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Beschleunigt werden sollen Trams und Busse etwa an der Kreuzung Börneplatz, wo es zahlreiche Rückstaus gibt. 

In Frankfurt 

Bus und Tram sollen schneller werden - aber nur auf zwei Linien 

Bus und Tram sind in Frankfurt vergleichsweise langsam unterwegs. Jetzt soll eine teure Investition das Tempo steigern - aber nur auf zwei Linien. 

Frankfurt - Das Geld soll dafür sorgen, dass Bus und Tram künftig in Frankfurt schneller unterwegs sind. Die Politik feiert sich. Allerdings profitieren nur zwei Linien davon.

Damit die Luft in Frankfurt sauberer wird, müssen mehr Menschen in Busse und Bahnen umsteigen. Und damit die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver werden, sollen sie schneller und zuverlässiger fahren. Denn, das zeigen Erfahrungen anderer Städte: Gute Qualität ist den Fahrgästen wichtiger als ein niedriger Preis. 

Bus und Tram sind in Frankfurt zu langsam

In Frankfurt rollen Straßenbahnen und Busse jedoch recht lahm durch die Straßen. Auf nur 9 bis 15 Stundenkilometer kommt etwa die Buslinie 36 im Nordend - mit mehr als 10.000 Fahrgästen pro Tag eine der wichtigsten Linien in der Stadt.

Sechs der acht Straßenbahn- und 30 der gut 40 Buslinien haben laut Nahverkehrsplan nur „niedrige“ und „sehr niedrige“ Durchschnittsgeschwindigkeiten. Dies nannte der Plan schon 2006. Besser geworden ist es nicht. „Die Fahrzeiten beim Bus haben sich weiter verschlechtert“, räumt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) ein.

Frankfurt: Bus und Tram sollen schneller werden - wenig hat sich bis jetzt gebessert

Er hat sich im Sommer vom Stadtparlament grünes Licht geholt, um die Lage etwas zu verbessern: Für knapp 1,2 Millionen Euro sollen im kommenden Jahr die Buslinie 36 zwischen Bockenheim und Sachsenhausen sowie die Straßenbahn 12 zwischen Fechenheim und Schwanheim beschleunigt werden.

Besonders der 36er-Bus steht oft in Staus. Schlimm ist die Lage in der Kurt-Schumacher-Straße. Busspuren hatte die Stadt hier vor Jahren zwar nördlich der Rechneigrabenstraße gebaut, wodurch Busse am Stau vor der Kreuzung vorbeirollen können. Als die Stadt dort die Rest-Fahrspuren nach einem tödlichen Radfahrer-Unfall auf eine reduzierte, verlängerte sich der Stau. In dem steckt jetzt der Bus.

Schnelle Busse und Trams? Frankfurt hinkt hinterher

Deshalb würden nun auch zwischen Schöne Aussicht und Rechneigrabenstraße je eine Busspur pro Richtung eingerichtet, kündigt Oesterling an. Weitere seien in Prüfung, etwa in der Westerbachstraße in Sossenheim. Autoverkehr zurückzudrängen ist Ziel der Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Überall in der Stadt sollen demnächst auch Auto- und Radspuren umgewandelt werden.

Bei der Bus- und Tram-Beschleunigung war die Stadt einst besser aufgestellt: Mehr als 16 Millionen Euro flossen von 1991 an bis in die 2000er-Jahre in die Vorrangschaltungen. „Wir waren einmal Vorreiter“, so Oesterling. Andere seien heute „wesentlich weiter“.

Frankfurt: Bus und Tram sollen schneller werden - doch es gibt ein Problem

Beschleunigt unterwegs sind bisher die Straßenbahnlinien 11, 15, 16, 17, 18 und 21 sowie die Buslinien 32 und 34. Doch selbst auf diesen Strecken sinkt das Tempo seit Jahren wieder. „Die Signalanlagen sind teils abgängig“, erklärt Oesterling. Sprich: Die Ampeln sind zu alt.

So wird das aktuelle Vorhaben für die Linien 12 und 36 zwar unter der Überschrift „Sofortprogramm Saubere Luft“ verkauft. Tatsächlich werden erstmal nur „die Restanlagen“ umgestellt, die bisher noch nicht am Beschleunigungssystem hängen. Der Stadt steht damit im großen Stil der Austausch veralteter Technik bevor, um die wieder langsamer gewordenen oder erst recht die neuen Linien zu beschleunigen.

Aber warum macht die Stadt nicht mehr? Die „Zuschusslage“ nennt der Stadtrat als Grund. Das eine Milliarde Euro schwere Sonderprogramm läuft nur bis Ende 2020. Daraus schießt der Bund jetzt immerhin fast 590.000 Euro zu.

Frankfurt: Bus und Tram sollen schneller werden - erstes Zeitersparnis ist bekannt

In der Beschleunigung „steckt noch erhebliches Potenzial“, sagt Oesterling. Schließlich nutzen schnellere Busse und Trams nicht nur den Fahrgästen. Unterm Strich lassen sich auch Fahrzeuge und Fahrer einsparen, wenn Umlaufzeiten kürzer werden. „Beachtlich“ seien die Möglichkeiten - wie groß, werde der neue Nahverkehrsplan aufzeigen, so Oesterling. Den werde er bald im Entwurf vorlegen. Er bremst aber Hoffnungen: Die Planung von Beschleunigungsvorhaben sei „sehr arbeitsintensiv“, schließlich muss die Technik jeder Ampel zunächst begutachtet und geändert werden - teils samt benachbarter Ampeln, wenn diese kombiniert geschaltet sind, etwa für grüne Wellen.

Und das Ergebnis? Lediglich für den 36er-Bus nennt die Stadt Zahlen. Drei Minuten könne die Linie durch die Beschleunigung auf ihrem 11,5 Kilometer und 44 Minuten langem Weg sparen. Ergibt eine jährliche Ersparnis von immerhin 150.000 Euro. Was bedeutet: Berechnet auf die Gesamtkosten rechnet sich die Investition in gerade einmal rund vier Jahren.

Derzeit fahren die Busse in Frankfurt jedoch nicht langsam, sondern gar nicht. Die Busfahrer in Hessen streiken. Nun ist jedoch ein Ende des Bus-Streiks in Sicht.

Der Takt der Frankfurter Buslinie 34 wird nicht wie geplant ausgedünnt. Die Stadt setzt ihre ursprünglichen Pläne für den Fahrplanwechsel nicht um. Offenbar hatte es massive Beschwerden gegeben.

VON DENNIS PFEIFFER-GOLDMANN

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