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Noch Tage und Wochen danach kündeten Blumengebinde und rote Öllampen von der Bluttat vor dem Rewe-Markt in Bornheim.

Freundin erstochen

Frankfurt: Mord am Supermarkt – Prozessbeginn im Fall um getötete 24-Jährige

  • vonMatthias Gerhart
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Zuvor hatte sie das Messer für ihren Lebensgefährten gekauft. Jetzt war der Prozessaufktakt.

Noch Tage und Wochen danach kündeten Blumengebinde und rote Öllampen von der Bluttat vor dem Rewe-Markt am alten Trambahndepot in der Heidestraße (Bornheim). Eine 24 Jahre alte Frau wurde am Abend des 10. Oktober 2019 das Opfer einer Messerattacke, für die ihr Lebensgefährte, ein heute 44-Jähriger, verantwortlich gewesen sein soll. Das Opfer versuchte noch zu fliehen, wurde dann allerdings von 35 Stichen am ganzen Körper getroffen und starb kurz danach im Krankenhaus. Der Mann, der sich selbst Stiche zugefügt hatte, kam ebenfalls in die Klinik, wo er bei seiner Entlassung festgenommen wurde.

Gestern wurde vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts der Prozess gegen ihn eröffnet. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Der Prozessbeginn gestaltete sich gemächlich - nach der Verlesung der Anklageschrift gingen die Verfahrensbeteiligten auch schon wieder auseinander. Der Verteidiger hatte zuvor noch kurz angedeutet, dass er heute (Donnerstag) namens seines Mandanten eine Erklärung abgeben werde. Danach will die von Richter Jörn Immerschmitt geleitete Kammer die ersten Zeugen vernehmen - die Mutter, den Bruder und die Vermieterin der Getöteten. Wie immer in solchen Beziehungstaten, soll das persönliche Umfeld der Beteiligten möglichst genau erforscht werden.

Offenbar war es nicht zuletzt der große Altersunterschied, der der Beziehung nicht guttat. Während die viel jüngere Partnerin beruflich "voll im Saft" stand und ein entsprechendes Selbstbewusstsein an den Tag legte, haperte es bei dem Mann eben daran. Eifersüchteleien waren die logische Folge. Kurz vor der Tat soll ihm die endgültige Trennung mitgeteilt worden sein. Nach den Ermittlungen ging es auch beim gemeinsamen Gang zum Einkaufen offenbar um die Zukunft der Beziehung. In dem Supermarkt wurde schließlich auch das Küchenmesser gekauft, mit dem die Frau wenige Augenblicke danach getötet wurde. Eine Videoaufzeichnung vom Kassenbereich des Rewe zeigt das Opfer, wie es das Messer auch noch bezahlte.

Zentraler Punkt bei der Aufklärung des Falles werden auch die Minuten unmittelbar vor der Messerattacke sein. Bislang habe es nicht zweifelsfrei festgestellt werden können, dass die Frau zum Zeitpunkt des Angriffs "arg- und wehrlos" war, so wie es der Mordparagraf zur Frage einer möglichen Heimtücke verlangt. Konsequenz daraus ist die Anklage, die auf vollendeten Totschlag lautet. Aber auch hier könnten bis zu 15 Jahre Haft herauskommen, in besonders schweren Fällen sogar eine lebenslange Haftstrafe. Denkbar ist auch eine Affekttat, die eine Verurteilung wegen Totschlags nach sich ziehen würde. Das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen wird deshalb mit Spannung erwartet, zumal dies auch Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit des Messerstechers haben könnte. Wurde er etwa von einem unbedachten Wort der Frau gereizt und zu der Tat verleitet? Es liegt also viel Aufklärungsarbeit vor den Richtern der Schwurgerichtskammer. Gleichwohl hoffen sie, dass der Prozess noch in diesem Monat abgeschlossen werden kann. Die Terminliste reicht bei vier Fortsetzungen bis zum 29. Oktober. (Von Matthias Gerhart)

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