Markierungen zeugen von der Bauuntersuchung. Früher strömten täglich Tausende über die Fußgängerbrücke.
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Markierungen zeugen von der Bauuntersuchung. Früher strömten täglich Tausende über die Fußgängerbrücke.

Marodes Bauwerk

Stadt reißt einsturzgefährdete Brücke ab – diese Änderungen stehen an

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
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In Frankfurt wird eine marode Brücke abgerissen. Wann die Bautrupps anrücken und was sich ändern wird.

Frankfurt – Die Fußgängerbrücke, die vom Höchster Bahnhof und Busbahnhof über die Leunastraße / Liederbacher Straße zum Industriepark Höchst führt und über die in Jahrzehnten Generationen von Rotfabrikern gelaufen sind, wird abgerissen. Die Brücke ist marode, ihre Standsicherheit hat sich nach Angaben der Stadt in den vergangenen Jahren verschlechtert. So habe sich der Brückenüberbau nach einem Bericht des Magistrats „infolge von Temperaturveränderungen der letzten Jahre sichtbar aus der Brückenachse verschoben“. Damit sei die Gefahr gestiegen, dass Brückenteile von ihrem Lager auf den Säulen rutschen und absacken.

Die Fußgängerbrücke über dem Leunakreisel, der schon seit Jahrzehnten kein Kreisel mehr ist, sondern eine von der Verkehrsführung komplizierte Kreuzung, hätte spätestens beim Bau der Trassenführung der Regionaltangente West (RTW) vom Höchster Bahndamm über die Leunastraße zur Leunabrücke abgerissen werden müssen. Nun wird sie allerdings wohl schneller abgebaut als noch vor Kurzem gedacht: Der Abriss der Fußgängerbrücke ist für die ersten drei Wochen der hessischen Sommerferien geplant. Die Ferien beginnen im kommenden Jahr am 25. Juli.

Brücke in Frankfurt wird abgerissen: Kreisel 72 Stunden lang komplett gesperrt

Nach Angaben des zuständigen Dezernants wird es nötig sein, den Leunakreisel zum Höhepunkt der Abrissarbeiten 72 Stunden komplett zu sperren. Diese Sperrung soll über ein Wochenende erfolgen, um die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten.

„Aufgrund der Baufälligkeit des Bauwerks gibt es für den Rückbau der Fußgängerbrücke keine Alternative“, heißt es im Magistratsbericht. Zwar könnte die Brücke für den Fußgängerverkehr gesperrt werden, doch sei damit die Gefahr nicht gebannt, dass sich der Brückenaufbau aus den Lagern löse und auf die darunter liegenden Fahrbahnen stürze. Weiter heißt es: „Eine Sperrung der Kreuzung über einen längeren Zeitraum wäre für die Verkehrssituation desaströs.“

Brücken-Abriss in Frankfurt: Bäume sollen schon im Februar fallen

Deshalb eilt es jetzt: Kurz vor Weihnachten hat der Magistrat eine Vorlage in den bürokratischen Gang eingebracht, mit der um die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung für die Fällung von Bäumen geworben wird, die vor dem Abriss der Brücke weichen müssen. Betroffen sind eine Hängebirke, zwei Birken und zwei Spitzahorne, die sehr dicht an der Brücke stehen.

Wenn ein Baum in Frankfurt gefällt wird, muss es Ersatz geben, und weil der Ersatz an Ort und Stelle nicht möglich ist, sollen die neuen Bäume zur Aufrechterhaltung der CO2-Bilanz an der Straßburger Straße in Goldstein gepflanzt werden. Gefällt werden sollen die Bäume an der Fußgängerbrücke noch vor Beginn der Vegetationszeit, bis kommenden Februar.

Wo jetzt zwischen dem Leunabunker und dem Treppenaufgang zur Brücke eine Hängebirke steht, soll nach den Plänen der RTW-Planungsgesellschaft eine Zufahrt zum Parkplatz der Infraserv-Ausbildungstochter Provadis gebaut werden. Über den Standort eines Spitzahorns, der direkt hinter einer Werbetafel an der Brücke steht, soll später ein Zweirichtungs-Radweg führen.

Brücken-Abriss in Frankfurt: Veränderungen für Fußgänger

Zwei Birken, die direkt am Widerlager der Brücke stehen, müssen weichen, um Platz für die Baumaschinen zu schaffen; außerdem führt die künftige RTW-Trasse über ihren derzeitigen Standort. Der letzte Baum, ein Spitzahorn, ragt jetzt schon mit seiner Krone über die Brücke; er steht an der Böschung des Liederbachs. Weil im Zuge der RTW-Bauarbeiten auch der Liederbach verlegt werden muss, stünde dieser Baum, mit einem Stammumfang von 141 Zentimetern der mächtigste, künftig im Bachbett.

Für den Fußgängerverkehr zum Industriepark bedeutet der Abriss der Brücke einschneidende Veränderungen: Zwar gibt es auf der Kreuzung Fußgängerampeln, doch muss man dort bei Rotlicht warten. Auch einige hundert Meter weiter ist erst vor kurzer Zeit der zweite „wartefreie“ Fußgängerzugang zum Industriepark gesperrt worden: Der Zugang zum Fußgängertunnel an der Hostatoschule war abgerissen worden, um Platz für den Erweiterungsbau der Schule zu schaffen. Der Tunnel existiert weiter, ist aber von dort aus nicht mehr zugänglich. Stattdessen gibt es einen Fußgängerüberweg mit Ampelsteuerung. (Holger Vonhof)

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