Einen warmen Sommerabend genießen zwei Männer am Mainufer vor dem Bankenviertel und stoßen mit einem Bier an.
+
Das Bundesland NRW verbietet ein Bier aus Frankfurt. Kontrolleuren stößt das Produkt übel auf. (Symbolbild)

Allgemeinverfügung

Bier aus Frankfurt bekommt NRW-Verbot – Brauerei in der Parmaschinken-Falle

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
    schließen

Kuriose Entscheidung in NRW: Ein Bier aus Frankfurt darf in dem Bundesland nicht mehr verkauft werden. Auf Begeisterung stößt die Entscheidung nicht – im Gegenteil.

  • Ein hessisches Bier darf in NRW nicht mehr verkauft werden.
  • „Colonia“ aus Frankfurt stößt Kontrolleuren übel auf.
  • Brauerei und Bier-Freunde sind verwundert.

Frankfurt/Köln – Ein hessisches Bier hat nun offiziell NRW-Verbot. Das Gebräu mit dem Namen „Colonia“ aus Frankfurt darf im Bundesland Nordrhein-Westfalen nicht mehr verkauft werden. Der Grund: Kontrolleure erinnert es zu sehr an ein echtes Kölsch aus dem Rheinland.

NRW-Verbot für Bier aus Frankfurt: Bundesland greift durch

Eine entsprechende Allgemeinverfügung hat das NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) erlassen. Sie untersagt, das „Colonia“ zum Verkauf „vorrätig zu halten, anzubieten, feilzuhalten, zu liefern, zu verkaufen oder sonst in den Verkehr zu bringen.“ Das „Colonia“ stammt von einer Brauerei aus Frankfurt. Als echtes Kölsch darf aber nur Bier vermarktet werden, das in Köln und unmittelbarer Region gebraut wird.

Nach Angaben des Landesamtes stießen die Kontrolleure bei Routinekontrollen „im Internet“ auf das „Colonia“-Bier aus Frankfurt, das für sich in Anspruch nimmt, im Charakter „an ein Kölsch in seiner ursprünglichen klassischen Form“ zu erinnern. Auf dem Etikett ist die Kontur des Kölner Doms zu sehen – das Bundesland griff durch.

Das Foto zeigt eine Flasche „Colonia Summer Ale“ des Unternehmens BraufactuM, auf deren Etikett der Kölner Dom abgebildet ist.

Für NRW ist die Vermarktung des Bieres aus Frankfurt ein Unding. „Nach unserer Ansicht verstößt die gesamte Aufmachung des Bieres vom Etikett bis zum Namen gegen die geschützte EU-Angabe geografischer Spezialitäten“, erläuterte das Landesamt der Deutschen Presse-Agentur.

Hessisches Bier in NRW verboten: Brauerei aus Frankfurt reagiert überrascht

Man wolle Biertrinker schützen: Verbraucher könnten es für ein echtes Kölsch halten. „Dieses darf aber nur in Köln und Umgebung gebraut werden. Ähnlich wie beim Parmaschinken, dieser darf auch nur so benannt und vermarktet werden, wenn dieser in der italienischen Region Parma hergestellt wird“, so das Landesamt.

Die Braufactum-Brauerei aus Frankfurt reagierte überrascht auf die neue Verfügung – immerhin werde das „Colonia“-Bier, das als „Summer Ale“ deklariert sei, schon seit 2009 vertrieben.

Man werde allerdings nicht dagegen vorgehen, da man sich ab Januar auf andere Sorten im Handel fokussiere – „auch, wenn das bedeutet, dass nun wegen einer wenig nachvollziehbaren Anordnung Ware eines völlig perfekten und übrigens auch sehr köstlichen Produktes vernichtet werden muss“.

Facebook-Nutzer reagiert auf NRW-Verbot für Bier aus Frankfurt: „Vermutlich sind ihnen Trinkgelage im Dienst untersagt“

Im Internet stieß die Entscheidung Nordrhein-Westfalens auf Unverständnis. „Das ‚Colonia‘ ist erheblich besser und auch teurer als die industrielle Kölsch-Plörre. Die Kontrolleure hätten sich also besser nicht nur das Etikett angeschaut, das mit der Nähe zu einem ‚echten“ Kölsch kokettiert, sondern auch mal eine Flasche öffnen und trinken sollen. Aber vermutlich sind ihnen Trinkgelage im Dienst untersagt, nur Narreteien erlaubt“, schrieb ein Nutzer auf Facebook. (Tim Vincent Dicke mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare