Corona

Frankfurt: Bürokratie bremst Hundetrainerin aus

  • Michael Forst
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Durchs Homeoffice legen sich viele ein Tier zu, aber Orte fürs Training fehlen. In Sossenheim erzähl eine Tierfreundin, was das für Auswirkungen hat.

In ihren früheren Hundeleben haben Wilma und Loriot Schlimmes erlebt - doch wie die beiden dieser Tage an der Leine durch das sonnenbeschienene Sossenheimer Unterfeld tollen, könnten die beiden Mischlinge nicht glücklicher wirken. Dafür aber plagen ihr Frauchen Sorgen und schlaflose Nächte: Denn Yvonne Hampel, ihres Zeichens Hundetrainerin, hat ein Problem: Es fehlt ihr schlicht an Trainingsorten, um Hundehalter bei der Erziehung ihrer Vierbeiner zu unterstützen - und das nicht erst seit Corona.

Als Grund nennt die Sossenheimerin bürokratische Hürden: "Für die Genehmigung eines Trainingsplatzes gibt es gerade in Frankfurt unzählige Vorschriften, die eingehalten werden müssen", klagt sie. Neben der Einhaltung des Lärmschutzes sei die große Crux, dass das Übungsgelände in einem Gewerbegebiet liegen müsse. Dort wiederum gibt es allerdings selten die für das Hundetraining geeigneten Wiesen.

Im Alltag muss sich der Hund bewähren

"Außerdem ist es für einen Hund, der im Alltag funktionieren soll, wichtig, richtiges Verhalten dort zu lernen, wo es drauf ankommt", erklärt Hampel: "Etwa in Parks oder auf öffentlichen Wiesen, wo ich ihnen beispielsweise beibringen kann, nicht zu Kindern oder anderen Spaziergängern zu laufen." Denn wo, so fragt die Frau, die im Monat etwa 150 Vierbeiner betreut, lerne der Hund am besten, ein umwelt- und alltagssicherer Begleiter zu werden, als im "echten" Leben und unter realen Bedingungen?

Doch auch dies sei in Frankfurt leider untersagt. "Denn auf allen öffentlichen Flächen, die dem Grünflächenamt gehören, ist die gewerbliche Nutzung verboten", stellt sie ernüchtert fest. Ausnahmen gebe es für Hundevereine oder die Ausbildung von Blindenführhunden. Warum hier unterschieden werde, könne sie nicht verstehen.

"Besitzern wird es schwer gemacht"

Dabei, so argumentiert sie, läge die Erziehung von Hunden doch im öffentlichen Interesse. Schließlich profitiere jeder davon, dass Fiffi, Hasso und Co. auf Rufen zurückkommen, fremde Menschen nicht anspringen und im Restaurant entspannt und ruhig unter dem Tisch liegen. Sie ist überzeugt: "Angriffe oder uneinsichtiges Verhalten ließen sich deutlich verringern, wenn man es Hundeschulen und willigen Besitzern nicht so schwer machen würde, ihren Hund alltagstauglich zu erziehen und zu beschäftigen."

Habe sie sich in den vergangenen Sommermonaten noch oft damit beholfen, auf das Umland auszuweichen, wo die Vorschriften nicht ganz so streng seien wie in Frankfurt, spitzt sich die Situation nun mit Beginn der kälteren Jahreszeit zu. "Wenn es in Strömen regnet oder eisige Temperaturen herrschen, macht es Sinn, das Training nach drinnen zu verlegen", sagt Hampel. Doch bisher ist ihre Suche nach einer Scheune, Halle, einem leerstehenden Gewächshaus oder einer überdachten Fläche erfolglos geblieben. "Ich habe zwar Angebote bekommen", erzählt sie - "aber 100 Quadratmeter für 10 000 Euro kann ich mir einfach nicht leisten."

In Ermangelung einer trockenen Trainingshalle wirft sie nun täglich einen sorgenvollen Blick gen Himmel und hört den Wetterbericht. Denn: "Stundenlang im Dauerregen mit den Tieren zu üben, macht keinen Spaß." Das wolle sie weder den Hunden noch ihren Frauchen und Herrchen zumuten - und sage dann lieber das Training ab.

Und Corona? Grundsätzlich sorgen das Arbeiten zu Hause und die damit verbundene Zeit und Nähe zum tierischen Hausgenossen dafür, dass Hunde stärker denn je im Trend liegen. "Wir erleben einen richtigen Boom, der mir auch viele neue Kunden beschert hat", sagt Yvonne Hampel. "So viele Welpen wie jetzt gab es noch nie."

Aber schon den Lockdown von März bis Mai zu überbrücken, sei hart gewesen. Sie habe zwar auf Online-Training umgestellt, aber nicht alle Kunden hätten das sofort angenommen. Immerhin machten die virtuellen Übungsstunden ihre eigenen Hunde Wilma und Loriot zu gefragten Modellen vor der Kamera.

"Ich habe alle Übungen für die Stunden mit den beiden gefilmt", erzählt sie. Und mit ihrer neuen Rolle als "Videostars" fühlten sich die beiden gleich pudelwohl. Michael Forst

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