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Schick gemacht mit Anzug und Abendkleid tanzen diese Schüler auf ihrem Abi-Ball in einer Turnhalle. Der Trend geht jedoch zu großen Festsälen.

Abi-Bälle

Buffet, Cocktailbar und große Festsäle: So feiern die Frankfurter Schüler ihr Abitur

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Viele Schüler feiern an diesem Wochenende ihren Abi-Ball. Eine große Party in einem tollen Saal soll's sein. Die kostet aber auch einiges.

Frankfurt- Der Abi-Ball ist meist die erste große schicke Feier im Leben eines Jugendlichen. Mit ihm wird das Ende eines Lebensabschnitts gefeiert, bevor ein neuer beginnt. Schon Monate vorher beginnt die Planung. Die Schüler setzen sich in sogenannten Abi-Ball-Komitees zusammen, suchen einen passenden Saal, planen das Programm, die Musik und organisieren Speisen und Getränke.

Schüler sammeln Spenden

Wo früher noch in der Turnhalle oder Aula zu Songs vom Band und in irgendeinem Kleid oder Sakko getanzt wurde, geht der Trend heutzutage zur extravaganten Abendveranstaltung. Große Säle werden gebucht, Essen vom Caterer bestellt, ein DJ oder eine Band sorgt für die passende Stimmung. Die Schüler tragen feierliche Abendroben. "Das hat in den letzten Jahren schon alles zugenommen", sagt Liddy Krutsch (18) von der Wöhlerschule. Heute ist ihr Abi-Ball, sie hat bei der Organisation geholfen.

Das Gymnasium hat, wie in den Jahren davor, den Saalbau Bornheim gemietet - 32 Euro kostet ein Ticket. Etwa 450 Karten wurden verkauft. "Jeder darf noch vier Begleitpersonen mitnehmen", sagt Liddy. Wer sich die Karte nicht leisten konnte, hatte die Möglichkeit, Unterstützung vom Förderverein zu bekommen. "Bei einer Schule, die im Dornbusch und in der Nähe vom Westend liegt, kommt das aber eher selten vor", sagt die Schülerin. Trotzdem seien die Preise für Abi-Ball, Abi-Buch und Abi-T-Shirt auch unter den Schülern ein Gesprächsthema gewesen. "Wenn man mal alles zusammen rechnet, kommt man schon auf 150 bis 200 Euro"

Auch Liddy und ihre Mitschüler wollten bei ihrem Ball ein paar Besonderheiten. Neben Essen vom Caterer gibt es einen DJ, eine Fotobox, eine Cocktail-Bar und einen professionellen Abi-Ball-Fotografen. Einen Teil der Kosten übernehmen die Schule und die Stadt, der Rest muss mit Kartenverkauf und Spenden der Eltern abgedeckt werden. Um sich noch etwas dazu zu verdienen, wurde Kuchen verkauft und auf dem Ball der vorherigen Stufe gekellnert.

Die Abiturienten der Liebigschule feiern ihren Ball am kommenden Mittwoch im Titus-Forum im Nordwestzentrum. Zum einen, weil dort fast 90 Prozent der Saalkosten von der Stadt übernommen werden. Zum anderen, weil es einfacher ist, als selbst alles in der Schulaula aufzubauen. "Dort haben wir einen Hausmeister, einen Techniker, und ich wollte auch nicht dort feiern, wo ich 13 Jahre zur Schule gegangen bin", sagt Henry Wagner (18) aus dem Abi-Ball-Komitee. Manche hätten das jedoch anders gesehen.

Kann sich nicht jeder leisten

Auf einen DJ wurde verzichtet. "Viele Schulen haben da schlechte Erfahrungen gemacht", sagt Henry. Die Musik kommt vom Laptop. Die Gema-Gebühren von 370 Euro zahlen die Schüler trotzdem. Am teuersten ist der Caterer mit etwa 9000 Euro. Er wird durch die Einnahmen der Eintritts-Karten bezahlt - 25 Euro pro Kopf.

Extravaganter feiern die Schüler der Anna-Schmidt-Schule. Gemietet wurde für Mittwoch das Gesellschaftshaus Palmengarten. Etwa fünf Bälle im Jahr werden dort regelmäßig gefeiert, wie Robert Mangold, der geschäftsführende Gesellschafter, sagt. Die Saalmiete orientiert sich an der Anzahl der Gäste und welcher Service gewünscht wird. "Bei 650 Personen und vollem Service entstehen Kosten von etwa 80 Euro pro Person", sagt er. Nicht nur Schulen aus Frankfurt, sondern auch aus der Region mieten das Gesellschaftshaus für ihre Bälle. Eine erfreuliche Entwicklung für Mangold. "Die Schüler feiern sich und ihre Schulen, das Abi, ihre Eltern, Geschwister und Freunde - und seit Jahren legt man besonders Wert auf eine entsprechende Ballgarderobe und Musik. Der Ball ist der Auftakt einer langen Nacht, die sich in der Regel nach dem offiziellen Teil gegen 1 Uhr in den Frankfurter Clubs fortsetzt."

Stadtelternbeirat Eckhard Gathof sieht das kritischer. Die oft zu teuren Karten seien "unzumutbar für nicht so finanzkräftige Familien". Ein Teil der Abiturienten werde so ausgeschlossen. "Es muss nicht immer schöner, besser und teurer sein, wenn Leute dabei auf der Strecke bleiben", findet Gathof. "Freitags bei ,Fridays for Future' auf der Straße und zum Abi-Ball ein Auto mieten, das passt nicht zusammen."

VON SVENJA WALLOCHA

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