Gastronomen in Frankfurt demonstrieren mit „Pandamie“-Pandas und Hupkonzert für mehr Transparenz.
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Gastronomen in Frankfurt demonstrieren mit „Pandamie“-Pandas und Hupkonzert für mehr Transparenz.

Protest gegen Corona-Politik

Corona-Ärger in Frankfurt: Gastronomen wütend – nun setzen sie sich zur Wehr

  • vonSabine Schramek
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Leidgeplagte Frankfurter Gastronomen greifen in ihrem Protest gegen die Corona-Politik und den Lockdown zu ungewöhnlichen Mitteln.

  • Corona bestimmt noch immer den Alltag.
  • Gastronomen in Frankfurt wollen sich jetzt zur Wehr setzten.
  • Sie wenden ungewöhnliche Maßnahmen bei ihrem Protest gegen die Politik an.

Frankfurt – Man nehme ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Wut, ein bisschen Verzweiflung, viele Autos, Hupen und mindestens so viele 1,20 Meter große Pandas. So würzen seit drei Wochen Gastronomen, Clubbetreiber und Mitarbeiter an einem Abend der Woche ihren Protest, um mehr Transparenz in der Corona-Politik zu fordern.

Riesige dicke Pandas mit T-Shirts und schwarzen Masken belegen Beifahrersitze, Rücksitze, Kofferräume und winken aus Cabrios, Kleinwagen und Kombis. Sogar auf einem Motorrad ist ein fetter Panda dabei. An den Steuern der mehr als 40 Gefährte sitzen Männer und Frauen, die Lokale und Clubs betreiben, und Mitarbeiter, die einfach nur arbeiten wollen. Laut hupend fahren seit dem 23. Februar jede Woche immer mehr Leute mit beim „Korso for Transparency“ in Frankfurt.

Corona-Frust macht sich bei Restaurants und Clubs in Frankfurt breit

Ins Leben gerufen haben ihn nicht Querdenker, sondern Rousbeh Toussi (44), der seit letztem März seine drei Clubs Velvet, Karlson und Adlib wegen Corona nicht öffnen kann, und Pino Fichera (51), der die Lokale „Thai & Turf“, „T&T Steakhouse“ und das „Pino’s“ betreibt. Statt Gästen sitzen Pandas im Pino‘s an Tischen und am Tresen als 24-Stunden-Pandamie-Museum, die neben Pizza und Pasta To-Go kuschelige und humorvolle Abwechslung in den Corona-Frust von Jedermann bringen. „Wir wollen verstehen, was das alles soll. Wir fordern Transparenz statt Willkür“, sind sich die beiden einig, die mit Pandas, Hupen, lauter Musik und Megaphon eine Stunde lang mit Polizeibegleitung in Frankfurt zwischen Hochstraße, Börsenstraße und Neue Mainzer Straße cruisen.

Der Auto-, Trike- und Motorradkorso will gleichzeitig Gehör, Aufmerksamkeit und Freude bereiten. Das gelingt auch. Sobald Fußgänger und Radfahrer die putzigen Pandas sehen, winken sie ihnen zurück, zücken ihre Handys und lachen. Selbst die Taxifahrer, die an der Börsenstraße genervt auf Fahrgäste warten, lachen und winken bei der zweiten Runde. Während aus dem Leadfahrzeug „Dare to Live“ von Andrea Bocelli und Laura Pausini schallt, fragt Toussi via Megaphon, warum Wettbüros öffnen dürfen, Restaurants und Clubs aber nicht.

Protest in Frankfurt richtet sich gegen Corona-Politik

„Clubs haben perfekte Nachverfolgung, weil jeder, der rein will, sowieso seinen Ausweis zeigen muss. Büro- und Hochhäuser haben oft schlechte Lüftungen, Clubs nicht. Auch Lokale haben Lüftungen angeschafft und alles umgesetzt, was gefordert wurde.“ Als der Tross am Opernplatz vorbeifährt, ruft er selbstsicher, dass „es die Randale vom Opernplatz nie gegeben hätte, wenn Clubs offen wären. Clubbetreiber wissen, wie man mit Leuten unter Alkohol- und Drogeneinfluss umgeht, damit es friedlich bleibt. Sie haben damit jede Menge Erfahrung und Lüftungen, die mit vielen Menschen, Schweiß, Tanz und Lärm bestens klarkommen. Hunderttausende Euro haben Restaurants und Clubs investiert und sind trotzdem zu. Das ist unfair.“

Ein Pilot spricht Fichera durch das offene Fenster, aus dem ein Panda rausguckt, an. „Toll, was Ihr da macht“, sagt er. „Die Zeiten sind schlimm. Für uns alle. Es muss endlich Klarheit her für alle. Ich drücke Euch die Daumen“. Fichera nickt und lächelt. „Alles, was ich will, ist arbeiten“, ruft Kellner Alex. Und ich muss arbeiten, um die Miete zu bezahlen und für mein Kind. Niemand fragt, was mit Spülern, Kellnern, Zimmermädchen und allen anderen Mitarbeitern ist. Es geht ihnen schlechter als schlecht“, fügt er verzweifelt hinzu. Die Fahrer des Korsos in Frankfurt wollen keine Bittsteller sein, sondern, dass die Politiker mit ihnen direkt sprechen. „Wir fühlen uns im Stich gelassen. Es wird über viele Köpfe hinweg entschieden, ohne dass der direkte Kontakt zu Problemlösung gesucht wird“, beklagen sie.

Frankfurt: Gastronomen stellen klare Forderungen gegen Corona-Maßnahmen

Sie fordern klare Erklärungen, warum welche Entscheidung genau getroffen wird. Sie fordern klare Linien. „Jeder darf auf der Straße Kaffee trinken, aber nicht auf der Terrasse eines Lokals sitzen. Das ist unlogisch“, rufen sie. Am Rathenauplatz klatschen Fußgänger Beifall.

Die Fahrer lächeln bitter. Sie freuen sich über den Zuspruch trotz des Lärms, den sie mit ihren Hupen machen. Öffnen dürfen sie dennoch nicht. Fichera beschäftigt 60 Mitarbeiter. „Um die mache ich mir die meisten Sorgen und das geht sehr vielen Kollegen so“, sagt er leise. „Ich will, dass alle wieder lächeln und lachen können. Jeder, der von den Corona-Maßnahmen betroffen ist. Die Pandamie Pandas schaffen einen Moment Ablenkung und Freude. Wir aber schaffen es nicht mehr lange, durchzuhalten. Darum fahren wir weiter. Vielleicht hören uns ja doch einmal die Politiker zu. Wir haben Lösungen.“ (Sabine Schramek)

Den Lockdown sehen viele Gastronomen als „Todesstoß“. Die Restaurantbetreiber in Frankfurt fiebern dem Ende der Corona-Beschränkungen entgegen.

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