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Stau auf der Untermainbrücke in Richtung Schweizer Straße. Nach Ansicht vieler Sachsenhäuser ist das mittlerweile fast ein Dauerzustand. Verantwortlich machen sie dafür die Sperrung des Mainkais. 

Verkehrsausschuss

Lautstark gegen die Sperrung - Bürger fordern Wiederöffnung des Mainkais

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Weniger Verkehr in Sachsenhausen haben Aktive der dortigen Bürgerinitiative am Dienstagabend im Verkehrsausschuss gefordert. Erklärungen und Stellungnahmen von Stadtverordnete und Verkehrsdezernent unterbrachen sie immer wieder lautstark.

Frankfurt -  Ihre Forderung nach einem sofortigen Stopp des Verkehrsversuchs am Mainkai haben Aktive der Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich" erneuert. Mehr als 30 Unterstützer haben am Dienstagabend im Verkehrsausschuss teils lautstark und mit persönlichen Angriffen gegen SPD-Verkehrsdezernent Klaus Oesterling gegen die Sperrung der Uferstraße protestiert.

Mit dem nächste Woche anstehenden Urteilsspruch zum Dieselfahrverbot werde deutlich, wie wichtig die Luftreinhaltung sei, erinnert Jochem Heumann, Vorsitzender der Sachsenhäuser CDU. "Die sinnvollste und effektivste Maßnahme dafür wäre die Wiedereröffnung des Mainkais."

Er befürchtet noch mehr Verkehr in Sachsenhausen, wenn es zu Dieselfahrverboten in einzelnen Straßenabschnitten in der Innenstadt kommt. Denn durch die Mainkai-Sperrung rolle mehr Verkehr durch Berliner und Kurt-Schumacher-Straße. Würden für diese Bereiche Fahrverbote erlassen, drohe noch mehr Lastwagenverkehr durch Sachsenhausen zu fahren, "wo er gar nicht hin will", befürchtet Heumann. "Herr Oesterling, öffnen Sie den Mainkai in letzter Minute!"

Mainkai-Sperrung: Weitere Staus befürchtet

Dem Verkehrsdezernenten wirft der Bürger Klaus Jung vor: "Sie zerstören ein kleines Naherholungsgebiet am Schaumainkai", indem "dort eine Verkehrsader hingelegt wird". Über die Erhöhung der Parkgebühren in der City von drei auf vier Euro pro Stunde als Beitrag zur Luftreinhaltung "lacht die Welt". Und Jung fürchtet: "Permanenter Dauerstau droht auch in der Friedberger Landstraße." Nämlich dann, wenn dort im kommenden Jahr je Richtung ein Fahrstreifen wegfalle und zur Fahrradspur werde. Das zumindest will die Stadt umsetzen.

Als die Stadtverordneten den Bürger antworten, können sie das während der Ausschusssitzung oft nicht, ohne lautstark unterbrochen zu werden. "Lächerlich", rufen die Sachsenhäuser zum Beispiel dazwischen, und "Quatsch". CDU-Mann Heumann schimpft über Aussagen von Klaus Oesterling: "Das war doch dummes Zeug."

Der hatte unumwunden eingeräumt, dass es seine Politik sei, "den Autoverkehr und die Pendler aus der Stadt herauszudrängen und auf den öffentlichen Nahverkehr zu verweisen". Das sei zwecks Luftreinhaltung notwendig und besonders angesichts des drohenden Dieselfahrverbots. Als Klaus Oesterling über Pförtnerampeln sprechen will, unterbricht ihn ein erneuter Zwischenruf: "Wir sprechen doch über Sachsenhausen!"

Das tue auch er, betont der Verkehrsdezernent: "Den Autoverkehr muss man am Stadtrand reduzieren", die Pförtnerampeln seien aber zwischen den Koalitionären CDU, SPD und Grüne umstritten.

Mainkai-Sperrung: Ampel neu geschaltet

Außerdem steuere die Stadt nach: Die Ampelphase für die Linksabbieger an der Untermainbrücke sei um neun Sekunden verlängert worden, was je Stunde 250 Autos mehr durchlasse, so der Stadtrat. Dadurch habe sich der Stau auf der Brücke erheblich reduziert.

Natürlich wird es dabei erneut laut unter den Besuchern. Er schaue sich die Situation regelmäßig persönlich an, sagt Oesterling. So habe es um 16.30 Uhr am Dienstag beispielsweise keinen Stau gegeben in der Schweizer Straße. Wieder laute Zwischenrufe. "Katastrophe", klingt besonders deutlich. "Das ist eine Verhöhnung", ruft ein Besucher laut, schimpft: Am Schaumainkai "verkeilt" sich der Verkehr, "es sind einfach zu viele Autos".

Fast zur Randnotiz verkommt dabei eine sehr konkrete Kritik am Verkehrsdezernenten. Wann dieser denn die für die Zwischenbilanz nötige Verkehrszählung vorlegen werde, hakt FDP-Fraktionschefin Annette Rinn nach. "Im März" werde gezählt, antwortet Oesterling. Da ist der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Martin Daum, sauer: Immer wieder schiebe Oesterling das Vorlegen der Zahlen hinaus, habe sie zuletzt selbst für Mitte November angekündigt gehabt. Inzwischen habe die CDU-Fraktion schriftlich nachgefragt, die Reaktion: "Nichts."

Es gebe "widerstrebende Interessen", räumt Eugen Emmerling (SPD) ein. Diese müssten aber auf respektvolle Art und Weise diskutiert werden. Doch müsse die Stadt auch "endlich einmal anfangen", etwas beim Verkehr zu ändern. Wohl in eine ähnliche Richtung will ein Vertreter des Radentscheids argumentieren. Doch nach wenigen Sätzen fallen umsitzende Besucher ihm ins Wort, auch Jochem Heumann dreht sich um, ebenso BI-Initiator Herbert Schmoll. Von allen Seiten wird der Redner beschimpft.

Ausschusschef Wolfgang Siefert (Grüne) muss für Ruhe sorgen. Doch der Radentscheid-Vertreter hat genug. "Ich verzichte auf meinen Redebeitrag, denn hier ist mir die Stimmung zu aufgeheizt."

Besonders zwei Themen beschäftigten die Frankfurter im Jahr 2019: Ein umstrittenes Verkehrsexperiment und Mietärger mit der Vonovia. Ausgang: offen.

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