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Corona-Ausbruch an Frankfurter Förderschule: 18 Schüler und Mitarbeiter infiziert

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Von: Paul Bröker

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Ein Teststreifen liegt nach einem Corona-Test auf einem Mäppchen (Symbolbild).
Corona-Ausbruch an der Michael-Schule in Frankfurt: Die Förderschule hat schnell reagiert und den Unterricht ausgesetzt (Symbolbild). © Peter Kneffel/dpa

An der Michael-Schule in Frankfurt häufen sich die Corona-Fälle. Der Unterricht an der Förderschule in Griesheim ist ausgesetzt, soll aber bald wieder beginnen.

Frankfurt am Main – An der Michael-Schule, einer privaten Förderschule im Stadtteil Griesheim, ist es zu einer Häufung von Corona-Infektionen gekommen. Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt meldete 18 bestätigte Fälle an der Förderschule, die nach der Waldorf-Pädagogik unterrichtet. Betroffen sind zehn Mitarbeiter und acht Kinder. Daraufhin hat die Schule am Mittwoch vergangener Woche (01.12.2021) in Absprache mit dem Gesundheitsamt beschlossen, den Präsenz-Unterricht auszusetzen, teilt die Geschäftsführerin Martina Birkelbach mit.

Die Eltern hätten ein Informationsschreiben des Gesundheitsamtes erhalten, mit der Bitte, das eigene Kind testen zu lassen, sagt Wiebke Reimann, die Sprecherin des Frankfurter Gesundheitsamts. Es sei alles „generalstabsmäßig“ abgelaufen, ergänzt die Amtsleiterin des Staatlichen Schulamts für Frankfurt am Main, Evelin Spyra. „Wir wurden rechtzeitig informiert.“ Man habe die Meldung an das zuständige Team der „hessenWARN“-App weitergeleitet.

Corona-Ausbruch an Frankfurter Schule: Keine Notbetreuung möglich

Die Eltern wurden zudem noch am 1. Dezember von der Michael-Schule mit einem Brief über die Schulschließung wegen Corona in Kenntnis gesetzt. Darin wurde darauf hingewiesen, dass eine Notbetreuung nicht möglich sei, sagt die Geschäftsführerin der Michael-Schule, Martina Birkelbach.

Die nicht-infizierten Schüler seien daraufhin im Homeschooling weiter unterrichtet worden, sagt Birkelbach. Als Förderschule habe die Michael-Schule jedoch, anders als Regelschulen, ganz andere Förderbedarfe. Deshalb sei es der Schulleitung, in Verantwortung gegenüber Schülern und Eltern, nicht leichtgefallen, den Unterricht in Präsenz auszusetzen.

Michael-Schule in Frankfurt: Weitere Corona-Infektionen wären nicht mehr vermeidbar gewesen

Die Schließung habe letztlich jedoch der Umstand erforderlich gemacht, dass die Schüler vor und nach dem Unterricht gemischt in Taxen nach Hause gebracht werden. Hier sei ein weiteres Corona-Infektionsgeschehen nicht mehr vermeidbar gewesen, sagt die Geschäftsführerin. Zudem haben die Mitarbeiter an Schultagen nahezu mit jedem der Schüler direkten Kontakt.

Die Michael-Schule bietet die Förderschwerpunkte „Lernen und geistige Entwicklung“ sowie „Emotionale und soziale Entwicklung“ an. 68 Schülerinnen und Schüler werden in den Stufen 1 bis 12 unterrichtet. Die Klassen werden jeweils von zwei Lehrkräften betreut. Jeweils fünf bis sechs Kinder besuchen eine Klasse. An der Michael-Schule machen die Schüler keinen Abschluss, es werde jedoch versucht, sie so lange wie möglich ins Schulsystem zu integrieren.

NameMichael-Schule
SchulformFörderschule
StadtteilGriesheim
Schülerzahl68
TrägerschaftHeilpädagogischen Verein „Haus Michael“ e. V.
GeschäftsführungMartina Birkelbach

Insgesamt 29 Mitarbeiter kümmern sich um die Schüler. Davon sind 14 Lehrkräfte festangestellt, die übrigen externen Angestellten arbeiten in unterschiedlichen Feldern, beispielsweise als Köche oder FSJler. Von den festangestellten Lehrern seien sieben erkrankt, sagt Martina Birkelbach – also die Hälfte. Zudem steckten sich drei der externen Mitarbeiter an.

Corona-Ausbruch in Frankfurter Förderschule: „Es gab bei uns nicht das eine Event.“

Die Infektionen von Schülern und Personal seien größtenteils unabhängig voneinander erfolgt, sagt die Geschäftsführerin. „Es gab bei uns nicht das eine Event.“ Bei einigen Lehrern habe sich das Virus im Verwandtenkreis verbreitet, auch Schüler brachten es von zu Hause mit und steckten Mitschüler an. Die meisten Lehrer seien geimpft. Trotz Impfung hätten sie sich angesteckt.

Vorsorglich, obwohl dies nicht zwingend notwendig gewesen wäre, hat die Geschäftsführung in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt die Schule geschlossen. „Bevor’s knallt, schließen wir“, habe sie sich gedacht, sagt Martina Birkelbach. Seit der Schließung habe es keine weitere Meldung über eine Infektion gegeben. Die Eltern würden fortlaufend über das weitere Vorgehen informiert. So wandte sich am 3. Dezember auch der Vorstand der Michael-Schule mit einem Schreiben an die Elternschaft.

Am Montag (13.12.2021) soll aller Voraussicht nach der Unterricht wieder in Präsenz anfangen, teilt Geschäftsführerin Birkelbach mit. Alle Schüler und Mitarbeiter sollen dann in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt vor Unterrichtsbeginn per Antigen-Schnelltest getestet werden.

Corona-Ausbruch an Michael-Schule: Förderschüler haben eigentlich Anspruch auf Betreuung

Laut Hessischem Kultusministerium muss bei Schülern mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung gegebenenfalls die besondere Betreuung in Absprache mit den Eltern in der Schule sichergestellt werden. Denn die Schüler bedürfen laut Ministerium besonderer Betreuung und Unterstützung. Wenn an Regelschulen bereits Distanzunterricht stattfindet, dürfen Schüler mit Einschränkungen somit weiter in Präsenz unterrichtet werden. Diese Regelung ist im Leitfaden zum Schulbetrieb im Schuljahr 2021/22 (PDF-Dokument) aufgeführt.

Für die Förderschüler ist zudem die Maskenpflicht im Unterricht ausgesetzt. Diese Regelung sei nötig, sagt Geschäftsführerin Martina Birkelbach. Denn: „Viele Kinder bei uns können keine Maske tragen. Sie könnten sonst den Gesichtsausdruck ihrer Lehrer nicht wahrnehmen.“ Das treffe vor allem auf Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung zu.

Jedoch erschwerten die Behinderungen der Schüler auch Gegenmaßnahmen, um das Virus einzudämmen. So sei eigentlich auch eine Reihentestung mit PCR-Test wegen des Corona-Ausbruchs an der Schule vorgesehen. Diese sei bei geistig beeinträchtigten Schülern jedoch schwierig umzusetzen, sagt Birkelbach. (Paul Bröker)

Ende September hatte es einen Corona-Ausbruch an einer Grundschule im Main-Kinzig-Kreis gegeben.

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