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Als Bili (11) im November 2018 in Wuppertal ankam, hatte er es schwer. Mittlerweile haben ihn die Tiere der Gruppe aber akzeptiert. 

Einstiger Prügelknabe 

Nach Umzug und schwerer Zeit: Bili ist endlich glücklich

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Bonobo-Junge Bili musste viel Unglück erfahren nach seinem Umzug von Frankfurt nach Wuppertal. Inzwischen ist er aber ein richtiger „Wuppertaler Junge“.

Frankfurt/Wuppertal -  Es war ein schwerer Start: Bonobo-Junge Bili, in Frankfurt von Hand aufgezogen, musste nach seinem Umzug in den Zoo Wuppertal viel Prügel einstecken. Er war allein, hatte keine Mutter, die ihn verteidigte, er kam in eine fest gefügte Gruppe und hatte auch nicht die Courage, sich zu verteidigen und Respekt zu verschaffen.

Inzwischen geht es ihm besser. Die Affen haben sich angefreundet, so die gute Nachricht aus Wuppertal. "Er ist in der Gruppe akzeptiert", sagt Dr. Arne Lawrenz, Tierarzt und Direktor im Wuppertaler Zoo. Er ist eines von sechs erwachsenen Tieren in einer Gruppe von drei Männchen und drei Weibchen. "Berogo (51) und Marto (35) sind inzwischen seine Freunde", sagt Lawrenz, die drei Jungs unterstützten sich gegenseitig. Von Eifersucht keine Spur. Auch dann nicht, wenn Bili das Strohlager teilt mit einem oder mehreren Weibchen. Die Damen heißen Akena, Maleblu und Kitchele. Wilde Nächte - "das ist bei Bonobos völlig normal", sagt Lawrenz, "und Bili ist Teil der Gruppe".

Bonobo-Junge Bili hat es nach dem Umzug von Frankfurt nach Wuppertal schwer 

Seiner Gruppe, muss man sagen. Denn es gibt noch eine zweite Gruppe, bestehend aus einem Weibchen und seinen Kindern. Zu denen hat Bili kaum Kontakt. Es waren Jungtiere, die ihm am Anfang das Leben schwer gemacht haben. Sie haben ihn geärgert, und wenn er sich wehrte, schrieen sie auf. Dann kam die Mutter und die anderen Gruppenmitglieder - und Bili bezog Prügel.

Inzwischen ist Zoodirektor Lawrenz zufrieden mit der Entwicklung des Affen. "Als er zu uns kam, hatte er gar kein Selbstbewusstsein. Er war devot, er wehrte sich nicht. Inzwischen wehrt er sich schon mal, er spielt auch viel mehr als früher, und seine Narben sind verheilt."

Zu seinen Narben zählten unter anderem ein angebissenes Ohr. Unter Affen geht es ähnlich wild und rücksichtslos zu, wie in einer Kindergruppe, wenn ein fremdes Kind völlig schutzlos hinzu kommt. Zumal Bonobos Schutz erfahren durch ihre Mütter. Und Bili hatte schon in Frankfurt keine Mutter, sondern ist von Menschen aufgezogen worden.

Bili ist jetzt elf Jahre alt. In der Natur, so Lawrenz, werden Bonobos 25 Jahre. "Das heißt, er ist ausgewachsen", so der Tierarzt. Und noch immer nicht so selbstbewusst wie die anderen Männchen in der Gruppe. "Ich würde mir wünschen, dass er noch ein bisschen mehr Mut findet", sagt Lawrenz. "Aber das ist wie bei den Menschen." Der eine so, der andere anders.

Bili ist seit November 2018 in Wuppertal.   

Von Thomas J. Schmitt

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