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Geparkte Autos, fahrende Autos - und dazwischen ein Radfahrer. Das Fahren für Radler ist auf der Schloßstraße gefährlich. 

Bockenheim

Schloßstraße ist gefährlich für Radfahrer: Jetzt kommt Tempo 30 – aber reicht das?

Radfahren soll in Frankfurt sicherer werden. Die enge Hauptverkehrsader Schloßstraße in Bockenheim gilt als Gefahrenzone. Eine Lösung? Tempo 30. 

  • Radfahren in Frankfurt soll sicherer werden
  • Die Schloßstraße in Bockenheim gilt als gefährlich
  • Tempo 30 allein reicht Kritikern als Lösung nicht

Frankfurt – Der markierte Radweg in der Schloßstraße gehört ganz sicher nicht zu den Lieblingsstrecken von Radfahrern. Auf dem Abschnitt zwischen Adalbertstraße und Rödelheimer Straße rollt links an ihnen der Verkehr vorbei, rechts stehen am Straßenrand geparkte Autos, dazwischen verläuft der Radweg. Und in Höhe des Von-Bernus-Parks blockieren zudem regelmäßig Falschparker den Weg.

Weil die Radfahrer an dieser schmalen Stelle auf die Fahrbahn ausweichen müssen und sie dadurch gefährdet würden, fordert der zuständige Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) Klemmfixe, die das Überfahren des Radweges sichern und das illegale Parken verhindern. Ein entsprechender Antrag wurde mehrheitlich verabschiedet.

Frankfurt-Bockenheim: Tempo-30-Zone als Minimallösung für Radfahrer

Umgesetzt wird die Anregung aber wohl eher nicht. Der Magistrat verweist in seiner Stellungnahme auf die Oktobersitzung des Stadtteilparlamentes, in der Joachim Hochstein vom städtischen Radfahrbüro Lösungsvarianten für die Situation in der Schloßstraße vorgestellt hatte. Er hatte damals erklärt, dass voraussichtlich im Frühjahr zunächst die Minimallösung umgesetzt werde, um die Situation etwas zu entschärfen. Künftig gilt Tempo 30, links vom Radfahrstreifen werden Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn markiert. Sie zeigen an: Autofahrer und Radler teilen sich also vom kommenden Frühjahr an die Fahrbahn.

Das Problem auf dem 750 Meter langen Abschnitt sind die beengten Platzverhältnisse. In der Straßenmitte verlaufen die Straßenbahngleise. Links werden die Radler von Autos überholt, rechts müssen die Zweiradfahrer ständig damit rechnen, dass Autofahrer aussteigen - die sogenannte Tür-Öffnungs-Zone ist das Problem. Diese ragt in den Radfahrstreifen hinein.

Frankfurt-Bockenheim: ADFC weist auf Gefahren für Radfahrer hin

Um weiterfahren zu können, müssen Radler vom Radfahrstreifen auf die Fahrbahn ausweichen. Und werden dann nicht selten von wütenden Autofahrern angehupt oder einfach überholt, ohne dass der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten wird.

Auf die gefährliche Situation haben Ortsbeirat und Allgemeiner Fahrrad Club Deutschland (ADFC) schon oft hingewiesen - zuletzt mit einer Poolnudelaktion. Dazu hatten ADFC-Aktivisten die Schwimmhilfen für Kinder am Gepäckträger ihrer Fahrräder montiert. Diese ragen 1,50 Meter in die Fahrbahn, das entspricht dem Abstand, den Autofahrer beim Vorbeifahren an Radfahrern mindestens einhalten sollten. Die wenigsten machen das aber, klagt Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC in Frankfurt. Die Kernaussage der Aktion: Fahrradfahrer brauchen mehr Platz auf den Straßen.

Schloßstraße in Bockenheim: Stadt Frankfurt mit Gedankenspielen

Der fehlt derzeit aber in der Schloßstraße. Um die Gefahrenstelle effektiv zu beseitigen, sind laut Hochstein radikalere Maßnahmen nötig. Im Radfahrbüro habe man mehrere Varianten durchgespielt: Der Parkstreifen am Straßenrand müsste auf dem 750 Meter langen Abschnitt in der Schloßstraße entfernt werden - etwa 110 Parkplätze würden entfallen, wenn ein ausreichend breiter und rot markierter Radweg angelegt würde.

Die charmanteste Lösung - der politische Beschluss liegt noch nicht vor - sieht vor, dass der Verkehr auf der asphaltierten Straßenbahntrasse rollt. Die einstige Fahrbahn soll Radfahrern zur Verfügung stehen, ein Teil der Fläche könnte begrünt werden. Der Vorteil: Die Parkplätze am Straßenrand blieben bestehen. 

Gefährlich ist es für Radfahrer in Frankfurt auch an der Kreuzung Hügelstraße/Eschersheimer Landstraße. Auch an dieser Stelle ringt die Stadt um Lösungen. 

Unterdessen geht eine eng verwandte Diskussion weiter: Ist die Innenstadt von Frankfurt bald autofrei?

Von Matthias Bittner

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