Steigende Fallzahlen

Gesundheitsamt Frankfurt am Limit: Längst nicht jede Corona-Infektion wird verfolgt

  • vonJoel Schmidt
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Bei der Kontaktverfolgung von Corona-Fällen arbeitet das Gesundheitsamt Frankfurt auf Hochtouren. Die stetig steigenden Zahlen der Neuinfektionen übersteigen aber die Kapazitäten.

  • In Frankfurt steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus täglich stark an.
  • Trotz Unterstützung stößt das Gesundheitsamt Frankfurt bei der Kontaktverfolgung an seine Grenzen.
  • Es können längst nicht mehr alle Corona-Neuinfektionen nachvollzogen werden.

Frankfurt – Die Tag für Tag steigenden Corona-Infektionszahlen in Hessen bringen nicht nur die hessischen Kliniken an ihre Belastungskapazitäten. Auch einige Gesundheitsämter können angesichts der Vielzahl der Corona-Fälle nicht mehr jede Infektionskette nachvollziehen „Jedem Fall genau nachzugehen, das gelingt nicht mehr“, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, im „ZDF-Morgenmagazin“. In Frankfurt kämen derzeit zwischen 200 und 400 Fälle pro Tag dazu – Tendenz steigend. „Eine solche Fülle kann man nicht mehr im Detail abarbeiten, das ist ganz klar.“

Corona in Frankfurt: Gesundheitsamt bekommt Hilfe bei der Kontaktverfolgung

Das Frankfurter Gesundheitsamt wird derzeit von 60 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sowie Beschäftigten der Stadt Frankfurt bei der Kontaktverfolgung unterstützt. Auch viele Medizinstudierende sind mittlerweile für die Tätigkeit engagiert worden, teilt eine Sprecherin des Gesundheitsamts mit. „Ein Engpass ist die Ausbildung einer großen Zahl von neuen Kräften in kurzer Zeit“, kommentiert sie den steigenden Bedarf an Unterstützung bei der Kontaktverfolgung.

Man sei für die Hilfe zwar dankbar, sagte Gottschalk gegenüber dem „ZDF-Morgenmagazin“, dennoch reiche sie nicht aus. Die Mitarbeitenden des Gesundheitsamts Frankfurt müssten bei der Kontaktverfolgung daher inzwischen bestimmte Fälle priorisieren: „Man muss sich jetzt gezielt die Fälle raussuchen, wo es besondere Dinge gibt, die es zu beachten gibt, wo es sich lohnt, genau nachzufragen“, sagte Gottschalk. Das könne zum Beispiel ein Infizierter sein, der enge Kontakte mit Risikogruppen habe – anders als ein Ausbruch in einer jungen Familie.

Auch Soldaten helfen mittlerweile vielerorts bei der Kontaktverfolgung. (Symbolbild)

Gesundheitsamt Frankfurt: Kontaktverfolgung bei Corona-Patienten wird priorisiert

Als weiteres Beispiel für die Priorisierung bei der Kontaktverfolgung nennt das Gesundheitsamt Frankfurt Angehörige folgender Gruppen:

  • Kinder
  • Medizinisches Personal
  • Personal in Einrichtungen der Altenpflege
René Gottschalk ist Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts.

Gesundheitsamt Frankfurt: Soldaten und Studierende suchen Corona-Fälle

Da diese Gruppen in Gemeinschaftseinrichtungen eine große Zahl von Personen anstecken könnten, bestehe bei ihnen die „Notwendigkeit einer schnellen Kontaktpersonennachverfolgung“, heißt es im Gesundheitsamt Frankfurt. Mit Verweis auf die am 29. Oktober in Kraft getretene Allgemeinverordnung des Landes Hessen betont eine Sprecherin zudem: „Positiv Getestete sind verpflichtet, sich für 14 Tage zu isolieren, sobald sie vom Testergebnis erfahren. Das Gleiche gilt für Haushaltsangehörige von positiv Getesteten.“ Wenn sich bei einer Corona-Erkrankung an diesen einfachen Ablauf gehalten werde, bedeute dies für das Frankfurter Gesundheitsamt zumindest eine teilweise Entlastung. (Joel Schmidt mit dpa)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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