Der Bunker an der Friedberger Anlage ist zugleich ein Mahnmal.
+
Der Bunker an der Friedberger Anlage ist zugleich ein Mahnmal.

Bundesbehörde will weitere Schutzanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg verkaufen

Frankfurt: Bunker gehören jetzt der Stadt

Die Stadt Frankfurt hat sechs Bunker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben für 2,1 Millionen Euro gekauft. Gestern wurden die Schlüssel symbolisch übergeben.

Im Februar hatte der Magistrat die Stadtverordnetenversammlung darüber informiert, dass er mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Verhandlungen über sechs Bunkeranlagen stehe. Gestern konnte die Schlüsselübergabe symbolisch im Garten des Bunkers in der Petterweilstraße erfolgen.

Es war ein zähes Ringen. Etwa neun Jahre hat es gedauert, bis die Stadt Frankfurt nach langen Verhandlungen dieses komplette Paket mit sechs Bunkern von der Bima kaufen konnte. Die ersten Hinweise auf diese Verhandlungen waren vor zwei Jahren öffentlich geworden. Bereits damals waren die Bunker in der Eppenhainer-/Josbacher Straße (Gallus), in der Petterweilstraße (Nordend), in der Goldsteinstraße (Schwanheim), der Küferstraße (Sindlingen), der Lassallestraße (Riederwald) und in der Friedberger Anlage (Nordend) genannt worden – die es nun auch offiziell sind. Wie Baudezernent Jan Schneider (CDU) gestern berichtete, wurden diese sechs Bunker, die in den Jahren 1940 bis 1942 gebaut wurden, für insgesamt 2,145 Millionen Euro von der Stadt Frankfurt übernommen.

Lange Verhandlungen

Die konkreten Verhandlungen mit der Bima hatten sich über fast zwei Jahre hingezogen, wobei bereits vor vier Jahren die ersten Gespräche über einen Kauf der Bunkeranlage in der Friedberger Anlage geführt worden waren. Dieser Bunker war von besonderer Bedeutung für die städtischen Gremien, da er auf den Grundmauern einer großen ehemaligen Synagoge gebaut wurde, die von den Nationalsozialisten niedergebrannt worden war.

Doch hatte die Bima von dieser historischen Bedeutung zunächst nichts wissen wollen und im Jahr 2012 einen Preis von 2,8 Millionen Euro allein dafür aufgerufen. Als Begründung für diesen stolzen Preis schlug die Immobilien-Organisation des Bundes den Bau von Wohnungen über dem Erdgeschoss vor. Im Erdgeschoss betreut die „Initiative 9. November“ bereits seit dem Jahr 1988 eine Ausstellung über das frühere jüdische Ostend. Gegen diesen Vorschlag hatte die jüdische Gemeinde Frankfurts mit heftigem Protest geantwortet.

„Mit dem Kauf der sechs Bunker konnten die bestehenden 38 Mietverträge für die Sport- und Kulturvereine sowie die Bands gesichert werden“, sagte nun Baudezernent Schneider. Allerdings müsse die Stadt voraussichtlich weitere drei Millionen Euro aufwenden, um alle Anforderungen des Brandschutzes zu erfüllen. Wegen des fehlenden Brandschutzes konnten die betroffenen Vereine und Gruppen in den vergangenen Jahren die Räume praktisch nicht mehr nutzen.

Jan Schneider wies darauf hin, dass mit Ausnahme der Immobilie in der Friedberger Anlage alle anderen Gebäude in einem „sehr schlechten baulichen Zustand“ seien. Drei der Bunker stehen zudem unter Denkmalschutz. Mit dem Kauf der sechs Bauten hat Frankfurt zugleich auch 11 554 Quadratmeter an Grundstücksflächen erworben.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sei letztlich dem Wunsch der Stadt Frankfurt nachgekommen, „die von ihr ausgewählten Bunker in einem Paket zu veräußern“, sagte der Leiter der Hauptstelle Verkauf der Bima, Claus Niebelschütz.

Sieben weitere Bunker

In Frankfurt hat die Umnutzung von Bunkern bereits Tradition. So wurde schon im Jahr 2006 der Bunker in der Schmickstraße im Osthafen mit einer großen hölzernen Box aufgestockt, da die Sanierung des undichten Walmdaches zu teuer gewesen wäre. In den beiden neuen Stockwerken sind Künstlerateliers und die Büros des Instituts für neue Medien eingezogen. Und in Griesheim wurden acht Reihenhäuser auf dem Dach eines Bunkers errichtet.

Die Bima kündigte außerdem an, dass sie in der Stadt sieben weitere Bunker verkaufen werde, von denen bereits Anfang 2017 die ersten drei auf den Markt kommen sollen. „Diese werden nach Marktpreisen vergeben werden“, kündigte Niebelschütz an – wohl auch, um allen Ideen und Wünschen nach reduzierten Preisen vorzubeugen. In Frankfurt gebe es eine „Faszination an dem Wohnungsbau in Bunkern“, sagte er. Daran wolle die Behörde verdienen. Mit der Stadt Frankfurt und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG sollen ebenfalls Gespräche über den Verkauf von zwei weiteren Bunkern geführt werden.

Der Abriss des Bunkers mitten in Frankfurt-Bornheim muss gestoppt werden. Bei einer Sprengung sind Probleme zutage getreten. Ein Anwohner beschwert sich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare