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Für Fußgänger, Rad- und Autofahrer ist in der Leipziger Straße eigentlich zu wenig Platz. Deshalb kommen sich sie sich auch oft in die Quere. Damit das Flanieren entspannter wird, sollen Autos ausgesperrt werden - zumindest zeitweise.

Diskussion in Bockenheim

Wird die Leipziger Straße komplett autofrei?

Seit vielen Jahren wird in Bockenheim kontrovers über die Nutzung der Leipziger Straße diskutiert. Ein Autofrei-Vorschlag erntet viel Zustimmung im Netz. Der Knackpunkt bleibt die Situation der Einzelhändler.

Frankfurt- Innerhalb von zwei Monaten hat Bernhard Witzler das erreicht, was Stadtteilpolitiker und Verwaltung schon seit mehr als zehn Jahren diskutieren, wo sie aber noch keine gemeinsame Linie gefunden haben. 349 Menschen unterstützen auf der Internetplattform "Frankfurt fragt mich" seinen Vorschlag, die komplette Leipziger Straße für den Autoverkehr zu sperren. Der Magistrat muss nun die Möglichkeiten der Umsetzung dieser Idee prüfen und anschließend über das Ergebnis auf der Website berichten. 200 Unterstützer hätten dazu schon gereicht.

Autofreie Leipziger Straße: Die Idee gefällt

In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) erklärte Witzler, warum er eine autofreie Leipziger Straße für sinnvoll hält. Es gebe zu wenig Platz für Autos, Radfahrer und Fußgänger, erklärte er. "Das verursacht Stress beim Einkaufen", sagte er. Er fände auch eine probeweise Sperrung auf einem Teilabschnitt gut, kommentierte er ein entsprechendes Papier, das die FDP-Fraktion zur Abstimmung vorgelegt hatte.

Zur Abstimmung kam der Antrag indessen nicht, weil er auf Wunsch von Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) zurückgestellt wurde. Knackpunkt aus seiner Sicht ist die schwierige Situation der kleinen Geschäfte. "Ohne die Meinung der Einzelhändler gehört zu haben, will ich das nicht entscheiden", sagte er. Es sei unklar, wie sich eine autofreie Leipziger auswirke - ob also Umsätze einbrechen, so Kaufmann. Weil die Geschäftsleute Bedenken geäußert hätten, will er sie in die nächste Sitzung einladen.

Thomas Gutmann (Grüne) wandte ein, dass das Thema die Geschäftsleute offenbar nicht so umtreibe wie von Kaufmann angenommen. Schließlich sei bekannt gewesen, dass die autofreie Leipziger diskutiert werde. "Ich sehe aber keinen einzigen Geschäftsmann hier. Warum sind sie nicht gekommen?", sagte er.

"Wenn ein Feldversuch an einem Tag zum Ruin eines Geschäfts führt, läuft etwas anderes falsch", argumentierte Maria-Christina Nimmerfroh (FDP). Im Übrigen gebe es drei Parkhäuser in der näheren Umgebung. "Die Geschäftsleute könnten für Kunden die Parkgebühren bezahlen, dann hört dieser unsinnige Parkplatzsuchverkehr endlich auf", ergänzte Hans-Jürgen Hammelmann (Linke).

Nimmerfroh hatte vorgeschlagen, dass samstags die Leipziger Straße auf dem Abschnitt zwischen der Adalbert- und der Kurfürstenstraße autofrei sein soll. Drei Schranken an Querstraßen - Adalbertstraße, Wildunger und Landgrafenstraße - sollen Autofahrer an der Weiterfahrt hindern. Radfahrer sollen freie Bahn in der Leipziger haben. Die Schranken sollen von 10 bis 17 Uhr geschlossen sein. Sie schlägt eine Testphase von sechs Monaten vor. Anschließend soll mit Anwohnern und Gewerbetreibenden bilanziert werden, was gut und was schlecht gelaufen ist.

Leipziger Straße als Fußgängerzone? 

Christian Loose (CDU) plädierte für ein Gesamtkonzept, in das auch die Parkplatzsituation und Verkehrsströme einfließen müssten. "Was bringt es jetzt, wenn die Autos raus sind, sich dann aber Radler und Fußgänger in die Quere kommen?", gab er zu bedenken. Die Antwort gab Günter Pelke (FDP): Das FDP-Papier schlage konkrete Maßnahmen vor, der Magistrat müsse reagieren. "Das ist erfolgversprechender." Günter Heilmann (Grüne) unterstützt das und erinnerte an das Provisorium Hauptwache, das sich verselbstständigt habe. Dort wurde probeweise ein Teilstück Straße gesperrt. "Das lief gut, kein Mensch will, dass die Straße noch einmal geöffnet wird."

Der FDP-Antrag soll in der ersten Sitzung nach der Sommerpause erneut auf die Tagesordnung kommen. Dann allerdings mit der Ergänzung, dass Radfahrer wie in Fußgängerzonen üblich nur Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen. Martin Völker (SPD) hatte das angeregt. Zudem soll geprüft werden, welche anderen Wege sich Autofahrer suchten und welche Straßen betroffen sind.

Die FDP-Fraktion will den Antrag um diese Punkte ergänzen und bot an, ihn auch interfraktionell laufen zu lassen.

Matthias Bittner

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