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Symnbolbild: In Frankfurt wird es künftig keine Spontankinderbetreuung mehr geben. 

Arbeitsmarktförderung

Kinderbetreuung für Frauen in beruflichen Eingliederungsmaßnahmen gestrichen

Kinderbetreuung, während die Mutter sich beruflich orientiert? Was bislang in Frankfurt mit dem Angebot "World Kids" möglich war, endet wahrscheinlich bald.

Frankfurt - Das Frankfurter Arbeitsmarktprogramm (Frap) stellt die Finanzierung der Spontankinderbetreuung "World Kids" ein. Dies bestätigte Conrad Skerutsch gestern, Geschäftsführer des Frap. "Es ist nicht unsere primäre Aufgabe, Kinderbetreuung zu finanzieren", erläuterte er, "sondern berufliche Integration zu ermöglichen."

Dass das städtische Frap in den vergangenen 17 Jahren sehr wohl die Spontankinderbetreuung für die Teilnehmerinnen beruflicher Eingliederungsmaßnahmen bezahlt hat - rund 180 000 Euro pro Jahr für zuletzt 15 Betreuungsplätze bei "World Kids" -, begründet Skerutsch: "Anfangs waren die Regelbetreuungen in Frankfurt viel schlechter ausgestattet, es gab zu wenige Plätze. Inzwischen ist das Angebot so ausgeweitet worden, dass unsere Teilnehmerinnen ihre Kinder in eine Regel-Kita anmelden sollen."

Regel-Kita: Engpass in den Ferien – Schwer eine Ersatzbetreuung zu finden

Das Problem, dass diese im Urlaub auch mal schließt und es dann schwer sein kann, eine Ersatzbetreuung zu finden, teilen die Teilnehmerinnen der Maßnahmen mit allen Arbeitnehmerinnen in Frankfurt - zumal Skerutsch zufolge "die 15 Plätze bei World Kids ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein waren, bei Hunderten von Teilnehmerinnen mit Kindern, die durch das Frap oder das Jobcenter gefördert werden". Im Gegenzug müssen jetzt alle Maßnahmeträger und Bildungsträger ihren Teilnehmerinnen helfen, einen Regelplatz in einer städtischen Einrichtung zu finden. Den können sie dann auch behalten, wenn die Maßnahme beendet ist, sie gegebenenfalls in Arbeit gekommen sind.

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"World Kids" war ein Angebot des gemeinnützigen Bildungsträgers GFFB. Die Geschäftsführerin Barbara Wagner bedauert: "Wir müssen den Eltern erklären, dass es das Angebot nur noch bis zum Ende der Sommerferien gibt." Es komme darauf an, dem Personal andere Arbeitsplätze bei der GFFB anzubieten.

Bislang haben Mütter und Väter, die sich beruflich neu orientieren und daher eine Umschulung oder Nachqualifizierung absolvieren, geflüchtete Eltern sowie Frauen und Männer, die gerade eine neue Arbeit aufgenommen haben, von dem Angebot Gebrauch gemacht.

Vor allem Alleinerziehende von der Streichung der Kinderbetreuung betroffen

Wie Lucy K. aus Frankfurt, alleinerziehende Mutter eines Sohns. Sie durchläuft gerade eine Umschulung zur Hotelfachfrau und ist insbesondere jetzt in den Sommerferien auf die Spontankinderbetreuung angewiesen. Der Hort, den ihr Sohn normalerweise besucht, ist drei Wochen lang geschlossen. Laut Umschulungsvertrag der Industrie- und Handelskammer darf sie höchstens zehn Prozent der Zeit fehlen, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Nicht immer sei eine Betreuung durch Freunde oder Bekannte möglich, so Lucy K.

Diese Geschichten erlebt Silke Schmitt, Leiterin der Spontanbetreuung, im Moment häufig. Sie führt Gespräche mit Eltern, die sie schon jetzt ablehnen muss und mit denen, die von der baldigen Schließung betroffen sind. "Jedes Elternteil, das von der Schließung erfährt und auch die Kooperationspartnerinnen äußern ihr großes Bedauern und auch eine Hilflosigkeit, weil es keine Alternativen zu diesem in Frankfurt einmaligen Angebot gibt", sagt Schmitt. Man konnte ein Kind zwischen zwei und zwölf Jahren qualifiziert betreuen lassen, wenn man es 24 Stunden vorher angemeldet hat.

Die Spontankinderbetreuung wurde vor 17 Jahren unter dem Namen "Elbi Strolche" in der Elbinger Straße gegründet und befindet sich seit mehreren Jahren im Mehrgenerationenhaus im Gallus. Auch Eltern von Bildungsträgern wie "Berami" nutzten das Angebot.

Von Thomas J. Schmidt

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