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Aktives Mitmachen ist gefragt: Hier am großen Luftbild wie auch an den Themen-Ständen erfahren die Bürger den Stand der Gutachten, können mit den Fachleuten direkt diskutieren und ihre Forderungen schriftlich hinterlassen. Weitere drei Info-Veranstaltungen sollen 2020 folgen. 

Nordwest-Stadtteil

Bürger stellen klare Forderungen zu neuem Frankfurter Stadtteil

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Der Streit um den neuen Stadtteil in Frankfurt, Nordwest, läuft weiter. Die Planungen schreiten dennoch voran. Nun stellen die Bürger klare Forderungen.

Frankfurt - Ungeachtet des Streits in der Region um den neuen Frankfurter Nordwest-Stadtteil hat die Stadt nun damit begonnen, die Bürger in die Basis-Planung einzubinden. Mehr als 300 Menschen haben am Mittwochabend bei der Auftakt-Veranstaltung sogleich Forderungen formuliert.

Skeptisch ist Stefan Ruppert an diesem Abend ins Planungsdezernat am Börneplatz gekommen. Erstmals werden hier die Bürger direkt über den Stand der Planung für den möglichen neuen Stadtteil im Nordwesten informiert. Ruppert wäre Nachbar der Neu-Frankfurter: Er wohnt in der Nordweststadt, ist hier im Verein „Brücke 71“ aktiv. Der sieht die Stadtteilplanung durchaus kritisch, fordert eine verträgliche Stadtentwicklung.

Frankfurt: Bürger an Planung von neuem Stadtteil Nordwest beteiligt

Die „Brücke 71“ ist an diesem Abend nicht bloß Gast. Sie stellt sich an einem eigenen Infostand vor. So wie es zu allen Aspekten der Planung jeweils einen Infostand gibt. Die Kritiker, erklärt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), würden ganz bewusst so direkt beteiligt. Auch die Oberurseler „Initiative Heimatboden“, die den Stadtteil rundweg ablehnt und auch per Menschenkette dagegen protestierte, sei ein Stand angeboten worden, sagt Gellert. Die Initiative habe aber abgesagt.

Dass die „Brücke 71“ sich und ihre Meinung selbst präsentieren, freut Stefan Ruppert und seine Mitstreiter. Sie hoffen, dass ihre Einbindung kein Feigenblatt ist. „Es ist wichtig“, sagt Ruppert, „dass die Beteiligung der Bürger nicht nur der Beteiligung wegen erfolgt.“ Sondern am Ende die Bevölkerung die Planung mitbestimmt.

Frankfurt: Bürger in Planung von neuem Stadtteil involviert, um Fehler zu vermeiden

Genau das wolle er, beteuert Dezernent Josef vor mehr als 300 Besuchern. „Wir wollen Fehler vermeiden, deshalb lassen wir uns jetzt Zeit.“ Nach der Auftaktveranstaltung soll es 2020 drei weitere Dialog-Veranstaltungen in den angrenzenden Stadtteilen geben. Dabei sollten Kritik und Ideen der Bürger gesammelt und mit Fachleuten diskutiert werden. Am Ende werde sich zeigen, ob und wie der Nordwest-Stadtteil beiderseits der A5 realisierbar ist.

Die Notwendigkeit, dass Frankfurt bis 2030 rund 90.000 Wohnungen fehlen, erfahren die Bürger. „Wir haben einfach Wohnungsnot“, sagt Mike Josef. Ebenso, dass der Bedarf zu 60 Prozent durch „Innenentwicklung“ - zum Beispiel das Aufstocken ganzer Mehrfamilienhaussiedlungen - gedeckt werden kann. 

Frankfurt: Bürger informieren sich über Planung zu Nordwest

Eine Stunde lang können die Bürger an den Infoständen mit Experten über deren Gutachten sprechen, die Grundlage der Planung sind. Demnach soll zwischen Praunheim, Nordweststadt und Niederursel sowie Steinbach und Oberursel kein kompakter Stadtteil für 30.000 Einwohner entstehen. Sondern mehrere Quartiere.

Am Stand zum Thema Klima beantwortet Uwe Wahl vom Stadtplanungsamt Fragen. Eine Karte zeigt das Untersuchungsergebnis, wie die Kaltluft abends um 23 Uhr über die Felder in angrenzende Stadtteile strömt. Was die Karte darunter zeigt, fragt ein älterer Herr nach. „Das sind die Bereiche, die wir freihalten sollten“, erklärt Wahl. Sie verlaufen genau dort, wo die Kaltluft entlang strömt - durch die beiden Bachtäler und eine Y-förmige Mulde.

Neuer Stadtteil in Frankfurt: Widerstand der Bürger

Dass das Stadtparlament die Machbarkeitsuntersuchung unabhängig vom aktuellen Widerstand aus der Region beauftragt hat, daran erinnert Stadtrat Josef. Dass man heute anders als noch beim Riedberg („Ein Kind der Neunzigerjahre“) herangehe, erklärt Stadtplanungsamtschef Martin Hunscher. Dass Wohnen und Arbeiten möglich werden sollten und besondere Augenmerke auf Verkehr und Klimaschutz lägen. „Das kann kein vollgepflasterter Siedlungsraum werden.“

Als Moderatorin Anna Pohling die Einführung abmoderiert, schnellen drei, vier Hände nach oben. Sie lässt sich davon nicht beirren. Dass nicht im Großen diskutiert wird, missfällt einer Frau, die das Vorhaben grundlegend ablehnt. Auch Stadtverordneter Eyup Yilmaz (Linke) schimpft laut.

Frankfurt: Bürger stellen Forderung zu neuem Stadtteil

Derweil diskutieren die Bürger längst an den Infoständen mit den Fachleuten. So wie Jannis Hübner aus Bockenheim: „Ist auch diskutiert worden, den Stadtteil komplett autofrei zu machen?“ Zumindest sei das Ziel, einen sehr hohen Anteil von 50 Prozent öffentlichen Nahverkehr und nur 20 Prozent Autoverkehr vorzusehen, erklärt Fachplaner Thomas Weissenberger. 

Wie die Autos denn fahren sollten, will Gertrud Esser aus der benachbarten Praunheimer Siedlung Ebelfeld wissen. Auch über die Ludwig-Landmann-Straße, erklärt Weissenberger. „Die kann keinen zusätzlichen Verkehr aufnehmen“, findet Esser, der Autoverkehrsanteil solle besser nicht 20, sondern null Prozent betragen.

„Schreiben Sie das auf", ermutigt Verkehrsplaner Weissenberger, zeigt auf die Pinnwand direkt daneben. Gertrud Esser nimmt sich Zettel und Stift, schreibt und heftet ihre Forderung an die Wand: „Stadtteil autofrei“.

Der neue Stadtteil in Frankfurt an der A5 hat zu einem Machtkampf in der CDU geführt - nun mischt sich die SPD ein.

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