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Mit fünf Elektrobussen ? im Bild ein Vorführmodell des polnischen Herstellers ? will die Stadt den öffentlichen Nahverkehr umweltfreundlicher machen.

Nahverkehr

Frankfurt bekommt fünf Elektrobusse

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Mit fünf Elektrobussen eines polnischen Herstellers steigt die Stadt Frankfurt in den emissionsfreien Betrieb ein. Andere Städte haben ehrgeizigere Pläne.

Die Pläne der Landeshauptstadt Wiesbaden sind ehrgeizig: Bis 2022 soll die gesamte Busflotte auf Elektroantrieb umgestellt werden. 221 neue Busse für insgesamt 140 Millionen Euro will die städtische Verkehrsgesellschaft ESWE beschaffen. Wiesbaden wäre dann die erste Stadt in Europa mit einem komplett emissionsfreien Busliniennetz.

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hält die Ankündigung aus Wiesbaden für eine „reine PR-Aktion“. Denn: „Die Industrie ist gar nicht in der Lage, so viele Fahrzeuge zu liefern.“ Frankfurt zeigt sich deshalb bescheidener, hat erst einmal fünf Busse bestellt, die in einem Jahr im Westend auf der Linie 75 eingesetzt werden. Sie stammen vom polnischen Hersteller Solaris und werden im nächsten Sommer geliefert. Angebote abgegeben haben außerdem Unternehmen aus Spanien und der Türkei, nicht aber die deutsche Fahrzeugindustrie. Daimler zum Beispiel will erst 2019 oder 2020 serienreife Elektrobusse anbieten.

Die ESWE verhandle derzeit mit mehreren Anbietern, sagte Unternehmenssprecher Holger Elze. Er rechne damit, dass die Industrie die nötigen Kapazitäten schaffen werde, da die Nachfrage steigt. Hamburg etwa will seine rund 1500 Linienbusse bis Anfang der 2030er-Jahre auf emissionsfreien Betrieb umgestellt haben.

In Frankfurt sind rund 300 Busse im Linienverkehr unterwegs. 80 Millionen Euro würde es laut Oesterling kosten, die gesamte Flotte auf Elektroantrieb umzustellen. Die Batteriebusse seien rund doppelt so teuer wie eine Dieselvariante in gleicher Größe. 2,7 Millionen Euro kosten die fünf bestellten Busse einschließlich der Ladeinfrastruktur. 760 000 Euro hat das Land beigesteuert. Trotzdem kostet der Betrieb der Linie 75, die täglich von bis zu 2600 Fahrgästen zwischen den beiden Uni-Standorten Bockenheim und Westend sowie dem Palmengarten genutzt wird, wegen der teuren Busse künftig jährlich 146 000 Euro mehr als bisher. Diesen Betrag zahlt die städtische Nahverkehrsgesellschaft Traffiq zusätzlich an die Stadtwerke-Tochter ICB.

Auf der anderen Seite stehen einige Vorteile: 200 Tonnen Kohlendioxid und 640 Kilo Stickoxid werden vermieden. Zudem profitieren die Anwohner vom leiseren Antrieb: Um zehn Dezibel soll das Außengeräusch leiser sein als beim Diesel. Das wird wie eine Halbierung der Lautstärke empfunden. Im Bus wird sogar mit einer Reduzierung der Geräusche um 20 Dezibel gerechnet.

Bei einer Probefahrt mit einem eigens aus Polen herangebrachten Vorführmodell konnten sich die Fahrgäste gestern vom ruhigen Lauf des Busses überzeugen. Die Fahrgeräusche erinnern an eine Straßenbahn, meist ist nur die Lüftung zu hören. Aus der kommt in der kalten Jahreszeit natürlich warme Luft, was aber beim Elektrobus nicht unproblematisch ist. Weil ständig die Türen geöffnet werden, kann die Heizung genauso viel Energie verbrauchen wie der Motor, wodurch die mit 130 Kilometer angegebene Reichweite deutlich sinkt. Deshalb kann eine mit Diesel betriebene Heizung zugeschaltet werden. Die Innenausstattung wird sich kaum von den bisher in Frankfurt üblichen Linienbussen unterscheiden. Allerdings entfallen einige Sitzplätze im Heck, da dort ein Teil der Batterien untergebracht ist.

ICB-Fahrer Milan Prerad ist mit dem Fahrzeug zufrieden. „Es fährt sich sehr gut“, sagte er. „Nur mit den Bremsen muss man aufpassen, sie reagieren sehr schnell.“ Er und seine Kollegen werden im nächsten Sommer ausgiebig auf die neuen Elektrobusse geschult.

Oesterling kann sich vorstellen, dass künftig innerhalb des Alleenrings und auf Linien, die durch enge Ortskerne fahren, nur noch Elektrobusse eingesetzt werden. Voraussetzung dafür sei aber eine finanzielle Förderung. Aus dem Milliardentopf der Bundesregierung zur Luftreinhaltung müssten auch ein paar Millionen Euro für Frankfurt abfallen, meint er. Die Bedingungen seien bisher aber wenig praxisorientiert und zu bürokratisch.

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