Menschen versammeln sich auf dem Römer in Frankfurt für das Große Stadtgeläut
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Dieses Jahr muss das traditionelle Große Stadtgeläut in Frankfurt nur online stattfinden.

Adventszeit

Große Bestürzung in Frankfurt: Stadt sagt das Große Stadtgeläut wegen Corona ab

Die Frankfurter lieben ihr Großes Stadtgeläut vor dem 1. Advent und an Heiligabend. Doch dieses Tradition muss dieses Jahr ruhen. Das sorgt nun für mächtig Ärger.

  • Jährlich erklingen vor dem 1. Advent und an Heiligeabend in Frankfurt die Glocken von zehn Innenstadtkirchen.
  • Wegen der Corona-Pandemie muss das Große Stadtgeläut im Jahr 2020 online stattfinden.
  • In den sozialen Medien können nicht alle die Absage der Tradition nachvollziehen.

Frankfurt – Dass am letzten Samstag vor dem 1. Advent und an Heiligabend in Frankfurt die Glocken von zehn Innenstadtkirchen erklingen, hat eine lange Tradition. Doch in Zeiten der globalen Corona-Pandemie gelten besondere Maßnahmen, um gemeinsam das Coronavirus einzudämmen – und diese machen auch vor jahrhundertealten Traditionen keinen Halt. Wie Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) am Dienstag (10.11.2020) mitteilte, wird das Große Stadtgeläut in Frankfurt in diesem Jahr online stattfinden. In der Innenstadt von Frankfurt werden die Glocken in diesem Jahr „für diesen Anlass leider stumm bleiben“, so Becker.

Frankfurt am 1. Advent und an Heiligabend: Wegen Corona findet das Große Stadtgeläut online statt

Viele Menschen erfreuen sich sonst eigentlich in der Vorweihnachtszeit an einem Spaziergang der besonderen Art, wenn am Samstag vor dem 1. Advent in der Innenstadt von Frankfurt die Glocken zahlreicher Kirchen ertönen und einen einzigartigen Klangteppich erzeugen. Das weiß auch Bürgermeister und Kirchendezernent Becker: „Jedes Jahr freue ich mich, wie viele Frankfurterinnen und Frankfurter auch, auf diesen Termin. Vor Ort müssen in diesem Jahr aber die Glocken für diesen Anlass leider stumm bleiben“, sagte er.

Zur Begründung heißt es in der Mitteilung lediglich: „Corona führt dazu, dass unsere große Frankfurter Tradition in diesem Jahr leider nicht live durchgeführt werden kann.“ Dennoch möchte Becker in Zeiten von Corona den Menschen in Frankfurt zumindest einen kleinen Ersatz bieten und lädt dazu ein, das traditionelle Große Stadtgeläut am Samstag vor dem 1. Advent und an Heilgabend „gemeinsam zu Hause“ zu erleben.

Corona in Frankfurt: Großes Stadtgeläut vorm 1. Advent und an Heiligabend kommt vom Band

Am Samstag vor dem 1. Advent werden, entsprechend der Tradition, von 16.30 bis 17 Uhr die Glocken der Kirchen in der Innenstadt von Frankfurt ertönen – dieses Jahr allerdings nur als Tonaufnahme. An Heiligabend beginnt das Glockenkonzert erst um 17 Uhr. Verfolgt werden kann das Große Stadtgeläut an beiden Tagen auf der Internetseite der Stadt Frankfurt sowie auf ihrem Facebook-Auftritt. Den Auftakt des Großen Stadtgeläuts macht auch in Zeiten von Corona die Bürgerglocke in der Paulskirche, gefolgt von den fünf weiteren Glocken der Kirche, nachfolgend schließen sich diese neun Innenstadtkirchen dem Konzert an:

  • Paulskirche (6 Glocken)
  • Katharinenkirche an der Hauptwache (4 Glocken)
  • Liebfrauenkirche (5 Glocken)
  • Peterskirche (4 Glocken)
  • Dominikanerkloster (3 Glocken)
  • Leonhardskirche (6 Glocken)
  • Kamaliterkloster (4 Glocken)
  • Alte Nikolaikirche am Römerberg (4 Glocken)
  • Dreikönigskirche (5 Glocken)
  • Kaiserdom (9 Glocken)

Großes Stadtgeläut in Frankfurt wegen Corona nur online: Gemischte Reaktionen im Netz

In den sozialen Medien stößt die Verlegung des Kirchenkonzertes vor dem 1. Advent und an Heiligabend auf ein geteiltes Echo. „Weihnachtsglocken gehören zu Frankfurt ... Live“ zeigt sich eine Nutzerin auf Facebook enttäuscht. Manch anderer hält Corona als Begründung für die Absage für einen Vorwand: „Stück für Stück werden unsere Traditionen und Bräuche abgeschafft, unter dem Coronamantel lässt sich viel verbergen“, heißt es da mit einem nicht zu verkennendem Hang zu Verschwörungstheorien.

Doch es gibt auch viele Stimmen, die angesichts der Corona-Pandemie Verständnis für die Maßnahme der Stadt Frankfurt äußern: „In Coronazeiten könnte das ein Superspreaderevent werden. Die Entscheidung ist gut und richtig“, kommentiert eine Nutzerin die Ankündigung der Stadt Frankfurt auf Facebook. Eine weitere pflichtet ihr bei: „Ich finde die Aktion klasse und richtig!“, kommentiert sie. Und weiter: „Ich freue mich auf die Online-Übertragung. Werden uns mit einem Glühwein auf die Terrasse setzen und das Glockengeläut genießen.“

Tradition vor dem 1. Advent und an Heiligabend: Das Große Stadtgeläut in Frankfurt

Wie die Stadt Frankfurt in ihrer Ankündigung des Großen Stadtgeläuts vor dem 1. Advent und an Heiligabend mitteilt, geht die gegenwärtige Komposition auf den Glockensachverständigen Professor Paul Smets zurück, der das Geläut 1954 komponiert hat. Das erste Geläut aller Frankfurter Glocken geht allerdings noch viel weiter zurück, nämlich auf das Jahr 1347. Anlässlich der Begräbnisfeier für Kaiser Ludwig den Bayern ertönten erstmals alle Glocken der Stadt. Damals jedoch noch ohne eine harmonische Abstimmung der Glocken aufeinander, wie es heute der Fall ist.

Beim Großen Stadtgeläut erklingt übrigens auch die Gloriosa, die bekannteste Glocke Frankfurts. Sie ist über zweieinhalb Meter hoch und breit und mit 11.950 Kilogramm das Schwergewicht unter den Glocken der Frankfurter Innenstadtkirchen sowie die zwei schwerste Bronzeglocke Deutschlands. Insgesamt wiegen die 50 Glocken der zehn Innenstadtkirchen in Frankfurt gemeinsam 64.804 Kilogramm. (Joel Schmidt)

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