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Entlang der Angelika- Maschnik-Straße ist schon abgesperrt. Demnächst werden auf einer Fläche von 0,38 Hektar Bäume gefällt. Das gefällt den Nachbarn überhaupt nicht.

Aussichtsloser Kampf

Anwohner sauer über Kahlschlag im Rebstockwäldchen

Im nördlichen Teil des Rebstock-Geländes entstehen rund 1000 Wohnungen. Dass dafür auch Bäume gefällt werden, sorgt für Zündstoff. 

Frankfurt-Bockenheim - Lange können die Bewohner der Angelika-Machinek-Straße den Blick in die Natur nicht mehr genießen. Wo heute noch Bäume stehen, sollen bis zum Jahr 2022 Wohnungen und eine Dependance der Viktoria-Luise-Schule entstehen. Im Rebstockwäldchen müssen dazu aber auf einer Fläche von 0,38 Hektar Bäume weichen. Das gefällt den Anwohnern gar nicht. Sie gründeten eine Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt der Bäume einsetzt. Und führt wohl dennoch einen aussichtslosen Kampf. In der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses nickten die Mitglieder die Offenlegung der Änderung des Bebauungsplans Nr. 683 ab. Das letzte Wort hat nun die Stadtverordnetenversammlung.

Der bestehende Bebauungsplan soll geändert werden, um Wohnraum zu schaffen. "Durch die Änderung nutzen wir eine jahrzehntelange Brache um. Wo ursprünglich die Errichtung von Büros vorgesehen war, schaffen wir jetzt dringend benötigten Wohnraum", sagte Planungsdezernent Mike Josef Anfang 2019 bei der Vorstellung des Vorhabens.

Kita und ein Platz

Im nördlichen Teil des Rebstock-Geländes sollen rund 1000 Wohnungen entstehen - und damit fast 50 Prozent mehr als ursprünglich geplant. Eigentlich waren Büroflächen auf dem 110 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Leonardo-Da-Vinci-Allee, Am Römerhof und dem Zubringer zur A 648 vorgesehen. Außerdem soll es Kitas und einen Quartiersplatz geben, der den Namen des Luftfahrtpioniers Charles Lindbergh tragen soll. Die Wohnungen werden von der LBBW Immobilienmanagement GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der Landesbank Baden-Württemberg und der ABG Frankfurt Holding gebaut. 90 Prozent der Wohnungen sind Eigentumswohnungen, der Rest wird vermietet. 30 Prozent der Einheiten sind geförderter Wohnraum.

Thilo Lichtenberg erklärte im Planungsausschuss, er finde es ganz entsetzlich, dass der Rebstockwald überbaut werden soll. "Der Wald hat zwei Weltkriege überlebt", erinnerte er. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern will Lichtenberg ein Bürgerbegehren anstrengen, um zu verhindern, dass in Frankfurt immer mehr Grünflächen "platt gemacht werden". Etwas mehr als 10 000 Bürger haben die Petition bereits unterschrieben.

Sieghard Pawlik (SPD) widerspricht den Befürchtungen von Lichtenberg. "Das Wäldchen wird nicht im Wesentlichen beseitigt, nur ein kleiner Randstreifen", erklärte er in der Sitzung des Planungsausschusses des Stadtparlaments. All jene, die bereits in die Neubauten im Umfeld gezogen seien, hätten gewusst, dass dort noch eine Kita errichtet werden solle. Außerdem habe es am Katharinen-Kreisel bereits Ersatzpflanzungen gegeben.

Verdichtung in der Stadt

Pawlik räumt aber ein, dass die Stadt mit größer Vorsicht vorgehen müsse, wenn sie Grünflächen angreife. "Wir sind überzeugt, dass die Zivilisation keine Zukunft hat, wenn wir weiter so mit der Umwelt vorgehen." Er sieht das Vorhaben aber als gutes "Beispiel dafür, wie alle Möglichkeiten genutzt werden, um Eingriffe in die freie Fläche zu reduzieren". Denn hier werde die Bebauung innerhalb der Stadt verdichtet, statt am Stadtrand neue Flächen zu verbrauchen.

"Ich kann den Ärger der Leute verstehen", sagt Günter Pelke. Der Fraktionsvorsitzende der FDP-Fraktion im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) wohnt selber im Rebstock-Gebiet. Wegen des schönen Blicks ins Grüne hätten die Eigentümer sicher etwas mehr für ihre Wohnungen bezahlt. Jetzt fühlten sie sich aber verschaukelt. Andererseits so wendet Pelke ein, könne man gar nicht gegen den Bau der Grundschul-Depandance sein. "Bleibt alles so, würde ich für die Änderung des Bebauungsplans stimmen", sagt er deshalb.

Heldbockkäfer sind eine in Deutschland vom Aussterben bedrohte Käferart.

Der zuständige Ortsbeirat 2 hatte mit Rücksicht auf das Klima mehrfach für den Erhalt des Rebstockwäldchens plädiert. Der Magistrat hatte allerdings stets argumentiert, dass der Baumbestand im Großen und Ganzen erhalten bleibe und stadtklimatische Auswirkungen deshalb nicht zu erwarten seien. Im Rodungsgebiet gebe es keine seltenen Tiere und Pflanzen. Außerhalb des Rebstockwäldchens gebe es zwar ein Habitat, in dem der Heldbockkäfer lebe. Eine Umsiedlung der Insekten sei mit der Unteren Naturschutzbehörde schon abgestimmt.

Auch sonst ist in Bockenheim einiges los: Leipziger Straße: Sperre für Autos kann kommen. Außerdem geht die Jagd auf die Brandstifter von Autos weiter: Neun Autos brennen in Bockenheim.

Matthias Bittner

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