+
Kameh Nemati, Vorsitzender der "Interessengemeinschaft untere Berger Straße" hat genug und appelliert an mehr Weitblick einiger sturer Wirte. Sollte es keine Einigung geben, fällt die 35. Auflage des Berger-Straßenfests aus. Foto. Rainer Rüffer

Bergerstraßenfest

Ärger mit Wirten - Bergerstraßenfest steht auf der Kippe

Auch außerhalb von Frankfurt ist das Bergerstraßenfest bekannt. Doch es gibt Ärger mit einigen sturen Wirten. 

Frankfurt - Knapp drei Monate bleiben der Stadt noch Zeit, um eine Lösung zu finden. Gibt es bis dahin keine Einigung mit einigen sturen Wirten, dann will Kameh Nemati das 35. Bergerstraßenfest im kommenden Jahr abblasen. "Es kann nicht sein, dass wir für etwas betteln müssen, was eigentlich selbstverständlich sein müsste. So jedenfalls steht das Fest auf der Kippe", stellt der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Untere Berger Straße (IGUB) der Stadt ein Ultimatum.

Seine Forderung: Die IGUB möchte an beiden Veranstaltungstagen die Hoheit über die Sommergärten haben. Und somit sture Wirte anweisen können, Tische und Stühle zu beseitigen, wenn beispielsweise Rettungswege freizuhalten sind. 

Bergerstraßenfest in Frankfurt: Es gibt Ärger

Das Amt für Straßenbau und Erschließung als genehmigende Behörde der Sommergärten soll einen entsprechenden Passus in die jeweiligen Verträge einfügen. "Das würde uns die Arbeit erheblich erleichtern", sagt Nemati über langwierige Diskussionen mit uneinsichtigen Wirten. Und er verweist auf eine längst übliche Praxis in Frankfurt: "Bei den Wochenmärkten hat der Veranstalter ja auch die Hoheit über den Platz."

Franfurt - Bergerstraßenfest im Nordend: Wirten fehle der Weitblick

Grundsätzlich appelliert Nemati an mehr Weitblick der Wirte. Er wirft ihnen puren Egoismus vor. Fakt sei, dass die Gastronomen vom Fest profitierten, an beiden Tagen enorme Umsätze erwirtschaften. Er schätzt mehr als 20 000 Euro an beiden Tagen. Allerdings beteiligten sich immer weniger offiziell an dem Straßenfest, weil sie die Standkosten - zwischen 800 und 1500 Euro - sparen wollten. Dadurch habe die IGUB in diesem Jahr 15 000 Euro weniger Einnahmen erzielt. Geld, das man gut für andere Projekte, etwa die Lichterkette an Weihnachten (7000 Euro Ausgaben) und natürlich auch für die Organisation des Straßenfestes, gebrauchen könnte.

Denn zuletzt seien die Ausgaben für Sicherheit (120 000 Euro) und Müllbeseitigung (20 000 Euro) enorm gestiegen. Auch deshalb hat sich die IGUB für 2020 Müllvermeidung auf die Fahnen geschrieben. Einwegbecher sollen durch Pfandbecher aus Plastik ersetzt werden. Das allerdings ist bei weiten nicht so effektiv, so lange Trittbrettfahrer im großen Stil Glasflaschen verkaufen. Nemati jedenfalls ärgert sich maßlos darüber, dass vor einigen Supermärkten Bier angeboten wird. "Wegen acht Cent läuft keiner zurück", weiß er. Die Flaschen landen auf der Straße und dann im Müll, die Entsorgung wird pro Kilo abgerechnet.

Frankfurt: Steht das Bergerstraßenfest vor dem Aus?

Ulrich Rendel, stellvertretender Leiter des Amtes für Straßenbau und Erschließung (ASE), hat keine guten Nachrichten für Nemati. Das ASE schließe mit den Gastronomen keine Verträge über die Flächennutzung, sondern überlasse öffentliche Flächen im Zuge einer Sondernutzungserlaubnis. "In diesem öffentlich-rechtlichen Verhältnis ist es nicht möglich, Dritten Weisungsrechte zu erteilen", erklärt er. Der Betrieb von Sommergärten werde nur dann widerrufen, wenn dadurch Rettungswege und Fluchtwege behindert würden - etwa beim Ironman oder dem Fastnachtsumzug. Und grundsätzlich würden Wochenmärkte und Straßenfeste anders bewertet. "Wir streben daher ein Abstimmungsgespräch mit Vertretern der Interessensgemeinschaft Untere Berger Straße, Vertretern des zuständigen Ortsbeirats, des ASE sowie des Ordnungsamts als Genehmigungsbehörde der Veranstaltung an", sagt Amtsleiterin Michaela Kraft.

Planungssicherheit

Eine klare Position vertritt hingegen die CDU im Ortsbeirat 3 (Nordend). Die Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt hält das Problem für hausgemacht, weil die meisten freien Flächen in der unteren Berger Straße für Außengastronomie vergeben seien. Platz für Stände sei deshalb kaum noch vorhanden. "Unter diesen Bedingungen würde sich das Bergerstraßenfest in seinem Jubiläumsjahr nicht durchführen lassen", heißt es in einem Antrag, den die CDU in der kommenden Ortsbeiratsitzung zur Abstimmung vorlegen will. Darin wird gefordert, die Genehmigung der Außengastronomieflächen während des Straßenfestes auszusetzen. "Mit der Aussetzung der Genehmigung für die Dauer des Festes haben Geschäftsleute die Möglichkeit, unberührt eine Außengastronomie direkt vor ihrem Laden zu betreiben, lediglich wird dadurch ein sicherheitsbezogen praktikabler und finanziell für alle fairer Weg vorgeschlagen", heißt es in der Begründung.

Nemati hat der Stadt übrigens eine Frist von drei Monaten gesetzt, weil für die Organisation des Bergerstraßenfestes ein gewisser Vorlauf nötig sei. "Die Standbetreiber brauchen ebenso wie wir Planungssicherheit", sagt Nemati.

Kalkulationen und Jahrespläne erstellen, Zahlen addieren und subtrahieren. Das alles gehört zum Handwerk für Gastronomen. Wer da einfache Mathematik nicht beherrscht, hat es schwer. Wenn dann aber auch noch die Gier den gesunden Menschenverstand vernebelt, ist Hopfen und Malz verloren.

Wirte wollen vom Bergerstraßenfest profitieren

Anders ist es nicht zu erklären, dass immer mehr Wirte vom Besucheransturm beim Bergerstraßenfest profitieren wollen, im Gegenzug aber nicht bereit sind, dafür etwas zu investieren.

Dabei ist die Rechnung ganz simpel: Für einen Stand sind, sagen wir mal durchschnittlich 1000 Euro an die Interessengemeinschaft Untere Berger Straße zu bezahlen. Der Wirt nimmt an beiden Veranstaltungstagen 30 000 Euro ein - 50 Prozent mehr als sonst. Bleiben abzüglich der Standkosten also unter dem Strich 14 000 Euro mehr in der Kasse.

Fällt das Fest 2020 nun wie angedroht aus, haben sich die Wirte mit ihrer maßlosen Profitgier ein Eigentor geschossen. Aber bis November haben sie ja noch Bedenkzeit - am besten investieren sie ein paar Euro in Mathematik-Nachhilfe. Das öffnet ihnen vielleicht die Augen. Matthias Bittner 

Kaufen bis um Mitternacht: So lange haben Rewe, Tegut und Edeka geöffnet

Über die Neuerungen 2019 freuten sich die Besucher des Bergerstraßenfest 2019.

Auf dem Bergerstraßenfest ist die Stimmung stets ausgelassen.  

https://www.fr.de/frankfurt/nordend-ort904333/frankfurt-nordend-berger-strasse-wird-wochenende-festmeile-12328980.html

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare