Martin Heipertz. foto: MaiK Reuß
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Martin Heipertz.

Querdenker

Frankfurt: CDU-Politiker Heipertz spricht bei Querdenker-Demo in Kassel

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Mit einer Rede über die Corona-Impfung hat der Unionspolitiker Martin Heipertz Kritik auf sich gezogen. Ein Video davon veröffentlichte er auf seiner persönlichen Internetseite sowie auf seinen Accounts in sozialen Netzwerken.

Frankfurt -Mit einem bemerkenswerten Bühnenauftritt bei der "Querdenker"-Demonstration am vergangenen Samstag in Kassel hat der Frankfurter CDU-Politiker Martin Heipertz (44) auf sich aufmerksam gemacht. Ein Video davon veröffentlichte er auf seiner persönlichen Internetseite sowie auf seinen Accounts in sozialen Netzwerken. Der Aufmarsch von rund 20 000 Corona-Leugnern, Verschwörungserzählern und Lockdown-Bekämpfern war in die Kritik geraten, weil die Auflagen der Stadt, etwa das verbindliche Tragen von Masken und Einhalten von ausreichend Abstand, missachtet wurden und gut dreimal mehr Teilnehmer gekommen waren als behördlich zugelassen.

"Namen des Herrn nicht missbrauchen"

Martin Heipertz war einer der 20 000. Auch er trug keine Maske, wie er auf Anfrage bestätigte. Angekündigt als "der Martin", leitete er seinen Auftritt mit Theatralik ein: "Ich bin zu euch gekommen, weil ich eine Botschaft habe." Er bekannte sich zu seiner langjährigen CDU-Mitgliedschaft, um sich nachfolgend abzugrenzen von der aktuellen Politik der CDU-geführten Bundes- und Landesregierungen. "Den Namen des Herrn sollen sie nicht für diese Politik missbrauchen", betonte Heipertz. Corona sei "eine Warnung". Das eigentliche Anliegen Heipertz' war seine Warnung vor der Impfung gegen das Coronavirus. Aus "moral-theologischen Gründen" seien die derzeit zugelassenen Impfstoffe abzulehnen, weil seiner Ansicht nach für deren Entwicklung zurückgegriffen worden sei auf eine Zelllinie, der die Körperzellen eines abgetriebenen Embryos zugrunde lägen.

Heipertz betonte, dass er kein Corona-Leugner und im Dezember vergangenen Jahres selbst an Covid-19 erkrankt gewesen sei.

In den sozialen Netzwerken muss Heipertz viel Kritik für seinen Auftritt einstecken. "Ich hoffe, dass Sie so viel Anstand besitzen, morgen aus der Politik zu verschwinden. Ihre religiösen Ansichten mögen für Sie wichtig sein, aber Sie sind da als CDU-Politiker aufgetreten", kommentiert auf Twitter ein User. Zwei andere fragen sich: "Ob das die CDU Frankfurt auch gut findet, was Sie zu sagen haben?" Und ein Dritter stellt die Frage: "Reden richtige Christen vor einem Mob von Corona-Leugnern und Holocaust-Verharmlosern?"

Martin Heipertz gab sich noch in Kassel aufrecht. Selbst wenn ihn die CDU für seine Ansicht und seinen Auftritt hinauswerfe, so würde sich an seiner Position nichts ändern. "Ich würde weitermachen und andere Wege gehen", sagte er öffentlich.

Gestern sprach er gegenüber dieser Zeitung von seiner großen Sorge vor der dritten Infektionswelle und seine noch weitaus größere vor möglicher Diskriminierung Ungeimpfter mit Einführung des grünen EU-Impfpasses. Kritik an seiner Demo-Teilnahme wies er zurück mit dem Hinweis, es dürfe keine "Kontaktschuld" geben.

Hatte er auf der Bühne in Kassel noch erklärt: "Ich bin als Christ gegen das Impfen", sagte er gestern gegenüber dieser Zeitung, kein grundsätzlicher Impfgegner zu sein. Schließlich sei er "durchgeimpft" gegen alle gängigen Infektionskrankheiten.

Entscheidung aus Respekt vor dem Leben

Sich zumindest vorerst nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen sei eine "Gewissensentscheidung aus Respekt vor dem Leben, auch dem ungeborenen". Als Oberstleutnant der Reserve sehe er sich nicht in einem Widerspruch zu seinem ethisch-moralischen Ansatz bei der Impf-Kritik. Der Dienst an der Waffe, so Heipertz, sei gerechtfertigt, wenn es um die Verteidigung "nach außen" ginge.

Martin Heipertz ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und Schriftsteller. Derzeit studiert er eigenen Angaben zufolge Theologie. Er war früher Büroleiter des einstigen Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) und ist seit 2014 Referatsleiter "Grundsatzfragen der europäischen Politik" mit Zuständigkeit unter anderem für den Brexit und Fragen zur Zukunft der Europäischen Union. Bis 2020 war er Mitglied der sogenannten Werte-Union, einem rechtskonservativen Flügel der CDU, gehörte auch deren Landesvorstand Berlin sowie dem Bundesvorstand an. Beide Vorstandsämter legte er im Februar vergangenen Jahres nieder, um sich dem Vorwahlkampf für seine Nominierung als Bundestagskandidat für den Frankfurter Wahlkreis 182 zu widmen. Erfolgreich war er freilich nicht. Aus einer Stichwahl zwischen dem langjährigen Bundestagsabgeordneten Matthias Zimmer und Axel Kaufmann war Letzterer als Sieger hervorgegangen. Sylvia A. Menzdorf

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