Café Hauptwache in Frankfurt: Besitzer Sam Kamran
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Das Café Hauptwache in der Frankfurter Innenstadt eröffnet nach seiner Renovierung wieder.

Gastronomie

Steht das Café Hauptwache trotz Wiedereröffnung vor dem Aus? Sorge wegen Mietvertrag

  • vonSabine Schramek
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Das Café Hauptwache in Frankfurt wurde von innen renoviert und eröffnet nun wieder. Nur der Mietvertrag bereitet dem Besitzer derzeit Sorge.

Frankfurt - Kellner mit bordeaux-farbigen Blusen und Hemden wuseln lächelnd mit Tabletts voller Latte Macchiato, Cappuccino, frisch gebackenen Waffeln mit Schlagsahne und Frankfurter Kranz zu den Gästen auf der voll besetzten Terrasse des Café Hauptwache. Ganz hinten, direkt vor der Arkade, sitzt ein Mann mit schwarzem Vollbart, schwarzen Haaren, schwarzer Kleidung und roter Armbanduhr an dem einzigen Tisch mit gelben Stühlen. In der Hand hält er ein Handy mit gelber Hülle. Der Mann lacht. "Meine Mitarbeiter und Gäste sind total froh, dass wir wieder da sind." Sam Kamran (42) betreibt seit 18 Jahren das legendäre Café und Restaurant. "Den Umsatz habe ich seither versechsfacht", meint er beiläufig und winkt Stammgästen zu, die sich Grüne Soße mit Pellkartoffeln und Ei bestellt haben. "Vor Corona hatte ich hier 80 Mitarbeiter, jetzt nur noch 60, weil die Aushilfen weg sind", erzählt Kamran.

Café Hauptwache in Frankfurt: Renovierung des Innenbereichs

Seit Wochen wurde über das Café Hauptwache gemunkelt. "Es ist pleite. Schon vor Corona!!", "Der Besitzer ist auf und davon. Deshalb ist es geschlossen. Das habe ich letzte Woche bei einer Stadtführung erfahren", heißt es auf Facebook und auch einige Medien hatten berichtet, dass das Café insolvent sei.

Kamran schüttelt den Kopf. "Ich war in der Schweiz im Urlaub, alle Mieten sind bezahlt, von einer Insolvenz bin ich weit entfernt", stellt er klar und stöhnt leise über die Falschmeldungen. Zu Gerüchten, er habe oder wolle verkaufen, kommentiert er. "Völliger Quatsch. Im Gegenteil." In den vergangenen Wochen wurden die Wände in dem barocken Gebäude gestrichen. Von beige in strahlendes Neon-gelb. Riesige Fotos zeigen die Historie des ehemaligen Wachengebäudes, das 1730 erbaut, im 2. Weltkrieg zerstört und 1954 grob und 1968 originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Einst Sitz der Stadtwehr mit Gefängnis, wurde es 1905 zum Café. "Jetzt scheint hier drinnen auch im Winter die Sonne", sagt Kamran stolz und rückt einen grünen Farn zurecht. Der Bar-Tresen wird ebenfalls neongelb mit Leder.

Wiedereröffnung Café Hauptwache in Frankfurt: Entwicklung abgewartet

"Deswegen war lange geschlossen und auch, weil Touristen, Messegäste und Firmenmitarbeiter die meisten der Gäste ausmachen. Die einen gibt es zurzeit kaum oder gar nicht, die meisten anderen sitzen im Homeoffice. Wir wollten die Entwicklung abwarten", erklärt er. Den Gästen, die neugierig durch die Arkade gehen und in die Bar reinsehen, gefällt der neue Look. Ebenso wie die Preise auf der Karte. Sie wurden zwischen zehn und 30 Prozent gesenkt. 0,5 Liter Binding Pils kosten jetzt statt 6,90 Euro 4,80 Euro. Hauptgerichte sind ebenfalls im Schnitt zwei Euro günstiger. "Die Leute haben weniger Geld. Darauf muss man Rücksicht nehmen", so Kamran.

Eine "Unruhe der Ungewissheit" bereitet ihm der Mietvertrag, der bis Ende Oktober läuft. Das Gebäude gehört der Stadt. Pächter ist die Brauerei. Seit "Ewigkeiten" kontaktiere Kamran den Bau- und Immobiliendezernenten Jan Schneider (CDU). "Drei Jahre lang telefoniere ich ihm hinterher. Am Telefon hat er gesagt, er würde unterschreiben. Nichts ist passiert, er antwortet nicht." Günter Murr, Sprecher des Dezernenten, erklärt, dass die Stadt das Café Hauptwache an die Radeberger Gruppe verpachtet hat und diesen Vertrag jeweils um ein weiteres Jahr verlängere. "Herr Kamran hat einen Vertrag mit Radeberger", sagt Murr.

Gäste sind froh über Wiedereröffnung des Café Hauptwache in Frankfurt

Claudia Geisler, Sprecherin der Binding Brauerei, teilt auf Anfrage mit, dass "wir unsere Geschäftsbeziehungen auch aus Rücksicht auf unsere Vertragspartner grundsätzlich nicht kommentieren". Der Gastronom bleibt verunsichert. Kamran betreibt neben dem Café Hauptwache auch die Event Location "Mantis Roofgarden", das vegane und vegetarische "Fletcher's Better Burger" direkt darunter an der Katharinenpforte und die ebenfalls vegane "Pizzeria Montana" in der Weserstraße. "Sie sind alle noch zu. Events gibt es noch keine, also rechnet sich Fletcher's Better Burger noch nicht. Das Bahnhofsviertel ist voller Junkies. Da geht gerade gar nichts", so Kamran.

Das Café Hauptwache läuft. Auf der Terrasse fühlen sich die Gäste sichtlich wohl an den Marmortischen zwischen Olivenbäumen. Sie sind froh, bei Kaffee, Kuchen, Drinks das Treiben rund um die Hauptwache in der Sonne genießen zu können. (Von Sabine Schramek)

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