Wie lange leuchten noch die Lampen hinter den Fenstern der Bankentürme? Bleiben  Home-Office und mobiles Arbeiten auch nach der Corona-Pandemie eine weit verbreitete Arbeitsform, könnten in einigen Wolkenkratzern die Lichter ausgehen.
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Wie lange leuchten noch die Lampen hinter den Fenstern der Bankentürme? Bleiben Home-Office und mobiles Arbeiten auch nach der Corona-Pandemie eine weit verbreitete Arbeitsform, könnten in einigen Wolkenkratzern die Lichter ausgehen.

Umsatzeinbruch

Verwaisen Frankfurts Hochhäuser wegen Corona? Die Nachfrage nach Büroflächen sinkt dramatisch

  • Thomas Remlein
    vonThomas Remlein
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Tausende Mitarbeiter im Homeoffice könnten in Zukunft weniger Bürofläche benötigen. Am Frankfurter Büromarkt ist die sinkende Nachfrage nach Flächen deutlich zu spüren.

  • Wegen der Corona-Pandemie arbeiten viele Berufstätige derzeit im Home-Office.
  • Der Arbeitsplatz zu Hause hat für Unternehmen einige Vorteile.
  • Das macht sich auch am Frankfurter Büromarkt bemerkbar - Der Flächenumsatz geht bereits zurück.

Frankfurt – Zehntausende Beschäftigte von Firmen mit Sitz in der Mainmetropole arbeiten derzeit im Homeoffice. Viele haben die Vorteile entdeckt und wollen auch nach der Corona-Krise künftig mehr von zu Hause aus arbeiten. Erste Arbeitgeber haben bereits reagiert. So hat Siemens angekündigt, die Heimarbeit phasenweise den rund 140 000 Mitarbeitern auch nach der Krise erlauben zu wollen. Vorteil: Das Unternehmen muss weniger Büroflächen mieten und weniger Mobiliar kaufen oder leasen. Das spart viel Geld.

Folgen viele Firmen dem Beispiel, könnten in einigen Wolkenkratzern die Lichter ausgehen: Bereits im ersten Halbjahr 2020 ist der Flächenumsatz am Frankfurter Büromarkt nach Analysen des Immobilienmaklers Aengevelt um 57 Prozent zurückgegangen. Statt 265 000 Quadratmeter wurden nur noch 115 000 Quadratmeter neu belegt. Auch gegenüber dem Zehn-Jahres-Durchschnitt ist die Nachfrage im ersten Halbjahr um 47 Prozent gesunken.

Frankfurt: Nachfrage nach Büroflächen schwindet – Home-Office mehr als eine Phase?

Werden künftig mehr Arbeitnehmer die hohen Mieten in Frankfurt meiden und sich im Umland niederlassen? Frank Junker, Chef der städtischen Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding, zu der auch die Projektentwicklungsgesellschaft FAAG gehört, glaubt das nicht. Er hält Homeoffice für eine vorübergehende Phase. Es fehlten soziale Kontakte, das Arbeitsklima leide massiv.

Noch gibt es auch keine Hinweise, dass wegen einer nachlassenden Nachfrage nach Büroflächen Projekte eingestellt werden. Dazu sei der Zeitraum der Corona-Krise zu kurz, sagte Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernenten Mike Josef (SPD). Zur Vorbereitung der Fortschreibung des Hochhausrahmenplans hat die Behörde eine Büroflächenuntersuchung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Mit den Büroflächen, die in Planung sind, kann der erwartete Bedarf bis 2029 abgedeckt werden.

Eine neue Untersuchung soll nun klären, ob sich unter dem Einfluss von Corona ein Überangebot entwickeln könnte, was Gellert nicht glaubt. Denn: "Um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden, sind größere Abstände zwischen den Arbeitsplätzen nötig."

Frankfurt: Mehr Einzelbüros statt Großraumflächen

So sieht es auch Aengevelt-Manager Viktor Muthesius. Künftig könnten zwar Corona-erprobte Umstellungen in Form permanenter Homeoffice-Quoten und einer Ausweitung nicht ortsgebundener Arbeitsplatzkonzepte einen verringerten Flächenbedarf der Büronutzer bedeuten. Hygiene- und Abstandskonzepte benötigen jedoch mehr Raum. Muthesius sieht sogar eine Renaissance von Einzelbüros und erwartet: "Im Ergebnis heben sich der Mehr- und Minderbedarf stellenweise auf." Selbst wenn weniger Menschen im Büro arbeiteten, bräuchten diese mehr Platz.

Den Trend zu Einzelbüros unterstreichen beispielsweise auch die Allgemeinen Arbeitsschutz-Standards der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (JGU) während der Corona-Pandemie. Mehrfachbelegungen von Räumen seien zu vermeiden und nur gestattet, wenn pro Person eine Fläche von mindestens zehn Quadratmetern zur Verfügung stünden, heißt es in den Richtlinien. Das ist deutlich mehr als es die bis dato gültigen Arbeitsstättenverordnung vorsieht. Dort heißt es: Die Grundfläche von Arbeitsräumen muss mindestens acht Quadratmeter betragen, für jeden weiteren Arbeitsplatz mindestens sechs Quadratmeter mehr.

Immobilien in Frankfurt: Anziehungskraft vorerst ungebrochen

Dass der Flächenverbrauch in Frankfurt nachlassen wird, glaubt der Immobilienmakler Muthesius schon aufgrund der Anziehungskraft des Frankfurter Wirtschaftsstandorts nicht. "Die Fundamentaldaten sind und bleiben attraktiv für diverse Mieter-Segmente." Durch den immer noch geringen Leerstand und die hohe Vorvermietungsquote bei Neubauprojekten werde das Mietpreisniveau relativ stabil bleiben. Die Spitzenmiete in der Mainmetropole beziffert Muthesius auf rund 45 Euro pro Quadratmeter.

Gellert erwartet dennoch eine Änderung der Konzepte für neue Wolkenkratzer. Statt reiner Bürohochhäuser würden Hybrid-Gebäude entstehen: Mit Wohnungen in den unteren sowie Fitnessstudios und Büros in den oberen Etagen. Schon jetzt entstünden auf ehemaligen Gewerbeflächen im Stadtgebiet zu 20 Prozent Wohnungen, so es der Bebauungsplan zulasse. (Von Thomas Remlein)

Video: Coworking Spaces - Die Zukunft nach der Corona-Krise?

Petra Lau, Leiterin des Straßenverkehrsamtes in Frankfurt, ist sicher, der Corona-Effekt beeinflusst das Verkehrsverhalten. Doch was davon übrig bleibt, ist ungewiss.

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