Die Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Bonames.
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Die Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames.

Alter Flugplatz

Enorme Mängel in Flüchtlingsunterkunft: Knapp eine Million Euro für Instandhaltung

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Undichtes Dach, fehlendes Warmwasser, mangelnde Stromversorgung: Die Stadt Frankfurt prüft, ob sie vom Hersteller Regress fordern kann, weil die Flüchtlingsunterkunft in Bonames schon so viele Mängel aufweist

Frankfurt - Gut 319.000 Euro soll die Beseitigung der Mängel in der Flüchtlingsunterkunft Bonames kosten. Das geht aus einem aktuellen Magistratsbericht hervor. Insgesamt sind seit Inbetriebnahme der Einrichtung im Jahr 2016 bisher 836.436 Euro für Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten angefallen. "Es wird derzeit aber rechtlich geprüft, ob und welcher Betrag davon im Rahmen der Gewährleistung vom Hersteller zurückgefordert werden kann", heißt es weiter in dem Bericht.

Doch von vorne: Vor gut zwei Monaten machten die Bewohner des Flüchtlingsheims am Alten Flugplatz in Bonames mit Protesten auf die Zustände in ihren Unterkünften aufmerksam. Sie klagten über Enge, über Krätze, fehlendes Warmwasser, eine mangelnde Stromversorgung und undichte Dächer. Doch die Stadt reagierte nicht. Im Gegenteil. Die Situation erreichte einen neuen Höhepunkt, nachdem das Sozialdezernat den Strom abstellen ließ, um die Bewohner zu bewegen, ihre selbst installierten Kochplatten in den Appartements abzubauen - ein Elektriker hatte akute Brandgefahr festgestellt. Mittlerweile gibt es wieder Strom.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames: Zahl der Bewohner wurde reduziert

Und die Stadt hat auch weiter auf die Missstände reagiert, die sie mit einer "intensiven Nutzung" erklärt, worunter die Bausubstanz gelitten hat. So wurde etwa die Zahl der Bewohner reduziert. "Drei Familien wurden im Zuge des Konflikts eine Kündigung ausgesprochen", heißt es in dem Magistratsbericht. Und weiter: "Sie wurden in eine andere Unterkunft verlegt."

Statt 330 Menschen leben in der Anlage in Bonames nun noch 270 Flüchtlinge. Dadurch hergebe sich "eine weniger starke Belastung" des Stromnetzes. Zudem könnten nun 16 Wohnräume zu Gemeinschaftsküchen umfunktioniert werden. Durch die Installation von neuen Boilern sei nun auch die Versorgung mit warmen Wasser wieder gewährleistet. Das undichte Dach werde derzeit repariert. Auch die Hygienemängel konnten beseitigt werden. Fälle von Krätze gebe es keine mehr.

Frankfurt: Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Bonames bei Wohnungssuche unterstützen

Die Flüchtlingsunterkunft Bonames wurde 2016 errichtet. Sie sollte zunächst nur bis 2018 existieren, wurde also von vorneherein nur für eine temporäre Nutzung ausgelegt. Doch die Nutzung wurde um drei Jahre verlängert. Ende 2021 soll dann aber wirklich Schluss sein.

"Für die verbleibenden Bewohner wird in Abstimmung mit den relevanten Fachämtern intensiv nach Ersatzflächen beziehungsweise -gebäuden gesucht", ist in dem Magistratsbericht zu lesen. "Außerdem werden die Familien bei der Wohnungssuche unterstützt."

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