Mit fünf Jahren wagte Alex Mitschke an der Inheidener Straße den ersten Sprung ins Wasser. Da hieß die Anlage noch Bezirksbad. Später war er auch der Leiter des Panoramabades. Heute ist der 55-Jährige der Marketing-Chef der Bäderbetriebe.
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Mit fünf Jahren wagte Alex Mitschke an der Inheidener Straße den ersten Sprung ins Wasser. Da hieß die Anlage noch Bezirksbad. Später war er auch der Leiter des Panoramabades. Heute ist der 55-Jährige der Marketing-Chef der Bäderbetriebe.

Doppeltes Jubiläum

Frankfurt: Wo der Chef selbst Schwimmen lernte

  • vonSabine Schramek
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Vor 50 Jahren wurde das heutiges Panoramabad eröffnet, damals noch unter dem Namen Bezirksbad Bornheim.

Wer in Bornheim Schwimmen gelernt hat, hat seine ersten Züge in der Inheidener Straße geübt. Vor 50 Jahren wurde dort das Bezirksbad Bornheim eröffnet. Vor 30 Jahren wurde es erweitert und heißt seither Panoramabad. Einer, der von Anfang an dabei war, ist Alex Mitschke.

In lachsrotem Leinenanzug steht Alex Mitschke (55) auf dem Drei-Meter-Sprungbrett zwischen Segeln in Aquamarin und Weiß und dem darunter hellblau funkelnden Wasser. "Das Becken ist noch original", sagt er und erinnert sich: "Als Bub wusste ich nicht, dass das hier alles nagelneu war. Das war mir als 5-Jähriger, der hier seine ersten Schwimmversuche gemacht hat, wohl auch egal", erzählt der heutige Sprecher der Bäderbetriebe Frankfurt. "Jeden Tag war ich mit meiner Mutter hier, am Wochenende auch mit meinem Vater. Das einzig Unangenehme waren die Badekappen", sagt Mitschke amüsiert. Das Schwimmen hat er sich selbst beigebracht, "wie damals alle. Es sah nicht schön aus, hielt mich aber bereits vor Schulbeginn über Wasser".

Bernemer Bub wird Bademeister

Mitschke ist voller Erinnerungen und Erzählungen über das Bad, das jetzt quasi einen Doppelgeburtstag hätte feiern können. Doch dann kam Corona. Schwimmer ziehen ihre Bahnen im blauen Nass, im Freibad lassen sich Besucher auf dem Rücken auf dem 27° Celsius warmen Wasser treiben. Bis Mitschke zwölf Jahre alt war, kam er noch wöchentlich zum Schwimmen. Meist alleine. "Weil meinen Eltern das Wasser zu kalt war."

Er verlor das Bad aus den Augen, bis er 1982 eine Ausbildung beim Sport- und Badeamt begann. "Ich wollte was mit Freibad und nicht Tischler oder Automechaniker werden. Bademeister hatte mir gefallen." Der Bernemer Bub lebte damals am Röderberg und arbeitete einige Jahre im Nieder-Eschbacher Freibad und einen Winter in Bornheim. Der Zufall wollte es, dass Mitschke die Leitung des neuen Panoramabads 1992 übertragen bekam. "Mit 27 Jahren war ich der jüngste Bäderchef bei den Frankfurter Bädern mit 25 Mitarbeitern, die meist viel älter waren als ich. Das war ein Sprung ins kalte Wasser", meint er und gesteht, dass er "vor allem Sozialkompetenz lernen musste, um 60-Jährigen zu sagen, was zu tun ist".

Zwei Jahre später war er Chef von vier Bädern, 1995 kamen auch noch die Großsporthallen dazu. Mit einem Kollegen hat er sich dann die Aufgaben und nicht die Einheiten geteilt, "weil es sonst zu unübersichtlich geworden wäre. Der Kollege hat sich um die Betriebe gekümmert, ich um Marketing und Veranstaltungen". 1996 bekam er den ersten "Marketingchef"-Titel der Stadt. Mischke entdeckte und holte Sportmannschaften. "Vor 20 Jahren waren alle erstklassigen Mannschaften in Frankfurt. Die Frankfurt Lions, die Skyliners, die Eintracht und Galaxy. Da entstand auch der Slogan ,Sportstadt Frankfurt'."

Markisen gegen die Sommerhitze

Der Knick kam für ihn 2003, als die Bäder und Sportstätten voneinander getrennt wurden. "Ich kam von den Bädern und bin geblieben, obwohl die Veranstaltungen mich schon sehr gereizt haben." Mitschke übernahm bei den Bäderbetrieben Frankfurt die Titustherme, das Rebstockbad und das Panoramabad. Als Marketingmanager kümmerte er sich auch um Dienstleistung und die Themen, die die Badegäste animierten, zu kommen. Von Angeboten über Farben, Einrichtungen und Kommunikation. "Im gläsernen Panoramabad war es im Sommer manchmal über 50° Celsius heiß. Das war unerträglich. Deshalb haben wir zum Beispiel die aquamarinblauen Markisen angebracht. Das hat damals 420 000 D-Mark gekostet." Die Segel im Bad sorgen für Schalldämpfung und bessere Akustik. Im Saunagang wurde ein Fenster eingebaut, denn auch dort staute sich Hitze bis 62° Celsius. Auch schalldichte Fenster kamen dazu. "Viele Jahre mussten wir jeden Abend per Hand das Außenbecken abdecken, weil eine Nachbarin sich über Chlorgeruch beschwert hatte und eine Allergie angab. Allerdings auch an Tagen, als das Becken frisch gefüllt wurde und gar kein Chlor drinnen war", erinnert sich Mitschke lachend.

Gespannt ist er auf den Neubau, der in den nächsten Jahren an der Eissporthalle gebaut werden soll. Eine Sanierung des Panoramabades wurde als zu teuer verworfen, der Neubau wird für 40 Millionen Euro veranschlagt. Bis dahin bleibt das Panoramabad für den Badespaß. Mitschke beruhigt. "Bis zum Neubau haben wir sogar einen Schneelastplan für das Dach vom Panoramabad, um auch im Winter sicheres Baden, Schwimmen und Plantschen zu gewährleisten." sabine schramek

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