Benjamin List aus Frankfurt erhält den Nobelpreis für Chemie 2021. Die Nachricht war eine große Überraschung für den Chemiker. (Archivbild)
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Benjamin List aus Frankfurt erhält den Nobelpreis für Chemie 2021. Die Nachricht war eine große Überraschung für den Chemiker. (Archivbild)

Nobelpreis an Frankfurter

Chemie-Nobelpreis für Benjamin List aus Frankfurt – Ominöser Anruf im Café

  • Anna Charlotte Groos
    VonAnna Charlotte Groos
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Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr unter anderem an Benjamin List aus Frankfurt. Durch seine Forschung konnte ein neues HIV-Medikament entwickelt werden.

Frankfurt – Eigentlich wollte Benjamin List nur gemütlich einen Kaffee mit seiner Frau in Amsterdam trinken, als er plötzlich eine Nachricht erhält: Er gehört zu den beiden Preisträgern des diesjährigen Nobelpreises für Chemie. „Die haben auf meinem Handy angerufen“, sagte der Wissenschaftler der Deutschen Presse-Agentur. „Als wir gerade bestellen wollten, sah ich auf dem Display so „Schweden“. Ich guckte meine Frau an, wir lächelten uns ironisch an - „Haha, das ist der Anruf.“ Als Witz. Aber dann war es wirklich der Anruf. Es war echt unglaublich. Ein unglaublicher Moment.“

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab ihre Entscheidung über den Chemie-Nobelpreis 2021 am Mittwoch (06.10.2021) in Stockholm bekannt. Der zweite Nobelpreisträger für Chemie ist der in Schottland geborene US-Forscher David W.C. MacMillan*. Er und List entwickelten Methoden zur Beschleunigung chemischer Reaktionen.

Nobelpreis für Chemie 2021 geht an Benjamin List aus Frankfurt

Geboren wurde Benjamin List 1968 in Frankfurt, wo er 1997 auch seine Promotion an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität absolvierte. Sein Diplom erhielt der Chemiker zuvor 1993 an der Freien Universität Berlin. Seit 2004 ist der Frankfurter zudem als Honorarprofessor an der Universität zu Köln tätig. Seit 2005 ist List Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr.

Außerdem ist der Frankfurter Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle (Saale). Der Präsident der Akademie, Gerald Haug, äußerte seine Freude über die Entscheidung des diesjährigen Nobelpreises für Chemie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Mit dem Chemie-Nobelpreis werden in diesem Jahr wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der asymmetrischen Organokatalyse gewürdigt, die zum Beispiel in der Herstellung von Medikamenten eine wichtige Rolle spielen. Dass ein Leopoldina-Mitglied für seine Forschungsleistungen ausgezeichnet wird, freut mich umso mehr.“

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Von der „dummen Idee“ zum Nobelpreis für Chemie: Benjamin List aus Frankfurt sichtlich überrascht

Dass er den Nobelpreis für Chemie erhalten würde – damit habe der Frankfurter Benjamin List wirklich nicht gerechnet, sonst wäre er ja auch kaum nach Amsterdam gefahren, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Seine Frau und er waren für eine Übernachtung da, weil sie sich am Dienstagabend im Concertgebouw die 5. Sinfonie von Gustav Mahler angehört hatten. Zur Bekanntgabe wurde List daher telefonisch zugeschaltet.

Die Forschung zur Entwicklung neuer organischer Katalysatoren, für die er jetzt ausgezeichnet worden sei, habe unter anderem zur Entwicklung neuer Medikamente geführt, so zu einem HIV-Medikament. Darüber freue er sich besonders, sagte List.

Benjamin List aus Frankfurt erhält Nobelpreis für Chemie: Übergabe am Todestag von Alfred Nobel

Bevor sich seine Vermutung zur Forschung an der Organokatalyse als funktionierend erwies, habe Benjamin List es für möglich gehalten, dass es sich nur um eine „dumme Idee“ handele, so die Tagesschau. Dann habe er gefühlt, dass es sich um etwas Großes handeln könnte. Dass MacMillan, der zweite Preisträger, am selben Thema wie er arbeitete, sei ihm ursprünglich gar nicht klar gewesen.

Der Nobelpreis für Chemie ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 980.000 Euro) dotiert. Die Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Nobelpreisstifters Alfred Nobel. (Anna Charlotte Groos) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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