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Ein Blick auf die Kraftfahrzeug-Kennzeichen verrät es: Etliche Autos, die tagsüber in der Kuhwaldsiedlung stehen, gehören Pendlern. Elke Günther stört das, weil Anwohner keinen Parkplatz mehr finden. Sie fordert für diese reservierte Stellplätze.

Bockenheim

Extremer Parkplatz-Streit in Frankfurt spitzt sich zu: Stadt ignoriert Not der Anwohner

Der Parkplatz-Streit in Bockenheim in Frankfurt spitzt sich zu. Ständig sind die Parkplätze blockiert. Die Stadt ignoriert diese Not weiterhin.

Frankfurt - Wenn Elke Günther (55) von der Arbeit nach Hause kommt und einen Parkplatz in der Kuhwaldsiedlung sucht, beginnt der Stress erst richtig. Weil Pendler und Messegäste die Stellplätze blockieren, muss sie Runde um Runde drehen. Oft ist sie nur dafür mehr als 15 Minuten unterwegs und gibt dann völlig entnervt auf. „Manchmal stelle ich mich ins Parkverbot. Wenn's dumm läuft, bekomme ich einen Strafzettel. Das kann doch nicht sein“, ärgert sie sich über die verquere Situation im Quartier.

Sie versteht nicht, warum die Stadt keine Bewohnerparkzone ausweist. „Dann wäre das Problem doch endlich gelöst!“ So aber nutzten Pendler, die etwa in der City West arbeiten, die von ihren Arbeitgebern angebotenen Stellplätze in Parkhäusern nicht. Dafür müssten sie nämlich bezahlen. Parken in der Kuhwaldsiedlung hingegen sei kostenlos und der Weg zum Arbeitsplatz über die Fußgängerbrücke über die Theodor-Heuss-Allee kurz. „Spricht man die Leute an, um ihnen unser Problem zu schildern, wird man beschimpft“, ärgert sich die Bewohnerin Elke Günther.

Frankfurt Bockenheim: Parkplatz-Streit im Kuhwald nicht mehr zumutbar

Deshalb ist sie froh, dass die Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) das Bewohnerparken wieder einmal auf die Tagesordnung bringt. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Grünen-Sprecher Thomas Gutmann. Der Magistrat begründe seine ablehnende Haltung zum Bewohnerparken im Kuhwald mit der Studie „Parkraumkonzept Kuhwaldsiedlung“ von Albert Speer und Partner aus dem Jahr 2017. Das Ergebnis: Es gebe kein Parkplatzproblem in der Siedlung hinter der Messe. „Das entsprach schon damals nicht der Realität - und die Situation hat sich seitdem noch verschärft“, fordert Gutmann reservierte Stellplätze für Anwohner.

Elke Günther würde sofort einen der Bewohnerparkausweise beantragen. Ihre Nachbarn übrigens auch. Am liebsten würde sie Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) einladen, damit er sich an Ort und Stelle einen Eindruck verschaffen könne. „Er müsste sich nur mal hier hinstellen und zuschauen. Das wäre die beste Überzeugungsarbeit“, sagt die 55-Jährige, die seit 1977 in dem Stadtteil wohnt.

Frankfurt Bockenheim: Stadt ignoriert Parkplatz-Streit weiter

Ihre Einladung muss Oesterling eigenen Angaben zufolge nicht annehmen. Er kenne die Situation. Und er sagt: „Ortsbeirat und Anwohner haben natürlich Recht.“ Schnelle Abhilfe will er allerdings nicht versprechen und verweist auf den Fahrplan für die Umsetzung des zweistufigen Parkraumbewirtschaftungsprogramms. 

In der ersten Stufe sollen in der Zone innerhalb des Alleenrings nach und nach die kostenlosen Parkplätze wegfallen. Bewohner können spezielle Ausweise beantragen, alle anderen müssen Parkscheine an Automaten ziehen. In der zweiten Stufe soll das System auch in den Außenbezirken, also auch in der Kuhwaldsiedlung, umgesetzt werden.

„Wann genau das sein wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, bittet er um etwas Geduld. Voraussichtlich Anfang nächsten Jahres starte der Pilotversuch zur Parkraumbewirtschaftung in Bornheim - allerdings mit Verspätung, weil es Lieferschwierigkeiten bei den Parkscheinautomaten gibt.

Parkplatz-Streit in Frankfurt Bockenheim: Uneinigkeit bei der Stadt

Gutmann hat mit dieser Aussage des Verkehrsdezernenten gerechnet. Akzeptieren will er sie jedoch nicht. Seit Jahren werde das Thema ignoriert und die Bewohner der Siedlung hinter der Messe würden allein gelassen. Grundsätzlich seien sich die Fraktionen im Ortsbeirat einig, dass sich etwas ändern müsse. CDU und SPD hätten in der Vergangenheit auch den Vorschlag gemacht, ein Parkhaus oder eine Quartiersgarage zu bauen, um die Situation in den Griff zu kriegen. Dazu seien zunächst einmal aber große Investitionen nötig.

Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) hat einen anderen Vorschlag. Er ist der Ansicht, man müsse die Messe mit ins Boot holen und gemeinsam eine Lösung suchen. Denn an Messetagen seien viele Messebesucher mit ihren Autos ungebetene Gäste in der Kuhwaldsiedlung.

Parkplatz-Problem in Frankfurt Bockenheim: Der Ortsbeirat 2 tagt

Sitzung am Montag, 2. Dezember, um 19 Uhr, Jüdische Gemeinde Frankfurt, Westendstraße 43, 5. Obergeschoss.

VON MATTHIAS BITTNER

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