1964 erbaut, ist die Cassellabrücke längst in die Jahre gekommen. Bereits seit Juni 2019 darf die Fechenheimer Fuß- und Radwegbrücke über das Allessa-Gelände und die Hanauer Landstraße nicht mehr genutzt werden. foto: Andreas Haupt
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1964 erbaut, ist die Cassellabrücke längst in die Jahre gekommen. Bereits seit Juni 2019 darf die Fechenheimer Fuß- und Radwegbrücke über das Allessa-Gelände und die Hanauer Landstraße nicht mehr genutzt werden. foto: Andreas Haupt

Fechenheim

Frankfurt: Cassellabrücke soll bis Juni 2022 abgerissen werden

  • vonFriedrich Reinhardt
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Die Cassellabrücke in Frankfurt soll verschwinden. Der Neubau kann wohl nicht vor dem Jahr 2024 beginnen.

Frankfurt - Das Amt für Straßenbau und Erschließung hat nun die Abrissarbeiten für die Cassellabrücke ausgeschrieben. Bis August 2021 soll demnach der Abriss geplant werden, von September 2021 bis Juni 2022 die 760 Meter lange Brücke dann Stück für Stück zurückgebaut werden. In Fechenheim wird diese Nachricht unterschiedlich bewertet. Vor allem da "der Neubau bis 2024 nicht realistisch ist", wie Michaela Kraft, die Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE) auf Anfrage dieser Zeitung sagt.

"Wir sind froh, dass die Brücke überhaupt neu gebaut werden soll", sagt Ortsvorsteher Werner Skrypalle (SPD). "Kurz nachdem die Brücke gesperrt wurde, hat man ja diskutiert, ganz auf sie zu verzichten." Die Brücke wurde 1964 erbaut und war seit einiger Zeit in die Jahre gekommen. Seit Juni 2019 durfte die Fechenheimer Fuß- und Radwegbrücke über das Allessa-Gelände und die Hanauer Landstraße nicht mehr genutzt werden. Sie gilt als einsturzgefährdet. Für den Stadtteil war das ein herber Schlag.

Verbindung von Nord und Süd

Die Brücke hat eine entscheidende Bedeutung: Sie verbindet Fechenheim Nord und Süd, die durch Bahngleise und die Hanauer Landstraße getrennt werden. Diese Trennung hat sichtbare Folgen, sagt Quartiersmanagerin Leonore Vogt. "Bei Veranstaltungen im Norden kommen wenige Anwohner aus dem südlichen Teil und andersherum." Über einen Kilometer Umweg müssen die Fechenheimer derzeit ohne die Brücke in kauf nehmen. Deshalb hatte die Grünen-Fraktion im Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) noch im Dezember gefordert, die Brücke zu erhalten. Sie wieder instand zu setzen, wäre aber nicht wirtschaftlich, heißt es in den Ausschreibungsunterlagen. "Die prognostizierte Restnutzungsdauer der Brücke ist ausgeschöpft." Sprich: Zu marode ist die alte Lady.

Auch Stadtverordnete der Römerkoalition von SPD, CDU und Grüne hatten im Januar gefordert, "mit dem Neubau möglichst früher als im Jahr 2023/2024" zu beginnen. Dieses Zeitfenster sieht bisher das Brückenbauprogramm der Stadt Frankfurt für die Cassellabrücke vor. Mit Blick auf die geplanten Abrissarbeiten bis 2022 fragt nun Ortsbeiratsmitglied Sebastian Schugar (CDU), "Warum sollte man nicht so planen, dass nach dem Abriss direkt mit dem Neubau begonnen werden kann?"

Als Antwort verweist ASE-Chefin Michaela Kraft auf die schwierigen Bedingungen. Ihr Amt versuche, "mit dem Neubau so früh wie möglich beginnen zu können."

Aber: Während Abriss und Neubau müsse die Betriebs- und Arbeitssicherheit auf dem Allessa-Gelände erhalten bleiben. Dafür seien enge Absprachen erforderlich. Die Seveso-III-Richtlinie, die "schwere Unfälle mit gefährlichen Stoffen" verhüten soll, gilt für Allessa und müsse berücksichtigt werden, wenn die Cassella-brücke abgerissen und neugebaut wird.

Auch der Verkehr auf der vielbefahrenen Hanauer Landstraße soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Immerhin fährt dort auch die Straßenbahnlinie 11, die wichtigste Verbindung zwischen Fechenheim und der Frankfurter Innenstadt.

Außerdem, sagt Kraft: Gerade weil die Cassellabrücke so eine bedeutende Rolle spielt und an so prominenter Stelle steht, solle für die Brücke ein Gestaltungswettbewerb ausgeschrieben werden. Auch das kostet Zeit. "Aus diesen Aspekten ergibt sich unserer Einschätzung nach, dass ein Baubeginn für den Neubau der Brücke vor 2024 nicht realistisch ist."

Ortsbeiratsmitglied Detlef Stange (FDP) nennt dies "eine mittlere Katastrophe". Darin "zeige sich wiedereinmal, dass die östlichen Stadtteile benachteiligt werden". Die Bürger dort hätten lange warten müssen, bis die Wilhelmshöher Straße saniert wird oder die Turnhalle der Friedrich-Ebert-Schule. Da reihe sich die Cassella-brücke ein.

Von Friedrich Reinhardt

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