Einkaufscenter sind in der Krise, auch das vor 50 Jahren eröffnete Hessencenter.
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Einkaufscenter sind in der Krise, auch das vor 50 Jahren eröffnete Hessencenter.

Wirtschaft

Corona in Frankfurt: Hessencenter stark von Krise getroffen

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Corona hat einen Schub für den Online-Handel gebracht. Noch gibt es aber keine Strategie, um Einkaufszentren wie das Hessencenter wieder dauerhaft auf Kurs zu bringen.

Frankfurt – Alleine im August stiegen die Umsätze von Amazon und Co um 22 Prozent, meldete das Statistische Bundesamt im vergangenen Jahr. Joachim Stoll, der Sprecher von Frankfurts Einzelhändlern, rechnet damit, dass viele Geschäfte schließen werden: "Was der Handelsverband für die nächsten drei bis fünf Jahre prognostiziert hat, wird sich in nur einem Jahr 2020/21 abspielen", glaubt er. "Von klein bis groß, wir werden Insolvenzen erleben."

Manche sind jetzt schon in der Krise. So das Modehaus Adler, das im Januar Insolvenz anmelden musste. Es hat erst seit Oktober eine Filiale im Hessencenter eröffnet, dem Einkaufszentrum in Bergen-Enkheim, das vor 50 Jahren gegründet wurde. Fest steht schon, dass im Jubiläumsjahr auch die Parfumerie Douglas geht. Es ist die einzige der sieben Frankfurter Filialen, die das Unternehmen schließt. Die Krise des Einzelhandels, die Krise der Einkaufszentren, sie bündeln sich wie in einem Brennglas im Hessencenter.

Frankfurt: Hessencenter in Bergen-Enkheim stark von Corona-Krise betroffen

Schon im Vorjahr ereilte das Center-Management der Schock, als Karstadt-Kaufhof ankündigte, seine Filiale dort zu schließen. Manager Olaf Kindt ist sauer: "Ich weiß das nur aus der Presse." Kommunikation mit ihm bzw. den Betreibern des Hessencenters, der ECE Projektmanagement GmbH & Co, habe nicht stattgefunden. Ungewöhnlich bei einer so langen Geschäftsbeziehung.

Adler hingegen habe zugesagt, die Filiale zu halten, so Kindt. Peter Dietz, Managing Partner bei der Gesellschaft für Finanzkommunikation mbH, der für Adler spricht, bestätigt dies, Allerdings: "Ob und in welchem Umgang es zu Veränderungen in der Filialstruktur kommt, lässt sich derzeit also noch nicht sagen."

Bei Douglas hingegen sagte eine Unternehmenssprecherin allgemein: "Wir haben alle Filialen einzeln und eingehend bewertet. Kriterien waren die Wirtschaftlichkeit, die langfristigen Entwicklungsperspektiven, das Umfeld und lokale Überlappungen. Die Schließungen betreffen defizitäre Filialen und Filialen ohne ausreichende wirtschaftliche und strategische Zukunftsperspektive." Auf konkrete Standorte wollte sie nicht eingehen.

Hessencenter in Frankfurt: Zukunftsperspektive wird vermisst

Ohne ausreichende Perspektive - das ist ein hartes Urteil für das Hessencenter. Kindt hatte in dieser Zeitung schon vor einigen Monaten gesagt, dass der Weggang von Kaufhof zwar ein harter Schlag sei, aber auch eine Chance. Man wolle weg von den ganz großen Stamm-Mietern, hin zur Spezialisierung. Die drei Stockwerke des Kaufhof sollten bei einem Umbau getrennt vermarktet werden. Inzwischen, so Kindt jüngst, "ist die Kaufhof-Fläche gut vermietet. In einigen Monaten wird sie vollständig vermietet sein." Das Hessencenter lebe weiter. Auch momentan seien etwa ein Drittel der Shops offen, etwa 30 Läden. Mit dem Umbau werde sich das Center den Anforderungen der Zukunft stellen.

Die Einkaufszentrum-Expertin bei Jones Lang Lasalle, Sabine Keulertz, glaubt ebenfalls an die Zukunft des Hessencenters. "Sie werden wahrscheinlich eine andere Nutzung hineinbringen", vermutet sie.

Frankfurt: Einkaufszentren im Wandel – „Konzepte müssen sich ändern“

Dies gelte für alle Shoppingcenter, abhängig vom Standort und an diesen angepasst. "Center waren immer eine Art Marktplatz. Die Leute möchten raus, möchten was erleben. Nach dem ersten Lockdown waren die Innenstädte rasch wieder auf 80, 90 Prozent der Kunden." Das Wachstum des Online-Handels habe vieles geändert, aber die Menschen wollten nicht nur online kaufen. "Die Konzepte des stationären Handels müssen sich ändern. In den Einkaufscentern müssen Cafés, Kinos etc. entstehen, damit die Menschen hingehen, nicht nur um zu kaufen. So wie in einer Stadt", so Keulertz.

Wo künftig die Umsätze liegen, wisse man noch nicht. Doch sie rechnet damit, dass in der Nach-Corona-Zeit die Mieteinnahmen zunächst sinken werden - auch weil mit einer Insolvenzwelle zu rechnen ist. "Das Insolvenzrecht ist derzeit außer Kraft gesetzt, und was wir sehen, das aktuelle Bild, ist nicht die Realität." Mieter und Vermieter müssten viel stärker in den Dialog treten. "Am Ende", so die Immobilienexpertin, "wird es auf eine Mietanpassung hinauslaufen." Vielleicht sei dies auch eine Chance für lokale Firmen. (Thomas J. Schmidt)

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