Nicht der Zahn der Zeit, sondern der Zahn des Bibers hat an diesen Bäumen genagt. Fotos: Maik Reuss / dpa

Sossenheim

Verräterische Spuren am Nidda-Ufer in Frankfurt: „Ja, das war der Biber“

Der Biber erobert Frankfurt zurück. An der Nidda wurden Spuren des scheuen Nagetiers entdeckt. Aber Achtung: Es besteht Verwechslungsgefahr. 

Frankfurt – In der Mitte angenagt und stark an überdimensionale Bleistiftstummel erinnernd, stehen die Bäume am Niddaufer im Sossenheimer Unterfeld. Uwe Eisenmann, Mitglied des Ortsbeirats 6 des Frankfurter Westens, entdeckte sie auf einem Spaziergang entlang des renaturierten Teil des Flusses - und veröffentlichte den Schnappschuss auf seiner Facebookseite.

"Kinder haben mit ihren Großeltern im Unterholz die Natur erkundet, das erregte unsere Aufmerksamkeit", berichtet er dieser Zeitung. Dabei habe er die fünf gerodeten, angenagten Bäume entdeckt. "Das kannten wir nur aus dem Fernsehen", staunt Uwe Eisenmann. Er freue sich, dass die Biber - denn um deren Spuren habe es sich zweifelsohne gehandelt - sich "scheinbar hier in der Stadt wohlfühlen und durch die Renaturierung neuer Lebensraum für Mensch und Tier geschaffen wurde".

Biber in Frankfurt: „Ein natürlicher und wichtiger Bestandteil“

Diese Einschätzung teilen auch die Experten: "Ja, das war der Biber", bestätigt Manfred Sattler vom Grünflächenamt. Der Nager wohne nun schon seit drei, vier Jahren im Bereich der Flutmulde unterhalb des Kollmann-Weihers. Die abgefressenen Bäume seien kein Grund zum Ärger: "Das sind Weiden, die wie die meisten Auwaldgehölze wieder aus der Basis ausschlagen." Der Biber sei ein "natürlicher und wichtiger Bestandteil der Natur mit seinen landschaftsgestalterischen Fähigkeiten", versichert Sattler. Und ergänzt: "Das Problem sind wir Menschen, die in Lebensräume mit Bauwerken eingreifen."

Sattler weiß, wovon er spricht: Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Biberbetreuer hat er auch dienstlich mit den Tieren zu tun - wenn die städtische Bäume fällen. "Sofern sie auf Flächen des Grünflächenamtes sind, müssen wir eingreifen und dafür sorgen, dass die Bäume nicht auf Wege oder ähnliches fallen." Ansonsten berate er andere Ämter, wie man am besten mit dem Nager umgeht.

Biber hinterlässt Spuren an Nidda in Frankfurt-Sossenheim

Auch Richard Schmidt, stellvetretender Vorsitzender beim Ortsverband Frankfurt West des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), weiß um den Biber im Unterfeld - und freut sich darüber. Noch mehr Tiere seiner Art gebe es in Frankfurt etwa im Bonameser Altarm der Nidda oder am Erlenbach, auf der Grenze zwischen Frankfurt und Bad Vilbel.

Der Biber, berichtet Richard Schmidt, werde häufig mit den wesentlich verbreiteteren Nutrias verwechselt. Die hätten allerdings einen rattenartigen Schwanz im Gegensatz zum typisch breiten und flachen Schwanz des Bibers, "Damit steuert er beim Schwimmen", erklärt der Naturschützer. Und was genau hat es mit seiner Vorliebe für Weichholz-Bäume wie Weiden und Erlen zu tun? "Er schneidet mit seinen Zähnen Stücke heraus, mit denen er Deiche baut", erklärt Schmidt. "Das Laub und die nährstoffreichen Knospen schafft er in seinen Bau, sie dienen ihm als Winterfutter." Als Vegetarier gehe vom Biber auch keine Gefahr für andere Tierarten aus.

Frankfurt: Biber in Sossenheim wählt Unterfeld als neue Heimat

Das Sossenheimer Unterfeld ist eine Gruppe zusammenhängender Äcker, Felder und Wiesen im westlichen Stadtteil. Das landwirtschaftlich und zu Erholungszwecken genutzte Flurstück gehört zum westlichen Arm des Frankfurter Grüngürtels und ist Teil des gleichnamigen Landschaftsschutzgebietes. Das Unterfeld dient auch als Naherholungsgebiet. Verschiedene Wanderrouten beginnen hier, unter anderem ein Abschnitt der Wanderwege des Regionalparks Rhein-Main zum Opel-Zoo in Kronberg. 

Der Biber war lange Zeit in Hessen verschwunden*. Nach Angaben des Nabu wurden 1987 und 1988 insgesamt 18 Tiere im hessischen Spessart wieder angesiedelt. Inzwischen leben knapp 1000 Exemplare in Hessen, vor allem an der Kinzig, der Fulda und in der Wetterau. Bundesweit gibt es laut Deutscher Wildtier-Stiftung derzeit etwa 25 000 Tiere.

Biber leben in langsam fließenden und stehenden Gewässern mit Gehölzen nahe dem Ufer. Sie fällen Bäume, bauen Burgen und Dämme und stauen Bäche auf. So schaffen sie nicht nur sich, sondern auch vielen Pflanzen und Tieren einen geeigneten Lebensraum. Zu sehen bekommt man den scheuen und dämmerungsaktiven Gesellen allerdings selten zu Gesicht. 

Die Besucherzahlen im Zoo Frankfurt sind deutlich zurückgegangen. Die Stadt nennt den Grund für den Schwund.

Von Michael Forst/red

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