Ein Sänger während eines Konzerts
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In Frankfurt bringt der „Musiklieferdienst“ Live-Konzerte nach Hause – trotz Corona. (Symbolbild)

„Es war wunderschön“

Live-Konzerte trotz Corona in Frankfurt – der „Musiklieferdienst“ macht‘s möglich

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Live-Musik findet in der Corona-Krise kaum noch statt. Doch in Frankfurt geht das – der „Musiklieferdienst“ bringt Konzerte in Privathäuser.

Frankfurt – In der Corona-Krise haben Lieferdienste massiv an Bedeutung gewonnen. Pizza gib es per App, Klamotten, Handys und alle anderen Dinge lassen sich mit nur ein paar Klicks bestellen. Doch wie sieht es mit Livemusik aus? In Frankfurt ist das kein Problem.

Mit dem „Musiklieferdienst“ der Kammerphilharmonie Frankfurt kann ein Ensemble ganz einfach nach Hause bestellt werden – zwischen 15 und 18 Uhr am Sonntag. In zahlreichen Stadtteilen treten die Musiker im Solo oder Duo in die Hausflure. Bis zu 10 Minuten geben die Künstler ein Corona-Konzert, dann ziehen sie auf der „Lieferroute“ zum nächsten Haus.

Corona in Frankfurt: „Musiklieferdienst“ spielt Konzerte im Treppenhaus

Selbstverständlich finden die Home-Konzerte unter Einhaltung der Corona-Hygienemaßnahmen statt. Die Musiker spielen mit FFP2-Masken. Bläser können beim Spielen keine tragen, sie halten maximalen Abstand zu den Bewohnern. „Sie öffnen Ihre Tür und hören von Ihrem Wohnungsflur aus zu. Bitte tragen auch Sie eine Maske für den Schutz aller Beteiligten“, schreibt die Kammerphilharmonie Frankfurt auf ihrer Webseite.

„Als zu Beginn der Pandemie alles abgesagt wurde, oft ohne Ausfallhonorare, habe ich mich gefragt, wieso ich diesen Beruf überhaupt ausübe. Seit wir wieder live spielen, weiß ich es wieder“, sagte Geschäftsführerin Nicola Vock, die selbst Kontrabass spielt, dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Gemeinsam mit einer Kollegin habe sie im Herbst die Idee zu den Corona-Treppenhauskonzerten gehabt. „Wir haben uns von Anfang der Pandemie an überlegt, wie wir live bleiben können“, so Vock. Bereits im Sommer spielten die Musiker in Frankfurter Gärten „Nachbarschaftsmusik“.

Live-Konzerte trotz Corona in Frankfurt: Anwohner sind begeistert

Gefördert wird das Projekt vom Kulturamt Frankfurt. Insgesamt sei die Reaktion des Publikums auf die Konzerte überwältigend. Die Buchung ist für alle kostenlos. Spenden werden jedoch sehr gerne entgegengenommen.

„Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Livemusik gehört habe“, äußerte sich eine Anwohnerin gegenüber dem „Spiegel“ nach einem Konzert. Untereinander sammelten die Nachbarn Spenden, die sie zum Abschied den Künstlern in die Hand drückten. „Es war wunderschön, mal wieder live Musik zu hören und es tut gut die Musiker zu unterstützen.“

Frankfurt: Musiker planen größere Corona-Konzerte

Die Musiker wollen in der Corona-Krise noch größere Live-Konzerte auf die Beine stellen. Ab April startet der „MusiklieferdienstZWEI“, bei dem sich Frankfurter ein 12-köpfiges Streichorchester oder ein Bläserquintett in den Hinterhof bestellen können. „So soll ein gemeinsam gestaltetes Event entstehen, das der pandemischen Ausnahmesituation gerecht wird“, schreibt die Kammerphilharmonie. (Tim Vincent Dicke)

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