Der Umgang mit dem Internet zu schulischen Zwecken sollte wahrlich früh geübt sein: Unser Symbolbild zeigt drei Grundschülerinnen vor ihren Bildschirmen im Computer-Lehrraum einer deutschen Grundschule.
+
Der Umgang mit dem Internet zu schulischen Zwecken sollte wahrlich früh geübt sein: Unser Symbolbild zeigt drei Grundschülerinnen vor ihren Bildschirmen im Computer-Lehrraum einer deutschen Grundschule.

Digitalisierung

Frankfurt-Bockenheim: Schule verpasst Anschluss ans digitale Zeitalter - "Ein Unding"

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
    schließen

An der Georg-Büchner-Schule in Frankfurt-Bockenheim funktionieren Lern-Computer nur ab und zu. Das Bildungsdezernat will sich um das Problem kümmern.

Frankfurt - Simona Hepp ist fassungslos. Fassungslos ob der digitalen Ausstattung der Georg-Büchner-Schule in Bockenheim, die ihre Tochter seit Beginn des neuen Schuljahres besucht. Die Computer der Integrierten Gesamtschule (IGS) können nämlich gar nicht oder nur teilweise benutzt werden. "Es ist wie eine Lotterie", sagt die Elternbeirätin der Schule. "Mal funktioniert es, mal nicht."

Doch von vorne: Die Georg-Büchner-Schule verfügt über drei Computerräume, die im vergangenen Sommer mit neuen Geräten ausgestattet wurden. Insgesamt hat die Schule 145 neue Computer bekommen. Das Problem: Die 60 Geräte in den Computerräumen lassen sich nicht stabil und zuverlässig mit dem Internet oder dem schulischen Intranet verbinden. "Nach Auskunft des für die Schule zuständigen IT-Dienstleisters liegt das an der Verkabelung der Räume", sagt Hepp. Und das bereits kontaktierte Stadtschulamt wolle an der Situation nichts ändern, die Kabel und Leitungen nicht erneuern, weil die Schule perspektivisch saniert werden soll. Wann das passiert, das weiß allerdings noch niemand.

Elternbeirätin der Frankfurter Schule: "Ist frustrierend"

"Das macht mich wirklich sprachlos", so Hepp. Gerade in der heutigen Zeit sei es so wichtig, dass die Kinder den Umgang mit dem Internet lernen. "Wer digital nicht sattelfest ist, hat in der Arbeitswelt keine Chance." Doch die Kinder und Jugendlichen der IGS könnten den Umgang mit dem Internet, das Recherchieren von Themen im World-Wide-Web oder schlicht und einfach das Schreiben von Bewerbungen auf dem Computer gar nicht lernen. "Ein Unding", sagt sie.

Im Alltag sehe die Situation wie folgt aus: Die Lehrkraft bucht einen Computerraum, den sie mit der Klasse aufsucht. Die Schüler versuchen dann, eine Verbindung zum Internet herzustellen. Idealerweise klappt es bei allen Computern - manchmal jedoch nur bei fünf oder sogar auch bei gar keinem Gerät. Viel zu oft müssten die Kinder unverrichteter Dinge wieder in ihren Klassenraum zurückkehren. Statt digitalem Unterricht gibt es dann analogen. "Das führt natürlich zu Frust", sagt die Elternbeirätin.

Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, will Simona Hepp gemeinsam mit Schülern und Lehrern die Sitzung des Ortsbeirats 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend) am kommenden Montag besuchen. Denn selbst auf eine schnelle Ausstattung mit WLAN kann die Schule nicht hoffen. Zwar hat sich das Stadtparlament nach langem Hin und Her darauf geeinigt, alle Schulen in Frankfurt mit drahtlosen Zugängen ins Internet zu versehen, dies geschieht allerdings im Zuge der regelmäßigen Neuausstattung der Schulen mit neuen Geräten. Dieser Vorgang findet alle fünf Jahre statt. Da die Georg-Büchner-Schule im vergangenen Jahr bereits neue Computer bekommen hat, ist sie erst 2024 wieder dran. Auch darüber kann Simona Hepp nur mit dem Kopf schütteln.

Schule in Frankfurt-Bockenheim: Bildungsdezernat will Lösung suchen

Immerhin teilt Azfar Khan, Sprecher von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), auf Anfrage dieser Zeitung mit, sich um das Thema zu kümmern. "Wir werden nach einer kurzfristigen, individuellen Lösung suchen", heißt es. "Es ist natürlich kein haltbarer Zustand, wenn die Schule ihre Computer nicht oder nur teilweise nutzen kann."

Für alle anderen Frankfurter Schulen kann Khan mitteilen, dass an der Ausstattung der Bildungsstätten mit WLAN "mit Hochdruck" gearbeitet werde. Bis Ende 2021 soll die Hälfte der 167 Schulen mit drahtlosen Zugängen zum Internet, mobilen Endgeräten und neuer Präsentationstechnik wie Beamern und Whiteboards ausgestattet sein. "Darunter werden sich dann auch alle Beruflichen Schulen befinden", so Khan. Bis 2024 sollen alle Frankfurter Schulen mit WLAN und neuer Technik versorgt sein.

In Sachen Sanierung muss sich die Georg-Büchner-Schule aber noch gedulden. Eine Machbarkeitsstudie wurde zwar erstellt und liegt dem Stadtschulamt vor. Nun müssen aber noch die Gelder für die Sanierung im Haushalt 2022 angemeldet werden. Ist der Haushalt genehmigt, kann ein Planungsbüro gesucht und die Sanierung vorangetrieben werden. Die schlechte Nachricht: Dabei handelt es sich um ein längeres Verfahren. Die gute Nachricht: Die Schule ist nicht in Vergessenheit geraten. (von Julia Lorenz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare