Sissi Hajtmanek, Christiane Martin, Petra Kielmann und Diana Gelszinnis (von links). Sie wollen den Grüngürtel gegen weitere Bebauung sichern.
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Die Gesichter der Bürgerinitiative gegen das Gewerbegebiet: Sissi Hajtmanek, Christiane Martin, Petra Kielmann und Diana Gelszinnis (von links). Sie wollen den Grüngürtel gegen weitere Bebauung sichern.

Grüngürtel an Züricher Straße

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Gewerbegebiets-Pläne der Stadt Frankfurt

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Eine Frankfurter Bürgerinitiative will das geplante Gewerbegebiet in Nieder-Eschbach verhindern und warnt vor unnötigem Eingriff in die Natur. Doch der Stadt fehlt Gewerbefläche.

Frankfurt – Die Bürgerinitiative (BI) „Nieder-Eschbach wehrt sich“ ist Dauergast im Rathaus Römer. „Wir waren auf fast allen Ausschuss-Sitzungen“, sagt Diana Gelszinnis, eine der Aktiven. Auch jetzt war sie mit Gleichgesinnten am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss. Sie wehren sich gegen das mögliche Gewerbegebiet in Nieder-Eschbach. Seine Errichtung wäre verbunden mit Eingriffen in den Grüngürtel.

Frankfurt fehlen Gewerbegebiete: Bürgerinitiative ist trotzdem dagegen

Bürgermeister Uwe Becker (CDU) erwiderte am Dienstag, dass derzeit nur Vorprüfungen liefen: „Es geht nicht um die Frage, wie gebaut wird, sondern erst einmal darum, ob gebaut werden soll.“ Die FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn ergänzte: „Nicht alles, was geprüft wird, kommt auch.“ Der Stadtverordnete Uwe Paulsen (Grüne) sprach von einem „klassischen Zielkonflikt“. Er habe Verständnis für die Sorgen der Menschen in Nieder-Eschbach. Doch in Frankfurt fehlten Gewerbeflächen. Michael Müller (Linke) prophezeite, bis zur Kommunalwahl im März werde keine Entscheidung über das Gewerbegebiet fallen. In ihrer Plenarsitzung am heutigen Donnerstag werden die Frankfurter Stadtverordneten dazu voraussichtlich keinen Beschluss fassen.

Da waren unheimlich viele Menschen. Ein Gewerbegebiet an der Züricher Straße neben dem Ikea zu bauen, das trifft hier wirklich einen Nerv.

Christiane Martin

Die BI mischt die Politik im Römer also gehörig auf. „Wir haben schon Äpfel einer ganz alten Sorte verteilt“, berichtet Petra Kielmann. Auch ein Malwettbewerb von Nieder-Eschbacher Kindern zählt zu den Aktivitäten der Interessengemeinschaft. Dabei steht sie noch ganz am Anfang.

Bürgerinitiative aus Frankfurt demonstriert gegen Gewerbegebiet an Züricher Straße

„Wir sind, wie viele Nieder-Eschbacher, am 4. September zur Demonstration gekommen, die der Ortsbeirat angeregt hatte“, sagt Christiane Martin. „Da waren unheimlich viele Menschen. Ein Gewerbegebiet an der Züricher Straße neben dem Ikea zu bauen, das trifft hier wirklich einen Nerv.“ Etwa 80 Leute haben sich für die Gründung der Bürgerinitiative ausgesprochen. Sissi Hajtmanek: „Nieder-Eschbach ist ja ein Dorf. Jeder kennt jeden.“

Sissi Hajtmanek, Christiane Martin, Diana Gelszinnis und Petra Kielmann (von links) auf dem freien Feld, das einem Gewerbegebiet weichen soll.

Wie berichtet, prüft der Magistrat der Stadt die Fläche zwischen der Homburger Landstraße und der Züricher Straße für ein mögliches Gewerbegebiet. Im Ortsbeirat 15, der von den Plänen überrascht wurde, trifft dies auf einhelligen Widerspruch. Bürger begannen bei der Demonstration, ihre BI zu gründen.

Frankfurter Bürgerinitiative erfährt Zuspruch

Es sind viele Aktive. Die Journalistin Sissi Hajtmanek, die beiden Juristinnen Christiane Martin und Petra Kielmann und die Personalentwicklerin Diana Gelszinnis bilden eine Art Kopf der BI. „Wir haben schon eine Homepage, sie wird freigeschaltet, sobald wir als Verein registriert sind“, sagt Christiane Martin. Bislang finden sie durchaus Zuspruch. Der SPD-Stadtverordnete Sieghard Pawlik war schon in Nieder-Eschbach, um sich die Felder, aber auch leere Gewerbeflächen anzusehen. „Es steht so viel leer“, sagt Kielmann, „vielleicht wird es mit Corona noch mehr werden. Man könnte diese Flächen aktivieren, ohne neu Land zu versiegeln.“

Eine Möglichkeit wäre etwa, für die Gewerbesteuer auf solchen Flächen einen niedrigeren Hebesatz zu verlangen. Bislang ist dies nicht möglich, denn das Bundesrecht steht dagegen. „Das müsste man ändern.“ Alternativlos sei das neue Gewerbegebiet also nicht. Es stehe jedoch vieles dagegen. Aus Sicht der BI ist Nieder-Eschbach schon jetzt über Gebühr belastet mit Verkehr - für die vier neuen geplanten Wohngebiete in und um Nieder-Eschbach fehle bis heute ein Verkehrskonzept - und das Gebiet an der Homburger Landstraße sei für das Klima wichtig. „Es fällt bei uns nachweislich weniger Regen als im drei Kilometer entfernten Nieder-Erlenbach“, sagt Kielmann. „Das Gelände ist ein Kaltluftentstehungsgebiet, und das brauchen wir weiterhin dringend!“

Gewerbegebiet im Norden Frankfurts: Grüngürtel soll ausgeweitet werden

Im September hat Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), angekündigt, dass das Gewerbegebiet, wenn es kommt, nicht die gesamte Fläche einnehmen werde und zudem - im Gegenzug - der Grüngürtel ausgeweitet werde. Petra Kielmann hält das für Unsinn: „Die Ausweitung des Grüngürtels steht doch schon in der Koalitionsvereinbarung. Es ist nicht daran geknüpft, dass ein Gewerbegebiet entsteht.“

Die vier Frauen und ihre Ehemänner, Kinder, Nachbarn und Freunde wollen weiterkämpfen. Im Ort finden sie viel Unterstützung. Unternehmen wie "The Handmakers" in der Homburger Landstraße stellen ihnen Räume für die Treffen zur Verfügung. (Thomas J. Schmidt) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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