Die Polizei Frankfurt und das Ordnungsamt achteten darauf, dass sich Gäste und Wirte der Restaurants in Alt-Sachsenhausen an die Corona-Regeln hielten.
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Die Polizei Frankfurt und das Ordnungsamt achteten darauf, dass sich Gäste und Wirte der Restaurants in Alt-Sachsenhausen an die Corona-Regeln hielten.

Coronavirus

Frankfurt: Corona-Regeln sind der „Todesstoß für die Gastronomie“

  • vonSabine Schramek
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In Frankfurt versuchen Restaurant-Besitzer trotz Corona die Normalität zu wahren. Doch das ist wegen der Regeln nicht immer möglich.

  • Die Corona-Lage wirkt sich nach wie vor auf Restaurants und Bars aus.
  • In Frankfurt-Sachsenhausen haben es die Besitzer der Lokalitäten nicht einfach.
  • Einer spricht sogar vom „Todesstoß für die Gastronomie“

Frankfurt - Ein Gefühl zwischen Freude und Sorge ist am ersten Wochenende der Corona-Lockerungen nicht nur bei Gastronomen zu spüren. Gäste reagieren auf die scharfen Vorschriften zwischen verständnisvoll und sauer. Polizei und Ordnungsamt schwanken zwischen Lob und knallhartem Durchgreifen.

Auf Knien und mit weißem Klebeband und Metermaß bewaffnet robbt Mirko Ferenczy (39) stundenlang auf dem Boden. Alle 1,5 Meter zieht sich je ein weißer Streifen über Terrassen- und Holzboden des O'Dwyer's Irish Pub in der Klappergass.

Corona-Lage in Restaurants in Frankfurt: Pub-Besitzer klangt an: „Gewinne unmöglich“

Mehr als die Hälfte der Tische und Barhocker haben er und seine Geschäftspartner längst über die steile Treppe zum Raucherraum im ersten Stock geschleppt. „Oben bleibt zu“, sagt er knapp und hängt Benimm-Zettel auf. Pflichten über das Tragen von Masken, Abstandsregelungen, das Ausfüllen von Adresszetteln, das platziert werden und die Bitte um Verständnis.

„Wir wollen wieder für unsere Gäste da sein. Damit sie und wir ein bisschen Normalität leben können“, so Ferenczy. „Die Auflagen sind hart, Gewinn unmöglich, aber vielleicht können wir ein bisschen Kosten abfangen.“ Er ist neugierig, was die anderen Wirte in Sachsenhausen und Oberrad in Zeiten von Corona machen.

Hinter der „Grünen Soße am Main“ in Frankfurt spielen einige Paare Tennis. Jörg Friedrich und Kai Abicht kleben Restaurant-Plätze orange ab. Sterillium am Eingang und erlaubter Platz für sechs Tische innen und ebenso wenige außen. „Wir müssen damit leben. Zumindest sind die Gäste happy“, so Friedrich, der immer wieder Leute warten lassen muss, bis ein Tisch frei wird. Nebenan in der Gerbermühle ist der enge Biergarten großen Tischen mit Stühlen gewichen. Ferenczy ist Stammgast hier und staunt. „Das sah vorher anders aus“, meint er und setzt sich. 

Corona in Frankfurt: „Es geht um die Gäste, nicht um Gewinne“

Es ist wie im Urlaub. Viel Platz, Weitsicht und fröhliche Kellner mit schwarzem Corona-Mundschutz. „Es ging alles Hals über Kopf“, so Host David (36). „Unser Chef hat diese Masken extra für uns machen lassen. Da können auch die Köche gut mit atmen“, sagt er. „Wir dürfen arbeiten und wieder Gäste begrüßen. Die Karte ist klein, da wir viel weniger Plätze haben, aber ein glücklicher Gast kommt wieder.“ Koch Benjamin Molzberger meint. „Es gehört Charakter dazu, aufzumachen. Es geht um die Gäste, nicht um Gewinn. Die Welt dreht sich weiter“. 

Im Frankfurter Stadtteil Alt-Sachsenhausen sind am Freitag noch viele Lokale zu. „Das kann ich verstehen“, so Geschäftsführerin Lorna O'Sullivan von Dauth Schneider. Am Freitagabend hat sie einen Umsatz gemacht „wie in einer Woche Essen-To-Go. 24 statt 100 Leute dürfen draußen sitzen. Das ist viel zu wenig. Manche wollen ihre Daten nicht abgeben. Die Diskussion ist mühselig, da wir anders keine Plätze vergeben dürfen.“

Corona in Frankfurt: „Todesstoß für Gastronomie“

Jürgen Vieth, dem fünf Lokale in Alt-Sachsenhausen gehören, lässt einige ganz zu. „Die Reglung mit 1,5 Meter und 5m² Platz pro Gast ist der Todesstoß für die Gastronomie. Ich fühle mich besoffen, fern der Heimat und sauer“, sagt er. Seine 15 Festangestellten waren in Kurzarbeit. „Das Geld vom März ist jetzt noch nicht da“, schimpft er. Am Freitag sieht er sich bei den Kollegen um. Ferenczy erzählt er von seinem "Bootshaus Frau Rauscher auf dem Main". "Nix halbes, nix ganzes. Statt 200 Leuten dürfen wir 59,4 Leute bedienen. Die Gemütlichkeit fehlt.“

Im Pub sitzen wegen Corona nur acht Gäste auf der Terrasse. „Mehr dürfen nicht“, so Ferenczy. "Aber sie fühlen sich wohl. Leider dürfen wir keine Getränke zum Mitnehmen verkaufen", so Ferenczy. "Das würde helfen. Wir müssen sehen, wie es läuft." Vieth nickt. "Alle Wirte müssen enger zusammenrücken und gemeinsame Konzepte entwickeln." Nicht weit entfernt bildet sich eine Schlange vor dem "Schöppche".

Corona in Frankfurt: Die Polizei nimmt die Fernseher mit 

Polizei und Ordnungsamt gehen ihre Runde. Die Gastgeber werden ermahnt, da sich Gruppen vor der Tür bilden. „Straßenverkauf von Getränken ist nur am Kiosk erlaubt und dort, wo es Essen gibt“, so einer der Beamten. Sie kontrollieren jedes offene Lokal. Zum O'Dwyer's Irish Pub kommentieren sie „alles perfekt“. Durchgegriffen wird später. Das „Schöppche“ wird geschlossen. Am Samstag gucken Gäste vor dem Oberbayern und dem Stevedoo das Eintrachtspiel auf der Terrasse. Kurz vor Abpfiff teilen Ordnungsamt und Polizei mit, dass keine Fernseher draußen erlaubt seien. Die Wirte wissen nichts davon.

Im Stevedoo bauen sie die Geräte selbst ab. Im Oberbayern bittet ein Mitarbeiter das Amt, den Stecker zu ziehen, da er es nicht dürfe. Sie ziehen den Stecker und nehmen den großen Fernseher mit. Die Zuschauer sind wütend, wollen die Verordnung sehen. Gezeigt wird sie nicht. Zehn Polizeikräfte sind wegen der Corona-Lage vor Ort. „Ein paar Leute haben neben den Tischen zugeschaut“, so ein Mitarbeiter des Oberbayern. „Auf öffentlichem Grund. Die Polizei hätte sie auch bitten können, weiterzugehen, statt hier einfach den Fernseher mitzunehmen. Seit zehn Jahren gibt es hier Fußball draußen. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Von Sabine Schramek

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