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Zu Auseinandersetzungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei kommt es am 20.06.2015 am Rande einer Demonstration gegen eine Abspaltung der rechtsgerichteten Pegida-Bewegung in Frankfurt am Main (Hessen). Unter dem Namen "Widerstand Ost/West" hat ein neuer Zusammenschluss von Nationalisten, Islamgegnern und Hooligans zu einer bundesweiten Kundgebung in Frankfurt aufgerufen. Foto: Boris Roessler/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Demonstrationen in Frankfurt

Frankfurt im Belagerungszustand: Eine Bilanz

Am Tag nach der Konfrontation zwischen rechten Gruppen und Gegendemonstranten hat die Frankfurter Polizei Bilanz gezogen: Demnach wurden fünf Polizeibeamte und vier Demonstranten verletzt. Insgesamt seien 30 Personen wegen Körperverletzungsdelikten, Verstößen gegen das Versammlungsrecht, Verstößen gegen das Waffen-/ Betäubungsmittelgesetz und wegen Landfriedensbruch festgenommen, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Davon sind 19 dem Gegenprotest zuzuordnen, 11 Personen der Versammlung "Widerstand Ost/West. Rund 250 Personen hätten sich an der Versammlung "Widerstand Ost/West" beteiligt; dem Gegenprotest schlossen sich rund 2000 Personen an. Der Frankfurter Polizeipüräsident Gerhard Bereswill betonte die Wichtigkeit des Einsatzes der Ordnungshüter: "Einzig durch die polizeilichen Maßnahmen wurden direkte Konfrontationen der beiden Lager unterbunden und größere Straftaten und Verletzungen verhindert."

Am Tag nach der Konfrontation zwischen rechten Gruppen und Gegendemonstranten hat die Frankfurter Polizei Bilanz gezogen: Demnach wurden fünf Polizeibeamte und vier Demonstranten verletzt. Insgesamt seien 30 Personen wegen Körperverletzungsdelikten, Verstößen gegen das Versammlungsrecht, Verstößen gegen das Waffen-/ Betäubungsmittelgesetz und wegen Landfriedensbruch festgenommen, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Davon sind 19 dem Gegenprotest zuzuordnen, 11 Personen der Versammlung "Widerstand Ost/West.

Rund 250 Personen hätten sich an der Versammlung "Widerstand Ost/West" beteiligt; dem Gegenprotest schlossen sich rund 2000 Personen an. Der Frankfurter Polizeipüräsident Gerhard Bereswill betonte die Wichtigkeit des Einsatzes der Ordnungshüter: "Einzig durch die polizeilichen Maßnahmen wurden direkte Konfrontationen der beiden Lager unterbunden und größere Straftaten und Verletzungen verhindert."

Mehrere tausend Polizisten hatten am Samstag die Kundgebung in Frankfurt gegen den Protest der Gegendemonstranten abgesichert. Stundenlang war die Innenstadt rund um den Roßmarkt für die Bürger Sperrgebiet.

Auch eine Mutter mit Kind auf dem Arm wird am Vormittag an einer Polizeisperre abgewiesen. "Zum Friseur können Sie heute nicht", antwortet der Beamte. Neben ihm richtet ein Wasserwerfer seine Rohre drohend gegen einige Hundert Antifa-Demonstranten, die dort in Richtung Roßmarkt drängen. Das Konzept der Polizei geht auf. Ihr massiver Einsatz und die weiträumige Absperrung des Kundgebungsortes verhindern, dass Rechts und Links aufeinandertreffen.

Erst nach der Kundgebung wird es für kurze Zeit brenzlig. Wegen der Sitzblockaden rund um das abgesperrte Gebiet können die Islam-Gegner, Nationalisten und Hooligans nicht die zunächst geplante Strecke für ihren Aufmarsch laufen. Die Polizei bahnt ihnen aber einen Weg innerhalb des Sperrgebiets. An der Hauptwache fliegen Tomaten, eine Polizistin ruft über Megafon eindringlich dazu auf, keine Menschen zu gefährden. Die Anhänger des "Widerstands Ost/West" kehren nach kurzem Weg zu ihrem Ausgangspunkt zurück. 

Ihr Recht auf eine Versammlung in der Innenstadt haben die Anhänger des Pegida-Ablegers vor den Verwaltungsgerichten erstritten. Zweimal unterlag die Stadt mit ihrem Versuch, die angemeldete Kundgebung an den östlichen Stadtrand, nach Fechenheim, zu verlegen. "Bedauerlich, aber das ist der Rechtsstaat", sagt Integrationsdezernentin Eskandari Grünberg (Grüne). Ihrer Ansprache bei einer Kundgebung des Römerbergbündnisses hören einige Hundert Menschen zu. Die bürgerliche Mitte setzt auf die Kraft von Argumenten.

Daran kann der evangelische Pfarrer Hans Christoph Stoodt von der Frankfurter Anti-Nazi-Koordination (ANK) nicht mehr so recht glauben. Die Anmelderin der rechtsgerichteten Kundgebung, Ester Seitz, "und die Leute um sie herum sind wie in einem Tunnel, die sind für Argumente nicht mehr zugänglich". 

Was aber bewegt die Hooligans der "Berserker" und die Leute vom rechten Pegida-Rand, Woche für Woche auf die Straßen zu gehen? "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber Frau Merkel soll mal an die eigene Bevölkerung denken", antwortet der 50-jährige Dachdecker Ralf aus Dresden, der schon früh am Morgen als erster auf dem Roßmarkt eintrifft. Er gehört zum Fußvolk des "Widerstands Ost/West", der von Leuten wie dem Münchener Islamgegner Michael Stürzenberger angeführt wird. Am Weltflüchtlingstag wirft er den Flüchtlingen vor: "Sie bereiten den Dschihad vor, dann werdet ihr dieses Land nicht wiedererkennen."

Kaum jemand hört den Rednern zu, das abgesperrte Gebiet ist fast menschenleer, ein Hubschrauber dröhnt ständig über dem Roßmarkt. Und die Lautsprecheranlage des "Widerstands Ost/West" fällt immer wieder aus. 

Der linke Pfarrer Stodt ist empört darüber, dass die Pegida-Szene sich auf das christliche Abendland beruft. "Gegen solche Leute muss man gerade als Christ aufstehen." Beim "Widerstand Ost/West" handle es sich um den ausgeprägt rassistischen Flügel der Pegida-Szene, "ihre Ziele sind in höchstem Maße gewalttätig". Er hoffe nur, "dass keinem Menschen etwas passiert in dieser Stadt".  

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