Busterminal in Frankfurt

Frankfurt bekommt Fernbusbahnhof und Parkhaus

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Bis zum Ende des Jahres sollen südlich des Hauptbahnhofs ein Fernbusbahnhof und dazu ein Parkhaus entstehen. Bislang ist die Verkehrssituation dort schlecht.

Mannheimer Straße, südlich des Hauptbahnhofs: Ein großer Parkplatz liegt wie eine Insel inmitten der Straßen. Auf dem Bürgersteig warten oft Fahrgäste auf ihren Fernbus, der am Rand des Parkplatzes anhält, um sie und ihr Gepäck aufzunehmen. Eine unbefriedigende Situation – und eine Schande für den Verkehrsknotenpunkt Frankfurt.

Jetzt soll alles besser werden. Ein Parkhaus und ein Fernbusbahnhof könnten bis Jahresende auf dem Parkplatz entstehen. Das Konzept dafür stellten die Dezernenten Stefan Majer (Verkehr) und Olaf Cunitz (Planung; beide Grüne) gestern vor. Partner sind der Grundstückseigentümer, die CA Immo, und die ABG Holding, deren Tochter Parkhaus Betriebsgesellschaft später sowohl Parkhaus, als auch den Busbahnhof betreiben soll.

„Wir erhalten den Busbahnhof, den wir nur auf diesem Gelände realisieren können, und es kostet die Stadt nichts“, freut sich Cunitz. Für Stefan Majer ist das Areal südlich des Hauptbahnhofs mit der Enge und den Gefahrensituationen und dem jetzigen Parkplatz ein Thema, „das mich beschäftigt, seit ich 1993 Stadtverordneter wurde“.

Bislang halten diese Busse an drei der vier Seiten des Parkplatzes. Im Sommer erst hat die Stadt Schilder aufgestellt, um Fahrgästen die Orientierung zu erleichtern. Die Situation wurde dadurch besser, aber nicht gut. Nach monatelangen Verhandlungen haben der Grundstückseigentümer und die Stadt nun eine Lösung gefunden.

Sie sieht wie folgt aus: Der Parkplatz wird in drei etwa gleichgroße Baufelder aufgeteilt. Ein Streifen entlang der Pforzheimer Straße wird zum Busbahnhof mit 14 Haltestellen. Dabei können die Busse gefahrlos von zwei Seiten beladen werden. 14 Haltestellen reichen aus, versicherte Majer. CDU, Grüne, Junge Union sowie die Industrie- und Handelskammer begrüßten das Vorhaben. Gestern wurde lediglich ein Konzept vorgestellt, Details folgen später. Momentan ist noch keine Infrastruktur für die Fahrgäste wie Sitzmöglichkeiten und Toiletten vorgesehen.

„Es könnte möglich sein, im Erdgeschoss des Gebäudes eine Wartezone einzurichten“, sagt Jakob Vowinckel, Leiter der CA Immo Frankfurt. Das Gebäude indes ist noch gar nicht geplant. Was wann errichtet wird, hänge von der Marktlage ab. Und diese ist im Moment für Bürogebäude nicht gut.

Dafür wird, das steht fest, auf dem benachbarten Baufeld ein Parkhaus in Systembauweise errichtet. Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Holding, erklärte: „Wir betreiben viele Parkhäuser in Frankfurt, darunter auch solche in Systembauweise, beispielsweise an der Universitätsklinik.“ Diese Parkhäuser seien günstig und schnell zu errichten. Wenn im Sommer mit dem Bau begonnen werde, könne das Parkhaus am Jahresende eröffnen. Es soll insgesamt vier Etagen und 340 Stellplätze haben – etwa so viel, wie jetzt der Parkplatz auch. Im Erdgeschoss sind Fahrradstellplätze vorgesehen. Junker kann sich vorstellen, vielleicht sogar eine Fahrradwaschanlage oder einen Reparaturservice anzubieten.

Falls CA Immo sich später entscheidet, nicht nur das freie, sondern beide Grundstücke zu bebauen, muss das Parkhaus wieder weg. Wie Cunitz sagte, sieht der Bebauungsplan zwar die Möglichkeit vor, ein bis zu 100 Meter hohes Hochhaus auf der Fläche zu errichten, aber nur an der Ecke Mannheimer/Stuttgarter Straße – dort wo das Parkhaus entstehen soll. Der Vorteil der Systembauweise: Es kann abgeschraubt und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Für das Parkhaus würde die CA Immo Ersatz schaffen durch Tiefgaragen unter den neuen Gebäuden. Vowinckel beruhigt: Das Parkhaus werde mindestens drei Jahre stehen.

Dass es während der Bauarbeiten – vielleicht schon ab Sommer – eng wird für Fernbusse und für Parkplatzsuchende, räumt Vowinckel ein. „Ich habe noch nie ein so anspruchsvolles Projekt gehabt.“ Die Parkplätze selbst sollen erhalten werden.

Die Baukosten übernimmt die CA Immo. Junker zufolge sei mit 6000 bis 8500 Euro pro Stellplatz zu rechnen, bei 340 Plätzen also mit bis zu drei Millionen Euro.

Seit 2013 dürfen Fernbusse Ziele innerhalb Deutschlands anfahren. In der Folge ist es südlich des Hauptbahnhofs gefährlich eng geworden. Bisweilen standen die Busse auch mal in zwei Reihen auf der Straße. Pro Woche zählte das Verkehrsdezernat Ende August bis zu 421 Busse täglich, 19 Prozent mehr als 2013.

Dem Vernehmen nach wurden auch alternative Standorte für einen Busbahnhof geprüft. Flächen auf dem Siemensgelände am Westbahnhof und an der Borsigallee wurden aber verworfen.

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