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Frankfurter Start-up braut ein Soli-Bier für die Ukraine

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Von: Sören Rabe

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Das Frankfurter Start-up Knärzje braut seit drei Jahren Bier aus alten Backwaren und zeigt sich nun solidarisch mit der Ukraine.

Frankfurt – Die Gwinnerstraße in Seckbach. Ein typisches Gewerbegebiet. Lastwagen rumpeln schwerfällig über die mit Löchern übersäte Straße. Überall dröhnt Baulärm. Ein bisschen weiter die Straße hinunter hängt an der Hausnummer 36 ein Schild mit der Aufschrift „Knärzje - das Endstück eines Brotlaibes“. Hier wird aus altem Brot Bier gebraut.

Wobei das nicht ganz richtig ist. Denn am Firmensitz wird nicht gebraut, das passiert im Bio-Brauhaus Bergmann in Glattbach bei Aschaffenburg. Auf Bio legt Daniel Anthes (35), Geschäftsführer und Gründer der Knärzje GmbH, wert. 2019 hat er das Start-up in Frankfurt gegründet, Trotz Corona-Pandemie konnte das Unternehmen wachsen. „Obwohl wir das Bier nicht launchen konnten, keine Events stattfanden, um unser Produkt zu präsentieren.“ Dennoch, ein starker Partner wurde mit der Bio-Kette Alnatura gefunden, die das Bier zuerst regional, mittlerweile sogar bundesweit anbietet. Rewe hat es ebenfalls regional gelistet, mit Penny ist ein weiterer Partner gefunden.

Daniel Anthes mit dem Soli-Bier für die Ukraine - es ist die alkoholfreie Variante.
Daniel Anthes mit dem Soli-Bier für die Ukraine - es ist die alkoholfreie Variante. © Enrico Sauda

Bier für Lebensmittelretter: Frankfurter Bier Knärzje wird aus altem Brot gebraut

Dass Daniel Anthes zum Bier gekommen ist, hat mit seinem Lebensweg zu tun. Seit 2010 engagiert er sich in der Lebensmittelrettung, hat Humangeographie und BWL in Mainz studiert, ist Food-Aktivist und Nachhaltigkeitsberater. Und irgendwann stellte er sich die Frage: Was tun mit dem alten Brot? In London wurde der Lebensmittelretter fündig. Er entdeckte 2010 das „Toast Ale“. Die Idee ließ ihn nicht mehr los.

Brot und Bier gehören in der Geschichte eng zusammen. Im Mittelalter hieß es: Heute back' ich, morgen brau' ich. Die Reste des Backens wurden beim Brauen verwertet. Nichts anderes macht auch Knärzje. Bis zu ein Viertel des Braumalzes wird durch überschüssiges oder rückläufiges Brot der Bäckerei Biokaiser ersetzt.

Wachsendes Start-up: Knärzje braut jetzt bis zu 20.000 Flaschen pro Sud

Angefangen hat es in Kooperation mit Braustil im Nordend, da wurden die ersten Sude produziert. Zusammen mit dem Braumeister wurde das Rezept verfeinert, bis es passte. Für Daniel Anthes war klar, dass der Geschmack den Mainstream treffen muss. Schließlich sollte das Bier ja auch gekauft werden. Offenbar ist das gut gelungen, denn mittlerweile werden bei einem Sud rund 20 Paletten, also 20.000 Flaschen à 0,33 Liter, produziert.

Neben dem obergärigen Brotbier wurde laut Anthes die Nachfrage nach einer alkoholfreien Variante immer größer. „In der Pandemie haben sich viele Menschen mit den Themen Nachhaltigkeit oder Gesundheit beschäftigt. Also haben wir uns an ein Alkoholfreies getraut.“ Es kommt gut an.

Frankfurter Hersteller verkauft Bier gegen den Ukraine-Krieg: Erlös geht an Nothilfe für Kinder

Allerdings gab es bei einem Sud ein Malheur. Die Etiketten fielen ab, die Flaschen konnten so nicht verkauft werden. Aus der Not machte Knärzje eine Tugend, ließ neue Etiketten in den Farben der Ukraine-Flagge drucken und auf die Flaschen kleben. „Natürlich sind auch wir schockiert von dem brutalen Angriffskrieg Putins und betroffen von den Bildern, die wir in den Medien sehen.

Da wir es uns als Start-up leider nicht leisten können, einfach so einen größeren Geldbetrag zu spenden und eine Bierspende natürlich auch nicht wirklich sinnvoll ist, haben wir nach Alternativen gesucht. Und dann kam mir beim Blick ins Lager und den vielen aussortierten Knärzje Alkoholfrei-Flaschen die Idee – vielleicht können wir ja das eine mit dem anderen verbinden und so eine Aktion für den guten Zweck starten“, erläutert Daniel Anthes.

Der komplette Erlös aus dem Verkauf des Soli-Biers soll der Unicef-Nothilfe für Kinder in der Ukraine zugutekommen. Rund 1500 Euro sind so bereits zusammengekommen. An der Zukunft wird weiter gearbeitet, zurzeit wird mit zwei Investoren verhandelt, um das Unternehmen breiter aufzustellen, weitere Partner sind willkommen. Und wie es schmeckt? Am besten selbst probieren und sich auf ein roggenbrotmalziges, leicht trübes und sehr süffiges Bier freuen. (Sören Rabe)

Das hr-fernsehen zeigt die Sendung „Zero Food Waste - nachhaltiges Bier aus altem Brot“ am Dienstag, 10. Mai, um 20.15 Uhr. In der ARD-Mediathek ist der Film jederzeit zu sehen. Weitere Informationen zum Start-up gibt es im Internet unter www.knaerzje.de.

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