich habe ganz laut um Hilfe geschrien“, erinnert sich die kleine zierliche Frau (61) aus der Ukraine, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Noch einen Tag später, am Dienstagmorgen, ist ihre Wange taub, ihre Zähne schmerzen.

Vera kommt aus Cherson, der Stadt am Mündungsdelta des Dnjpr, die als eine der ersten Städte von Russland am 27. Februar überfallen und eingenommen wurde. Vera floh und ist seit April in Frankfurt. Geflüchtet ist sie mit ihrer hochschwangeren Tochter. „Ich habe die Okkupation vor Ort erlebt. Es ist furchtbar. Mein Enkel wurde in Frankfurt geboren“, so die Frau mit aufrechter Haltung und traurigem Blick.

Vorfall vor Konsulat in Frankfurt: Frau bei Mahnwache angegriffen

Dass die Frauen und Männer, die seit dem zweiten Tag des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine eine Mahnwache im Oeder Weg gegenüber des Generalkonsulats der Russischen Föderation abhalten, beschimpft, beleidigt, bedrängt und fotografiert werden, ist „leider oft der Fall. Dass jemand richtig auf uns losgeht, gab es bisher nicht und wir sind hier seit dem 26. Februar.“

Der Mann, der auf Iryna losgegangen ist, habe auf Deutsch gerufen, sie solle so laut schreien wie sie wolle, ihr werde niemand helfen. Erst sei er zurück in die Schlange gegangen, als sei nichts gewesen. „Dann ist er gemeinsam mit einer Frau auf das Grundstück des Konsulats. Ich habe einem Mitarbeiter dort noch gesagt, dass der Mann angegriffen hat, aber ohne Erfolg. Eine Russin, die in der Warteschlange auf dem Bürgersteig stand, hat gesagt, dass sie den Angriff bezeugen wird.“

Auseinandersetzung vor russischen Konsulat in Frankfurt: Polizei muss draußen bleiben

Die Polizei war sofort mit mehreren Einsatzwagen vor Ort. „Die Beamten haben an beiden Eingängen des Konsulats auf den kleinen schlanken Mann gewartet und mit Mitarbeitern des Konsulats gesprochen“, sagt Iryna. Eine Gebäudekamera habe den gesamten Vorfall aufgezeichnet.

Auf Anfrage bestätigte die Polizei gestern der Vorfall und die vorübergehende Festnahme des 61 Jahre alten Mannes, wollte sich aber nicht zu Details äußern.

Wohl aber Iryna: „Der Mann und die Frau waren längere Zeit auf dem Grundstück des Konsulats. Niemand wusste, ob und wann sie wieder rauskommen“, so Iryna. Mehr als zwei Stunden seien vergangen. Dann habe die Polizei den Wüterich vor dem Konsulat festgenommen. „Die Frau hatte uns angeschrien, dass wir dafür verantwortlich sind, dass Menschen in Mariupol sterben.“ Auch ihr Begleiter sei aufbrausend gewesen.

Frau bei Mahnwache in Frankfurt angegriffen - doch sie will sich nicht einschüchtern lassen

„Die Polizisten haben ruhig mit ihm gesprochen. Er war trotzdem total aggressiv. Überall standen Leute, die aus dem Konsulat gekommen sind und haben versucht, ihn zu beruhigen. Erfolglos. „Der hat behauptet, ich hätte ihn geschubst, darum habe er zugeschlagen“, erinnert sich Iryna. „Völlig absurd.“

Der Mann, der sich nach Auskunft der Frauen gegen die Festnahme gewehrt hat, wurde zum Polizeipräsidium gebracht. Laut Polizei sind inzwischen bereits verschiedene Dezernate eingebunden. „Auch der Staatsschutz ist mit der Angelegenheit befasst“, so ein Polizeisprecher. Iryna und Vera wollen sich nicht einschüchtern lassen, setzen ihre Mahnwache fort. (Sabine Schramek)

Aus Protest gegen den russischen Einmarsch in die Ukraine haben Aktivisten bereits vor wenigen Monaten Videos auf die Fassade des russischen Generalkonsulats in Frankfurt projiziert

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