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Frankfurt bietet das alte Gaswerk in der Schielestraße zum Verkauf an

Will die Stadt das alte Gaswerk in der Schielestraße verkaufen oder verpachten? Baudezernent Jan Schneider (CDU) spricht bereits mit mehreren Interessenten. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Mietverträge mit der Eastside-Drogenhilfe, dem Großen Rat und dem Verein Abenteuerspielplatz Riederwald sind jederzeit kündbar. Die SPD protestiert.

Dieses Schmuckstück will gepflegt sein. Und das kostet Geld. Geld, das Investoren oder Pächter aufbringen könnten. Offenbar hat die Stadt für das alte Gaswerk Ost – ein von 1910 bis 1912 vom berühmten Architekten Peter Behrens erbautes Industriedenkmal – nicht genügend im Säckel. Eine zweistellige Millionensumme wäre wohl zu investieren.

Das Ensemble im Ostend – vier Gebäude, Werkstätten und Wassertürme – müsste langsam mal fertig saniert werden, bereits Anfang des Jahrhunderts hat das Hochbauamt erhebliche bauliche und brandschutztechnische Mängel festgestellt. Seit 2006 wurde die einsturzgefährdete Fassade auf Vordermann gebracht. Das immerhin. Für viel mehr hat es nicht gereicht, 2011 legte die Stadt die Arbeiten auf Eis. Seither ächzen die alten Heizungs-, Elektro und Sanitäranlagen weiter vor sich hin. Da käme der Stadt eine Aufbauhilfe von außen wie gerufen.

Andererseits: Die Mieter hat die in die Jahre gekommene Technik nicht weiter gestört. Die integrative Drogenhilfe Eastside betreut hier 1200 Personen im Jahr und kommt dabei auf insgesamt gut 30 000 Übernachtungen. Der Große Rat der Frankfurter Karnevalsvereine lässt hier seine Motivwagen für den großen Umzug bauen. Der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald beherbergt hier seine Werkstätten. Als die Stadt neulich Herren in schwarzen Anzügen durch das alte Gaswerk geführt habe, erkannten sie die Zeichen.

Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) macht auch gar keinen Hehl daraus, dass das 20 000 Quadratmeter große Grundstück heiß umworben ist. Es gebe eine Reihe von Interessenten, teilte er gestern öffentlich mit. Einer soll laut Schneider die Samson AG sein. Der Produzent von Mess- und Regeltechnik residiert erstens ohnehin bereits in der Schielestraße und hat zweitens Ende des vergangenen Jahres mit der Eröffnung eines Forschungszentrums den Standort gestärkt. Welche Pläne Samson mit dem Industriedenkmal verfolgt, war gestern bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Auch aus dem Dezernat kamen trotz Anfragen – etwa zu anderen Interessenten – keine Antworten.

Zwei Fragen dürften vor allem die Mieter umtreiben: Erwägt die Stadt gar nicht mehr, ihr Schmuckstück selbst zu polieren? Und was ist mit den Mietverträgen? Die sind nach Auskunft der Drogenhilfe zwar jederzeit kündbar, aber die Einrichtung arbeitet dort bereits seit 30 Jahren. Solche Mieter bekommt man für gewöhnlich nicht so schnell aus dem Haus.

Geht es nach dem Willen der SPD-Fraktion im Römer, soll alles so bleiben, wie es ist. In einer ersten Stellungnahme haben sich die Sozialdemokraten gestern vehement gegen den Verkauf ausgesprochen und gefordert, dem Großen Rat, dem Abenteuerspielplatz und besonders der Eastside-Drogenhilfe, Europas größter ihrer Art, langfristige Perspektiven zu eröffnen – an Ort und Stelle. Dass die Stadt 2011 die Sanierung des alten Gaswerks abgebrochen habe, sei nur ein weiteres Versäumnis,, das nun publik werde.

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