Carsharing-Autos können an immer weniger Stellen geparkt werden  - eine Nebenwirkung des Ausbaus der Parkscheinzonen.
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Carsharing-Autos können an immer weniger Stellen geparkt werden - eine Nebenwirkung des Ausbaus der Parkscheinzonen.

Nicht gut für umweltfreundliche Mobilität

Frankfurt bremst das Carsharing aus

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Ausbau der Parkscheinzonen in der Stadt schränkt das Angebot für die Auto-Alternative stark ein

Frankfurt -Mit dem Ausbau der Parkscheinzonen bremst die Stadt die Verkehrswende ab. Das wird mit den ersten Erfahrungen mit den neuen Zonen klar. Nicht nur Pendler werden jetzt draußen gehalten, sondern auch umweltfreundliche Carsharing-Autos. Die günstigen Anwohnerparkzonen fördern in der Realität vor allem den Auto-Besitz.

38, 39, 40, 41: Das sind die Nummern der Anwohnerparkzonen, mit denen Bornheim 2020 flächendeckend überzogen wurde. Hier müssen Autofahrer meist von 7 bis 17 Uhr einen Parkschein ziehen. Das soll Pendler abschrecken: So will die Stadtregierung Verkehr reduzieren, die Luft sauberer machen und Dieselfahrverbote verhindern. Nach und nach soll das Parken in allen Stadtteilen innerhalb des Alleenrings und einigen mehr beschränkt werden.

Für Anwohner kein Problem: Für 50 Euro erhalten sie einen zwei Jahre gültigen Parkausweis. Der muss in der Regel auf ein Kennzeichen ausgestellt werden - sprich: Ein Anwohner muss ein Auto besitzen. Damit bleiben jedoch jene Bewohner außen vor, die umweltbewusst kein Auto besitzen und bloß Fahrzeuge des nicht stationsbasierten, "free floating" Carsharing nutzen.

Diese Autos müssen nicht zu einer festen Station zurückgefahren, sondern können irgendwo geparkt und angemietet werden. Zwei Anbieter gibt es in Frankfurt: "book-n-drive" mit 400 Cityflitzern im Rhein-Main-Gebiet sowie Share Now von BMW und Daimler mit 300 Fahrzeugen nur in der Stadt, bekannt durch seine weißen Smarts. Zu zwei Dritteln gehört "book-n-drive" der Stadt, denn die Wohnungsgesellschaft ABG und Mainova halten Anteile.

E-Autos gefordert, Ladesäulen fehlen

Anders als in anderen Städten können Kunden diese Autos in Frankfurt nicht in Parkscheinzonen parken. Dafür fehlt ein Vertrag mit der Stadt, mit dessen Hilfe die Anbieter pauschale Gebühren zahlen. Als massive Hürde haben die Stadtverordneten auf Druck der Grünen aber beschlossen, dass es einen solchen Vertrag nur gibt, wenn die Flotte aktuell zu drei Vierteln und ab 2024 rein aus Elektroautos besteht. Die frei verfügbaren Carsharing-Autos sind aber fast alle Verbrenner.

Die Folge: Jede weitere Parkscheinzone reduziert das Gebiet, in denen diese Wagen genutzt werden können. Wenngleich Hannes Schumann, Sprecher von Share Now, erklärt: "Der Entfall der Parkplatzflächen ist aktuell nicht spürbar." Kunden aus Bornheim schildern hingegen, seit Beginn der Parkscheinpflicht seltener Fahrzeuge zu finden. Share Now "evaluiere" derzeit, "wie wir auf die Entwicklungen in Frankfurt reagieren können", sagt Sprecher Schumann. Er betont: "Wir werden uns nicht aus Frankfurt zurückziehen."

Dass die Nutzer der 700 Carsharing-Autos nun ein Problem haben, dämmert auch Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). "Es ist erstmal nicht mehr möglich, dass sie das Auto einfach stehen lassen können." Den Anbietern stehe es natürlich frei, mit der Stadt einen Vertrag zu schließen. Dabei müssten sie jedoch die Elektro-Vorgabe der Stadtverordneten erfüllen - die nicht von ihm stamme, betont Oesterling.

"Carsharing ist Teil des Mobilitätspuzzles"

Ob eine realistische Übergangslösung möglich ist, bis die Flotten elektrifiziert sind? "Ich würde das begrüßen", sagt der Dezernent. "Aber das Parlament hat das anders beschlossen." Share Now reagiert auch gar nicht: "Aktuell ist eine Elektrifizierung in unserem Standort Frankfurt noch nicht vorgesehen", erklärt Hannes Schumann. Was hält die Firma ab? "Eine grundsätzliche und wesentliche Voraussetzung für vollelektrische Carsharing-Flotten in Städten ist eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur." Deren Ausbau bekommt die Stadt - zuständig ist Markus Franks (CDU) Wirtschaftsdezernat - seit Jahren nicht realisiert.

Damit gerät eine umweltfreundliche Mobilitätsform ins Hintertreffen: Jeder Carsharing-Kunde setze jährlich 290 Kilo CO2 weniger in die Atmosphäre frei als ein normaler Autofahrer, betont "book-n-drive" und beruft sich auf eine Schweizer Studie von 2006. Jedes ihrer Carsharing-Autos ersetze zehn bis zwölf private Wagen, erklärt der Anbieter auf Basis einer Kundenumfrage.

Carsharing gehöre zum umweltfreundlichen Mobilitätsmix, betont Verkehrsplanungsprofessorin Petra Schäfer von der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS). Das bestehe nicht nur aus Bahn, Bus und Fahrrad. "Carsharing ist ein ganz wichtiger Teil dieses Puzzles." Um Menschen zum Verzicht aufs eigene Auto zu bringen, müsse ihnen die Angst genommen werden, "dass ich nicht wegkomme", sagt Schäfer. Dafür sei auch Carsharing nötig, zum Beispiel wenn auf der gewünschten Strecke ein gutes ÖPNV-Angebot fehle. "Eine große Fülle von Angeboten bietet Flexibilität."

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