Nach dem Ende des Corona-Lockdowns haben einige Menschen mit dem „Cave-Syndrom“ zu kämpfen. (Symbolfoto)
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Nach dem Ende des Corona-Lockdowns haben einige Menschen mit dem „Cave-Syndrom“ zu kämpfen. (Symbolfoto)

Corona-Nachwirkungen

Für immer im privaten Lockdown? Psychologe aus Frankfurt untersucht „Cave Syndrom“

  • Erik Scharf
    VonErik Scharf
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Nicht jeder schafft es aus dem privaten Corona-Lockdown heraus. Das „Cave-Syndrom“ beschäftigt einen Psychologen an der Goethe-Universität in Frankfurt.

Frankfurt – Die Corona*-Pandemie ist noch lange nicht überwunden. Das öffentliche Leben ist aber schon in weiten Teilen wieder zur Normalität übergegangen. Für viele Menschen löste die Vorstellung, nach monatelangem Lockdown und „Social Distancing“ wieder in Bars, ins Stadion oder zum Konzert gehen zu können, eine Euphorie aus – bei anderen aber sind größere Menschenmengen seither negativ besetzt.

Schließlich sind alle diese Sachen wieder mit größeren Menschenmengen verbunden. Sei es am Einlass, auf Tribünen oder auf der Tanzfläche. Für manche Menschen ist das aber ein Umstand, der auch in Geimpften und Genesenen eher ein Gefühl von Angst und Beklommenheit als Freude auslöst, wie der Psychologe Ulrich Stangier aus Frankfurt* erklärt: „Sie bleiben in ihrem Schneckenhaus stecken“, sagt er der dpa.

Psychologe aus Frankfurt: „Cave-Syndrom ein vorübergehendes Unvermögen“

Stangler spricht hierbei vom „Cave-Syndrom“. Experten sind sich mittlerweile einig, dass es dieses Syndrom gibt. Wie viele Menschen in Deutschland davon betroffen sind, ist derzeit noch nicht bekannt. Für erste belastbare Daten will er nun mit einer Online-Befragung an der Goethe-Universität in Frankfurt herausfinden. Eine ähnlich angelegte Studie in den USA ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich 46 Prozent der Befragten nicht damit wohlfühlten, zu ihrem Alltag vor Corona zurückzukehren. 49 Prozent gaben an, dass es ihnen schwerfällt, zwischenmenschliche Begegnungen wieder zuzulassen, berichtet die dpa.

„Nach 18 Monaten haben wir uns daran gewöhnt, dass es wenig sozialen Austausch gibt“, sagt Stangier. „Wir haben gelernt, Lust und Freude bei anderen Aktivitäten des Alltags zu empfinden.“ Der Psychologe aus Frankfurt betont aber auch, dass das „Cave-Syndrom“ keine Krankheit sei, sondern ein vorübergehendes Unvermögen, Freude an sozialen Begegnungen zu empfinden. Beim Großteil der Menschen würde die Phase nach zwei bis drei Monaten vorbei sein.

„Cave-Syndrom“: Psychologe aus Frankfurt richtet Blick auch auf Jugendliche

Bei etwa fünf Prozent der Menschen in Deutschland, so schätzt Stangier, sei die Störung jedoch dauerhaft. Meist seien es Menschen, die schon vorher sehr zurückgezogen gelebt haben. Bei ihnen habe die Corona-Zeit den Rückzug verstärkt und zu einer Depression oder sozialen Angststörung geführt, die nicht von allein zurückgeht.

Im Fokus stehen beim „Cave-Syndrom“ auch Jugendliche. „Die Angst vor einer Infektion war immer geringer als der Wunsch nach Kontakten“, sagt Stangier, daher die vielen Treffen im Park, daher die illegalen Partys, wie es sie auch in Frankfurt gegeben hat. Aber auch unter den Jugendlichen erlebten viele eine Verunsicherung bei der Rückkehr zur sozialen Normalität. „Insbesondere in der Pubertät sind Jugendliche besonders vulnerabel für die Entwicklung von sozialen Ängsten, da kann das Abgeschnittensein die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen empfindlich stören.“ Zuletzt forderte der Landesschülersprecher in Hessen für mehr Unterstützung für Schüler bei psychischen Problemen durch Corona*. (esa/dpa) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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